„Taucher-Spinner“ von Stork

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Stork Kunstköder
Der Taucher-Spinner von Stork aus dem Jahr 1911. Einer der ersten Jerkbaits, die durch deutsche Gewässer gezogen wurden. Typisch ist die seitlich scharf gekielte, länglich ausgezogene Linsen- oder Diskusform des Körpers.

Es heißt ja immer, im Angelsport hat es schon alles einmal gegeben. Und da ist sehr viel Wahres dran.

So gab es eine Jerkbait-Neuheit „Made in Germany“ schon im Stork-Katalog von 1911, fast 100 Jahre bevor uns Wobbler ohne Tauchschaufel als absolute Neuheit wieder verkauft wurden. Der „Taucher-Spinner“ No. 2552 hatte Länge von 78 und 115 mm und einen Doppelhaken unterm Bauch mit innovativem Auslösemechanismus.

Dieser Köder befand sich nur kurze Zeit im Stork-Programm. In den 20er Jahren wurden dann Heddon-Wobbler, vor allem auch der Dowagiac, von den Münchnern nach Deutschland importiert. Damals wurde, wie auch wieder heutzutage, das Baitcasten mit der Multirolle unter wohlhabenden Anglern populär, denn nur Apotheker, Zahnärzte und Anwälte konnten sich die teuren Import-Kunstköder leisten. Die „Amerikanisierung“ des deutschen Angelns geschah im Nachgang zum ersten Weltkrieg, damals wurden auch Jazz-Musik und Coca Cola in Deutschland populär. Vergleichbares haben wir mit Rock’n’Roll und Kaugummi auch nach dem 2. Weltkrieg erlebt.

Im Stork-Katalog heißt es zum Taucher-Spinner: „Ein besonderer Vorteil des Spinners ist, dass er langsam sinkt… Die größere Sorte bleibt sogar auf der Oberfläche des Wassers schwimmen, taucht aber sofort bis zu 60 cm unter Wasser, sobald man in mittelmäßigem Tempo Schnur einzuholen beginnt.“ Das kleinere Modell war also schon sowas wie ein Suspender, die größere Ausgabe ein ganz normaler Jerkbait.

Leider habe ich von der Katalogabbildung nur eine sehr schlechte Fotokopie. Weitere Infos an thomas.kalweit@paulparey.de

Auslösemechanismus: Der Zwilling wird auf das Gewinde einer kleinen Schraube geklemmt. Beim Biss wird der Haken freigegeben.
Ein früherer Besitzer hat den Zwilling noch zusätzlich mit etwas Schnur gesichert.
Echte Glasaugen verraten das hohe Alter des Köders.
Mit Blitz kommt das Glasauge noch besser zur Geltung. Laut Katalog soll der Köder neun Lackschichten gehabt haben, einige sind hier zu erkennen.
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