Die Evolution des Maus-Spinners

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Der Mausblinker oder Mausspinner von DAM hat in seiner langen Produktionszeit viele Verwandlungen durchgemacht.

Der Mausblinker von DAM hat es Sören Fietz besonders angetan. Für unser Sammlerblog hat er eine Abhandlung zum Thema erstellt:

„Mehrfach wurde in deinem Blog über den Maus-Spinner – heute häufig als Mausblinker bezeichnet – der DAM berichtet. Meine Leidenschaft für das Sammeln hat u. a. mit diesem Modell begonnen. Ich habe inzwischen Exemplare unterschiedlicher Jahrzehnte zusammengesammelt. Es ist ein massiver Wandel im Aussehen zu erkennen. Es können mindestens acht Merkmale und noch mehr Merkmalsausprägungen unterschieden werden: 1) Material sowie 2) Montierung des Schwanzes, 3) Auge, 4) Galvanisierung bzw. Lackierung, 5) Wirbel, 6) Sprengring, 7) Haken und 8) DAM-Punze. In Teilen ist dies hier im Blog bereits erörtert worden.

1) Der Schwanz – das Material: Er kann aus Leder oder wohlbekannt und nahezu bei allen Maus-Spinnern vorkommend aus schwarzem Gummi bestehen. Eines meiner Exemplare hat einen Schwanz aus dunkelbraunem Leder, vermutlich Schweinsleder, und müsste aus der Frühzeit des DAM-Maus-Spinners stammen.

Mit angewickeltem Lederschwanz - wohl das früheste Modell.

2) Der Schwanz – die Montierung: Bei jüngeren Exemplaren ist der rote Gummi- oder Kunststoffschlauch am Drilling typisch. Der Gummischwanz wurde bei dieser Variante durch das Öhr des Drillings gezogen, anschließend wurden die beiden Enden dann in Richtung der Hakenspitzen umgelegt und abschließend wurde ein rotes Schlauchstück, eventuell Schrumpfschlauch, von der Öhrseite her zur Befestigung übergezogen. Bei älteren Exemplaren fehlt dieses Stück Schlauch, der Gummi- bzw. Lederschwanz wurde mit Garn befestigt. Das Garn ist zumeist rot, bei den ganz frühen Maus-Spinnern der DAM hingegen schwarz. Es gibt selbst bei den roten Garnwicklungen Unterschiede. Anfangs wurde das Garn noch sehr ordentlich um den Drilling gewickelt, später sind diese Wicklungen deutlich unsauberer ausgeführt worden. Das Vorkommen von Schlauch oder Garn ist nicht immer ganz widerspruchsfrei: Es kommt vor, dass aufgrund anderer Merkmale älter einzustufende Maus-Spinner einen Schlauch am Drilling und jünger zu datierende Maus-Spinner eine Garnwicklung aufweisen. Möglicherweise ist dies durch den nachträglichen Austausch von Drillingen zu erklären.

Angewickelt mit schwarzem oder rotem Garn.

3) Die Augen: Einen sehr deutlichen Hinweis auf Maus-Spinner aus der Frühzeit geben die Augen, da sie gegenüber anderen Merkmalen nur sehr schwierig zu verändern sind. Die ersten Maus-Spinner – dies gilt im Übrigen auch für frühe Zack-Blinker der DAM – haben milchige Kunststoffaugen, auf die händisch beidseitig braunrote Farbe aufgetragen wurde. Nachfolgende Produktionsjahrgänge besitzen kräftig rote, vollständig durchgefärbte Kunststoffaugen. Diese wiederum unterscheiden sich abermals: Augen älterer Exemplare haben meines Wissens eine durchgehend leicht konvexe Oberfläche, die jüngeren Exemplare haben im Zentrum des Auges häufig eine Vertiefung, aussehend wie eine Pupille. Glasaugen sind mir beim Maus-Spinner nicht bekannt.

Frühe Modelle haben milchige Kunststoffaugen, auf die rotbraune Farbe aufgetragen wurde (links). Die späteren Modelle besitzen eine pupillenartige Vertiefung (rechts).
Hier sieht man deutlich, dass die frühen Augen milchig durchscheinend sind und nur die Oberfläche farbig bemalt wurde.

