Mal wieder Wickelbrettchen

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Auf den oberen beiden Wickelbrettchen von DAM sind noch die Bestellnummern zu erkennen. Deshalb lässt sich einfach rekonstruieren, mit welchen Montagen sie einmal bestückt waren.

Wickelbrettchen und alte Posen sind meine heimliche Liebe. Jan Wolter hat uns jetzt ein Foto von drei Wickelbrettchen aus Holz geschickt, die er kürzlich bekommen konnte.

Es sind zwei Wickelbrettchen der Firma DAM aus den 1950er Jahren und ein Aufwickler des Hamburger Jagd- und Angelgeschäfts Eduard Hörning & Co. Der Aufdruck „Damyl“ datiert die DAM-Wickelbrettchen trotz Ziegenbock ins Ende der 1950er Jahre, denn die ersten Mono-Schnüre waren in Deutschland erst nach dem 2. Weltkrieg für Angler zu haben.

Ich habe mir einmal die Mühe gemacht und die Bestellnummern von DAM nachgeschlagen. Im Katalog Nr. 26 von 1958 bin ich fündig geworden. In diesem Katalog finden sich die letzten Fertigangeln auf Holz, kurz danach gab es nur noch Plastik-Wickelbrettchen.

Auf dem Wickelbrettchen mit der Bestellnummer 1418 war ursprünglich ein einfacher Gänse-Federkiel auf vier Metern 25er Damyl, Hakengröße 11, erstaunliche 20 Gramm Blei (drei dicke Schrote) zum Preis von 70 Pfennigen. Die Bestellnummer 1401 war mit einer hübschen Korkpose bestückt, genauer gesagt der Nummer 1003. Im Katalog wurde diese Pose als „Hollandschwimmer“ bezeichnet. Sie bestand aus einem kleinen eiförmigen Korkkörper und einem „Durchstecker“ aus Bambus oder Celluloid.

Wer hat weitere Wickelbrettchen in seiner Sammlung? Bilder bitte an thomas.kalweit@paulparey.de

Link-Tipps:

Faszination Wickelbrettchen…

Meisterstipper-Sitzkiepe…

Zweites Wickelbrettchen von links: die Nummer 1418 mit einfachem Federkiel. Viertes von links: Die Nummer 1401 mit "Hollandschwimmer". Aus: DAM-Katalog No. 26, 1958.

Anmerkung vom 18. Mai 2022:

Gerhard Dee schrieb per Mail: „Hallo Thomas, diese Vorkriegs-Schnurspule von Belaco ist besonders pfiffig konstruiert. Sie konnte nach dem Umspulen der Schnur auf eine Rolle praktischerweise als Wickelbrettchen weitergenutzt werden. Die Postkarte im Hintergrund wurde von Dr. Trenkler Co., Leipzig, angeboten. Sie ist die Nr. 10 in der Serie „Aus Leipzigs Vergangenheit“ und zeigt den „Eingang in die Reichsstrasse“ mit einer alten Belaco-Geschäftsstelle. Ich finde, der Titel der Postkartenserie passt auch ganz gut zum Belaco-Foto-Stillleben. Herzliche Grüße, Gerhard“

Belaco-Schnurspule, die nach Bespulen der Rolle als Wickelbrettchen weiterverwendet werden konnte.
Die Firma "Berndt, Lax & Co." (BeLACo) war ein Leipziger Kaufhaus für Werkzeuge, Metall- und Kurzwaren, mit einer eigenen großen Abteilung für Angelgeräte.

Anmerkung TK: Über die Jahrzehnte finden sich für Belaco die verschiedensten Adressen in Leipzig: Klostergasse 2-6, Reichstraße 2… Für die Belaco Angelgeräte-Abteilung in den 1930er Jahren die Berliner Straße 71, dann die Seeburgstraße 14-20, im Jahr 1949 dann die Sternwartenstraße 15-21. Für mich ist fraglich, ob die Angelgeräteabteilung zu irgendeiner Zeit mit im großen Kaufhaus vertreten war, oder immer einen eigenen Standort hatte. Vielleicht weiß jemand mehr!?

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