Die Scheubeck-Stationärrolle

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Die Scheubeck-Stationärrolle, gebaut Ende der 1940er Jahre in Regensburg.

Es ist wahrscheinlich die klobigste, aber auch stabilste Stationärrolle, die deutsche Rollenbaukunst je hervorgebracht hat.

Das Gehäuse besteht aus massivem Aluminiumguss, dank des überdimensionierten Fußes könnte man mit dem schweren Ding problemlos einen Nagel einschlagen. Anfangs hatte ich keine Idee, wer diese Rolle hergestellt haben könnte. Sie sah nur eindeutig deutsch aus. Es war eindeutig kein filigranes französisches oder elegantes englisches Gerät.

Eine Nachfrage beim „lebenden Rollen-Lexikon“ Peter Prokop brachte die Erleuchtung. Peter hatte schon vor Jahren intensiv zu dieser frühen deutschen Stationärrolle geforscht und sich mit dem Hersteller intensiv in Verbindung gesetzt, sogar einen Beitrag in einer Firmenschrift dazu veröffentlicht.

Die Rolle wurde von der Firma „Andreas Scheubeck Maschinenfabrik Regensburg-Reinhausen“ (MR) hergestellt. Das Logo zeigt die Silhouette des Regensburger Doms mit einem darüberliegenden geschwungenen „S“ für Scheubeck. Die bereits 1891 gegründete Firma war anfangs Hersteller von Gattersägen, in den 1920er Jahren fertigte sie vor allem riesige Stromschalter für Transformatoren (sog. Laststufenschalter) und experimentierte sogar mit dem frühen Flugzeugbau. „MR“ (Abk. für Maschinenfabrik Reinhausen) ist übrigens heute noch Weltmarktführer für Laststufenschalter. Ende der 1940er Jahre hat die Firma dann auch diese Stationärrolle herausgebracht, um nach dem Krieg wieder Umsatz zu generieren. Der Bedarf an Angelzeug war groß.

In der „Fischwaid“ von 1950 wird die Scheubeck-Rolle ganz kurz erwähnt. Ludwig Firnbach aus Regensburg stellte damit einen Rekordwurf auf. Mit einen 30-g-Gewicht und 15er Platil erreichte er unglaubliche 107,5 Meter.

Die Scheubeck-Rolle besitzt noch einen Halbbügel, weil die englische Firma Hardy von 1932 bis 1948 das Patent auf den vollen Schnurfangbügel besaß. Erst danach konnten auch andere Hersteller, etwa DAM mit der Quick Standard, auf einen Bügel umsteigen, der an beiden Seiten am Spulentopf befestigt war.

Übrigens: Neben der schwarz lackierten „Scheubeck“ gibt es auch Modelle in unlackiertem Aluminium.

Wer weiß mehr? Infos an thomas.kalweit@paulparey.de

Rollenfuß und Gehäuse sind übermäßig massiv ausgelegt. Der Halbbügel spricht für ein Baujahr vor 1948.
Das Firmenlogo zeigt den Regensburger Dom und ein geschwungenes "S" für Scheubeck.
Die große Spule war besonders für Weitwürfe tauglich. Die Spule ist noch ventiliert, sicher wurden anfangs auch noch Seidenschnüre aufgespult. Auf dem Bild ist auch der Halbbügel gut zu sehen.
Der Bakelit-Griffknauf ist besonders hübsch gelungen.
Die Unterseite des Rollenfußes ist grünlich-grau lackiert.
Der Rekordwurf mit der Scheubeck-Rolle. Aus "Fischwaid", 11/1950.
Aus "Fischwaid", 12/1950.
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