Nachwuchs kümmert sich um Nachwuchs

4849
Der 2. Vereinsvorsitzende Karl-Heinz Döring zeigt den Jugendlichen, wo man die Forellen am besten einsetzen sollte. Bilder: Oliver Jüsten

Ein Teil der Jugendgruppe des Bezirks-Fischereivereins Erlangen hat die Schwabach mit jungen Forellen besetzt, um den Lebensraum Forellengewässer aufzuwerten.

In den letzten Jahren wurde über die Schwabach in Franken immer nur im Hinblick auf den Hochwasserschutz berichtet. Dass der Fluss ein Salmonidengewässer ist, an dem man auch seltene Tiere wie den Eisvogel oder die Ringelnatter beobachten kann, fiel mehr oder weniger unter den Tisch.

Die Schwabach entspringt bei Igensdorf, fließt dann über Eckental nach Erlangen, um dort in die Regnitz zu münden – eine Fließstrecke von etwa 32 Kilometer Länge.

Gewässerschutz kann auch großen Spaß machen!

Besatz mit fangfähigen Forellen nachteilig

Der wichtigste Fisch in diesem Ökosystem ist die Bachforelle (Salmo trutta fario).  Querverbauungen, wie das Wehr an der Kopfklinik in Erlangen, sind für die Bachforellen meist unüberwindbare Hürden für ihre Laichwanderungen stromauf. Dementsprechend muss das Bachhabitat durch den Bezirks-Fischereiverein immer wieder mit Zuchtforellen besetzt werden. Größere Exemplare aus Zuchtanlagen haben allerdings Nachteile. Sie sind nicht auf das Besatzgewässer geprägt und haben nicht gelernt, natürlichen Feinden möglichst aus dem Weg zu gehen. In der Schwabach sind dies Räuber wie Hecht und Barsch, aber auch der Kormoran.

Der Bezirksfischereiverein Erlangen hat sich aus diesen Gründen unter Leitung des  Gewässerschutzbeauftragten Nikolaus Schadt und des Hauptgewässerwarts Achim Poesdorf dazu entschieden, junge Forellen im Dottersackstadium zu besetzten. In diesem jungen Alter lernen die Forellen schnell, sich vor Fressfeinden zu verstecken.

Die Jungforellen werden in die Transporteimer gesetzt.

Flachstrecken gezielt ausgesucht

Durch die Jugendleiter Eric Blank, Karsten Hüll und Jochen Maier wurde das Thema ausführlich in der Jugendgruppe besprochen. Daraufhin erklärten sich die Kinder und Jugendlichen gerne bereit, bei der Besatzmaßnahme zu helfen.

Im Vorfeld wurde zunächst das Gewässer im Oberlauf auf günstige Abschnitte ohne tiefe Gumpen hin gesichtet, die Raubfischen ein günstiges Versteck bieten könnten. Hierbei entstanden immer wieder Fragen, die mit den Jugendlichen diskutiert wurden.

Bis zu den Besatzzonen mussten zu Fuß große Strecken zurückgelegt werden.

Hohe Überlebenschancen

Nach langem Suchen konnten in Aufsess die passenden Forellen bestellt werden. Einige Wochen später war es dann soweit und die frischgeschlüpften Forellen im Dottersackstadium wurden antransportiert. Zuerst galt es die Temperaturen in den Gefäßen an die des Gewässers anzugleichen. Dann bekamen jeweils zwei Jugendliche von Nikolaus Schadt Forellen in ihren Eimer mit frischem Schwabachwasser, um diese möglichst schnell an den zuvor gewählten, meist schwer zugänglichen Stellen zu besetzen.

Sogleich verschwanden die kleinen Forellen in den kiesigen Gewässerabschnitten zwischen den Steinen, um sich zu verstecken. Dies wiederholte sich an mehreren, bis zu 400 Meter langen Gewässerabschnitten. Zwischendurch kam die Gruppe immer wieder zusammen, um Wissenswertes über die Bachforelle zu erfahren. Insgesamt wurden ca. 4.000 junge Forellen von sechs Jugendlichen mit Hilfe von sechs Erwachsenen besetzt. Nach Ergebnissen aus ähnlichen Besatzmaßnahmen kann man davon ausgehen, dass bis zu 70 Prozent der jungen Forellen überleben werden.

Fischerjugend und Vorstandschaftsmitglieder des Bezirks-Fischereivereins Erlangen.

Großes Engagement der Jugend

Alle Erwachsenen, wie auch der 2. Vorsitzende Karl-Heinz Döring und der Pressewart Oliver Jüsten, waren überwältigt vom Engagement der Jugend, die sich extra einen Nachmittag für diese Aktion freigehalten hat. Mit viel neuem Wissen und der Neugier, wie es den Forellen in den nächsten Jahren ergehen wird, wurde die Veranstaltung in Kleinsendelbach nach vier Stunden beendet.

Um eine gesunde Altersstruktur in der Bachforellenpopulation zu schaffen, ist geplant, auch in den nächsten Jahren immer wieder solche Besatzmaßnahmen durchzuführen. Hoffen wir, dass die Schwabach wieder zu einem gesunden Ökosystem wird und auch durch die nächsten Generationen gehegt und gepflegt wird.

Oliver Jüsten, Pressewart Bezirks-Fischereiverein Erlangen

Der Gewässerschutzbeauftragte Nikolaus Schadt erklärt den Jugendlichen den Forellenbesatz.
Abo Fisch&Fang