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Zwei DAM Trutta von Blumentritt

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Zwei DAM Trutta 5200 aus der Zeit ab 1958 mit Aufklebern des Kölner Fachhändlers Blumentritt.

Wer dieses Sammlerblog schon länger verfolgt, kennt meine Vorliebe für alte Rollen mit Rubbelbildchen von Kölner Angelläden.

Dank eines Hinweises von Sören Fietz konnte ich kürzlich zwei DAM Trutta 5200 erwerben. Zugegeben, es sind häufige Allerweltsrollen. Es müsste sich um das Modell von 1958 handeln, in grünem Hammerschlaglack mit trompetenförmigen Griffknäufen.

Besonders machen diese Rollen für mich die Rubbelbildchen des Kölner Angelgeschäfts Franz Blumentritt, Hansaring 62, mit dem Zusatz „gegenüber dem Hochhaus“. In der Nachkriegszeit, im weitgehend zerstörten Köln, war ein noch stehendes Hochhaus anscheinend eine solche Besonderheit, dass man damit geworben hat. Zudem war das hohe Gebäude als weithin sichtbare Landmarke natürlich auch einfach zu finden. Es handelt sich um das „Hansahochhaus“ in der Kölner Neustadt-Nord. Es wurde schon 1924/25 als eines der ersten Hochhäuser in Deutschland gebaut. Mit 65 Metern war es damals für ein paar Jahre das höchste Gebäude Europas.

Eine der Rollen wurde mit dem Namenszug „Josef Nießen“ personalisiert, ein im Rheinland recht häufiger Name. Google liefert da in Verbindung mit Köln und Angler keine brauchbaren Ergebnisse.

Übrigens: In den 1950er Jahren war die Konkurrenz der Angelläden in Köln ungewöhnlich groß. Es gab gleich drei überregional durch Versandhandel aktive, große traditionsreiche Angelgeschäfte, die alle in der Angelpresse warben: Schrader, Zimmermann und Blumentritt. Blumentritt bezeichnet sich in seiner Werbung zuweilen als „das führende Fachgeschäft“, was der Konkurrenz sicher nicht geschmeckt hat. Schon für 1892 ist unter dem Namen Franz Blumentritt am Kölner Hansaring 62 eine „Großhandlung für Zigarren und Tabak“ im Klockhaus Handels-Adressbuch zu finden. 1904 wird Blumentritt dann in Grevens Adressbuch als Handlung für „Fischerei-Gerätschaften“ geführt. Das Angelgeschäft Zimmermann, der Nachfolger von Engelbert Schweinem Witwe, wurde bereits 1841 gegründet, und war damit einer der ältesten Angelläden Deutschlands. Adolf Schrader, „Angelgeräte und Fischereibedarf“, findet sich ebenfalls 1904 in Grevens Adressbuch, aber nicht am Dom, sondern in der Ludwigstraße 12. In „Klockhaus‘ kaufmännisches Handels- und Gewerbe-Adressbuch“ von 1892 wird in der Ludwigstraße 16 auch schon ein Spezialgeschäft für Fischereigerätschaften „A. Schrader“ erwähnt, „geleitet von bekanntem Sportfischer“. Wahrscheinlich wurde der uns allseits bekannte Meister Adolf Schrader, der berühmte Köderbastler, der in den 1960er Jahren maximal 70 Jahre alt war, schon in ein bestehendes Angelgeschaft seines gleichnamigen Vaters hineingeboren. Es hat offenbar zwei berühmte Meister Schrader gegeben, Vater und Sohn, ansonsten würde das zeitlich nicht aufgehen…

Infos, Fragen und Anregungen bitte an thomas.kalweit@paulparey.de

Angelsport-Blumentritt "Köln gegenüber dem Hochhaus".
Der erste Besitzer hat sich die Rolle offenbar mit einem Rubbelbildchen personalisiert.
"Das führende Fachgeschäft!" Anzeige aus der Fischwaid von 1953. Interessanterweise weicht hier die Beschriftung des Logos von den Rollen-Rubbelbildchen ab.
Anzeige aus der FIschwaid von 1955. Zeitgleich warben auch die Kölner Händler Schrader und Zimmermann mit großen Annoncen.
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