4) Die Galvanisierung oder Lackierung: Ältere Exemplare haben im Original ein durch Galvanisierung entstandenes bläulich-schwarzes, spiegelblankes Blinkerblatt. Mit dem Aufkommen der durchgefärbten roten Kunststoffaugen veränderte sich die Oberflächenveredelung. Das Blinkerblatt tendierte nun ins Dunkelgrau und bekam zunehmend mehr eine Hammerschlagoptik. Die zuletzt Produzierten haben anscheinend einen matteren Hammerschlaglack als die Generation davor. Es gibt auch Maus-Spinner, die eine Übergangsform zwischen dem galvanisierten Modell und der Hammerschlaglackvariante darstellen, sie haben eine nahezu glatte Lackierung. Mein ältestes Modell hat schon viel der durch Galvanisierung aufgetragenen Metallschicht verloren, darunter scheint ein messingfarbenes Trägermaterial hervor.

Achtung: Die Galvanisierung ist sehr empfindlich gegenüber Kratzern und Bereibung!

Links die hochglänzende Variante des Mausblinkers.
Links: Hammerschlaglack mit modernem Wirbel und Pupillen-Augen. Rechts: Abgeriebene Galvanisierung mit frühen Augen und Nadelwirbel.

5) Der Wirbel: Nadelwirbel kennzeichnen die älteren, Sprengring und Tönnchenwirbel die sehr jungen Modelle. Den Nadelwirbel verwendete die DAM bei diesem Modell anscheinend verhältnismäßig lange.

6) Der Sprengring oder die Sprengringe: Lange wurden die Maus-Spinner mit einem verkupferten Sprengring zur Befestigung des Drillings ausgestattet. Bei besonders gut erhaltenen Ködern ist sogar noch der Sprengring galvanisiert! Bei den zuletzt produzierten Exemplaren wurde anstatt eines Nadelwirbels ein Tönnchenwirbel mithilfe eines verchromten Sprengringes montiert, zuzüglich zur Befestigung des Drillings verfügten diese somit also über zwei Sprengringe.

7) Der Haken: In der Frühzeit dieses Modells wurden feindrähtigere Drillinge verwendet, später wurden die Haken deutlich dicker.

8) Die DAM-Punze: Wie hier im Blog bereits ausgeführt wurde, veränderte sich die DAM-Punze im Laufe der Zeit. Ein schmales A spricht für die 1950er und wohl auch noch für die beginnenden 1960er Jahre, ein breites A für die Zeit danach.

Im Katalog von 1949 ist der Maus-Spinner nicht aufgeführt, der Katalog von 1951 liegt mir nicht vor. 1952 bewirbt der DAM-Katalog den Köder mit der Katalognummer 1625 wie folgt: „Maus-Spinner, vorzüglicher Taumelköder für Hechte. Dunkelblau gefärbt resp. galvanisiert, mit roten Augen und Schwanz. Sehr fängig in hellen Gewässern“ (DAM Gerät und Damyl – fabelhaft. Angelgeräte-Katalog 1952 mit Anleitung. – S. 52). Im DAM-Katalog von 1958 wird der Köder als dunkelgrau galvanisiert und im DAM-Katalog von 1961 als dunkelgrau beschrieben. Weitere konkrete Hinweise auf das Material geben die Kataloge leider nicht. Der Maus-Spinner kostete 1952 laut Preisliste der DAM 1,60 DM.

Der Maus-Spinner mit Lederschwanz dürfte ein weiteres interessantes Beispiel für einen Köder aus der Zeit der Wiederaufnahme der Produktion nach dem Zweiten Weltkrieg sein. Ich vermute, dass dieser Köder zwischen 1950 und 1952 erstmals von der DAM produziert wurde. Ich habe den Maus-Spinner in der Variante mit dem Lederschwanz bisher kein zweites Mal gesehen. Vielleicht lohnt sich ein Blick in die eigene Sammlung oder alte Köderbox, um weitere frühe Maus-Spinner zu finden. Kennst du gleiche Exemplare? Viele Grüße Sören“

Wer besitzt noch weitere Varianten des Mausblinkers? Bilder an thomas.kalweit@paulparey.de

Link-Tipp: Vorläufer des DAM-Mausblinkers – der Jac-Mausblinker von Jacoby in Kassel…

Aus dem DAM-Katalog von 1952. Es sieht fast so aus, als hätte der Köder nur eingeprägte Augen.
1954
1958
1961

Anmerkung vom 21.12.2020:

Jürgen Keller schrieb per Mail: „Hallo Thomas, habe auch ein paar Mausblinker von DAM. Bei dem Goldfarbenem könnte es gut sein, dass er auch mal beschichtet war. Wie man sieht, löst sich beim Zweiten von rechts auch die Beschichtung. Der ganz rechts ist wahrscheinlich der Älteste. Gruß Jürgen“

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