Köder mit kryptischer Anmerkung

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Besonders typisch sind die seitlichen Bohrungen, durch die die Nadelwirbel für die Öse und den unteren Drilling eingezogen wurden.

Vor einiger Zeit bin ich auf diese uralte Köder-Abbildung gestoßen. Ich habe sie nur als Kopie von einem freundlichen Sammlerkollegen bekommen und keine Ahnung woher sie ursprünglich stammt.

Sie zeigt einen Devon-Spinner, der aus einem massiven Messingvierkant, welcher oben wie unten leicht konisch zuläuft, mit angelöteten Flügeln gefertigt wurde. Besonders charakteristisch sind auch die beiden kleinen Zusatz-Drillinge an den Flügelchen. Auch typisch ist, dass der Köder keinen Innendurchlauf hat und der untere Drilling sowie die obere Öse durch eine seitliche Bohrung befestigt wird. Der untere Drilling ist noch aus drei Einzelhaken zusammengelötet und mit feinem Draht umwickelt, das spricht für ein Alter des abgebildeten Köders deutlich vor 1930. Vielleicht stammt die Zeichnung aus einer Patentschrift.

Ich besitze einen sehr ähnlichen Devon, den ich vor einiger Zeit hier im Blog mit Nadelwirbeln nachgerüstet habe. Auf der Abbildung ist aber die untere Hakenmontage deutlich älter als bei mienem Devon. Mein Köder besitzt bereits oben und unten Nadelwirbel, deshalb bin ich davon ausgegangen, dass auch die beiden Seitendrillinge mit solchen befestigt waren. Wahrscheinlich zeigt die Abbildung das erste Modell dieses Köders, und mein Köder ist aus der letzten Produktion einige Jahrzehnte später.

Jetzt ist auf ebay wieder ein solcher Köder aufgetaucht, wochenlang wollte niemand ihn kaufen, dann habe ich Mitleid gezeigt und ihn erworben. Die Flügel sind an der Basis etwas schmaler, ansonsten ist er identisch mit meinem ersten Köder dieser Art. Diesmal habe ich die oberen Drillinge wie auf der Zeichnung mit Messingsplinten ersetzt. Beim Köder auf der Zeichnung war übrigens auch der untere Drilling mit einem seitlichen Splint befestigt.

Diese Köder tauchen anscheinend immer ohne Seitendrillinge auf, wahrscheinlich hat der Devon sich beim Angeln damit immer heillos im Vorfach verheddert, so dass die früheren Eigentümer sie stets abgekniffen haben.

Auf der Zeichnung findet sich unten rechts eine interessante handschriftliche Anmerkung, die sich in etwa als „O.Kr. Deesd.-So.“ oder so ähnlich entziffern lässt. Das „Deesd.“ Könnte auch „Dresd.“ heißen, so war jedenfalls mein Wunschdenken, aber einen Stadtteil, der mit „So.“ beginnt, gibt es in Dresden leider nicht. Wer hat eine Idee, wie man die kryptischen Kürzel auf der uralten Zeichnung entziffern könnte? „O.Kr.“ könnten Initalen eines Namens sein, „Deesd.-So.“ die Abkürzung für einen Ort.

Infos an thomas.kalweit@paulparey.de

Die oberen Seitendrillinge wurden wie auf der Zeichnung ersetzt und mit kleinen Messingsplinten befestigt.
Wer kann diese Anmerkung entziffern? Die Bindestrich-Konstruktion spricht für Deutsch und nicht für Englisch.
Mein erster Köder dieser Art. Hier habe ich die oberen Drillinge mit Nadelwirbeln ersetzt.

Anmerkung vom 09.04.2021:

Nach H. Olliges, „Alte Kunstköder“, könnte es sich um den „Oehlschläger’schen Vierkant-Spinner Brilliant“ handeln von J. Oehlschläger, Patent um 1911.

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