Alte Bootsangel

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Mit solchen einfachen Bootsangeln wurde früher auf Barsch gefischt. Es kam ein Wurm an den Haken und dem Köder an dieser "toten" Rute wurde nur durch die Bewegungen des Bootes Leben eingehaucht.

Kürzlich konnte ich für sehr kleines Geld ein richtig archaisches Angelgerät erwerben: Ein alte Bootsangel aus dem Märkisch-Oderland vor den Toren von Berlin.

Es handelt sich dabei um eine alte Bootsangel, die vom Eigentümer damals offenbar mit einer kleinen Rolle aufgerüstet worden war. Üblicherweise wurde die Schnur auf einer Haspel, die aus zwei Holzstäben bestand, aufgewickelt. Solche Bootsangeln aus Holz wurden in die überzähligen Bohrungen für die Ruderdollen gesteckt. Nur durch die Bewegungen des Bootes erhielt der Köder Aktion.

Meine Bootsangel besitzt an der Spitze noch eine „Nase“ aus feinem Federstahl. Ursprünglich war dieser noch länger und hatte zweifelsfrei eine offene Öse. Dorthinein wurde die Schnur gelegt, der Federstahl diente als extrem sensibler Bissanzeiger. Der Vorläufer der Bibberspitze sozusagen.

Im DAM-Katalog von 1912 findet sich eine einfachere Bootsangeln, die vom Prinzip aber vergleichbar ist. Das DAM-Modell besaß eine feine Spitze aus Fischbein oder Rohr, die als Bissanzeiger diente. Die Korkkugel diente zum Einstecken der Haken beim Transport. Sehr wahrscheinlich dient bei meiner Variante dazu der dicke Streifen Leder am vorderen Ende.

Wer weiß mehr über solche Bootsangeln? Infos an thomas.kalweit@paulparey.de

Der Pinn mit Feder diente als Feststellmechanismus. Wird der Haken des Pinns auf den Alublock gedreht, kann die Spitze nicht mehr in die Bohrungen der Rolle greifen.
Mit dem unteren Zapfen wurde diese Bootsangel wohl in eine Bohrung für die Ruderdollen gesteckt, die bei Holzbooten zahlreich vorhanden waren.
Die feine Spitze aus Federstahl war früher deutlich länger und besaß eine offene Öse zum Einlegen der Schnur. Sie diente als Bissanzeiger.
Über die beiden Holzstifte wurde ursprünglich die Schnur gehaspelt. Die Rolle ist wahrscheinlich nachgerüstet.
Bootsangel aus dem DAM-Katalog von 1912. Die ursprüngliche Idee stammt wohl aus Skandinavien und wurde den Eisanglern abgeguckt.
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