Nein zum EU-Angelverbot für Aale

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Millionen von Jungaalen haben Niedersachsens Angler in ihre Gewässer besetzt, mehrere Millionen Euro aus Vereinsbeiträgen dafür aufgewandt, und zwar im Rahmen offizieller langfristiger Förderprogramme und Managementpläne für den Aal: Jetzt will die EU auch im Binnenland ein generelles Fangverbot für Aale erlassen, um die hoch bedrohte Art besser zu schützen.

Es gebe wirksamere Maßnahmen, kritisiert der Anglerverband Niedersachsen e.V.. Dazu Werner Klasing, Verbandspräsident: „Mit einem Fangverbot würde die EU schwerwiegende, hausgemachte Versäumnisse beim Schutz des Aals auf dem Rücken engagierter Angler austragen. Mehr noch: eine Jahrhunderte alte Fischfangkultur würde verschwinden und mit ihr viele Existenzen. Aalschutz ja, auf jeden Fall! Aber mit nachhaltigen Maßnahmen und mit den Anglern!“

Der Aal – eine hoch bedrohte Fischart

Um mehr als 95% ist die Zahl der Jungaale seit den 80er Jahren zurückgegangen, die als Larve mit dem Golfstrom von der Ostküste Amerikas bis an die europäischen Küsten gedriftet werden. Bis zu 40 Jahre waren ihre Eltern in Niedersachsens Seen und Flüssen herangewachsen, bevor sie ihre mehrere Tausend Kilometer lange Wanderung durch den Atlantik bis ins Laichgebiet der Sargassosee antreten konnten.

Wasserkraftanlagen töten 20 Prozent

Weniger Jungaale bedeutet auch weniger Elterntiere. Nur etwa die Hälfte derer, die geschlechtsreif werden und ihre Wanderung beginnen, schaffen es überhaupt bis an unsere Küsten. „Etwa ein Fünftel der abwandernden Elterntiere fällt den Rechen und Turbinen von Wasserkraftanlagen zum Opfer. Genauso viele erbeuten Berufsfischer, Angler und Kormorane“, weiß Dr. Thomas Klefoth, Fischereibiologe beim Anglerverband Niedersachsen. Das seien gravierende, aber nicht die einzigen Ursachen für den massiven Bestandseinbruch beim Aal.

Teurer als Elfenbein, lukrativer als Kokain

Mehr als 100 Millionen Jungaale werden pro Jahr aus der EU nach Asien geschmuggelt. Das ist jeder zweite. Die Dunkelziffer sei immens, glauben Experten. Und das trotz eines 2009 seitens der EU verhängten Exportverbotes. Kein Wunder: Kunden in Asien zahlen bis zu 1.500 EURO / kg für die „Glasaale“. Damit sind sie mittlerweile teurer als Elfenbein und lukrativer als Kokain. Erstmals 2016 gelang es EUROPOL und der spanischen Polizei, einen größeren Schmugglerring auffliegen zu lassen. Der allein soll mindestens 7 t Glasaale im Jahr nach Asien geschmuggelt haben. Schwarzmarktwert: 10 Millionen Euro.

Aalbesatz zeigt gute Erfolge

Daten aus mehreren Flussgebietssystemen in Deutschland belegen: Die Besatzmaßnahmen der Angler im Rahmen der EU-Managementpläne für den Aal zeigen langsam Wirkung. „Experten erwarten bis 2020 erstmals einen messbaren Anstieg laichfähiger Aale“, resümiert Ralf Gerken,
der den Aalbesatz für den Anglerverband Niedersachsen seit Jahren organisiert. Mit stetig wachsenden Zahlen: Über 1,3 Millionen Aale besetzten der Verband und seine Vereine in 2017.

Aalfangverbot – was bringt es?

Am 11. und 12. Dezember berät der EU-Ministerrat über Vorschläge, die ein komplettes Aalfangverbot für das Binnenland vorsehen. Im marinen Bereich sollen Tiere größer als 12 cm nicht mehr gefangen werden dürfen, der Besatz von Aalen soll nur noch gefördert werden, wenn vorher ein komplettes Fangverbot am betreffenden Gewässer verhängt wurde. Zur „Wiederauffüllung der Bestände“ soll die Sterblichkeit durch Angler, Berufsfischer und Wasserkraftanlagen um 50% reduziert werden. Der illegale Aalexport soll vermindert, die Durchgängigkeit der Gewässer verbessert und damit die Wanderung der Aale erleichtert werden.

Katastrophale Folgen

„Die EU hat ihre Hausaufgaben über Jahre in vielen Bereichen nicht gemacht“, stellt Werner Klasing fest. „Wir brauchen endlich eine konsequente Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie, die unsere Gewässer in einen guten ökologischen Zustand überführt und Fischen und anderen Lebewesen Wanderungen flussauf wie flussab problemlos ermöglicht.“ Mehr als 1,3 Millionen Querverbauungen bedrohen innerhalb der EU das Überleben wandernder Fische wie Lachs, Meerforelle und Stör, von Neunaugen und vielen anderen Wasserorganismen. Außerdem fordert Klasing eine bessere Personal- und Finanzausstattung für die Eindämmung des illegalen Handels mit Aalen. Darüber hinaus bedürfe es endlich eines koordinierten Kormoranmanagements in der EU; mit der Konsequenz, den Vogel in den Anhang IIa der EU-Vogelschutzrichtlinie und somit in die Liste der jagdbaren Arten aufzunehmen.

Überregulierung aus Brüssel gefährdet Artenvielfalt

Naturschutzexperte Ralf Gerken ist sicher, dass ein Aussetzen der Besatzförderung in Kombination mit einem Aalfangverbot nicht nur massiven Unmut bei den Anglern hervorrufen und etliche Flussfischer an den Rand des Existenzverlustes bringen würde. Es würde die langjährigen Bestandsstützungen durch Besatz auch auf der Zielgerade aushebeln. „Das System der Besatzförderung funktioniert, die Erfolge stehen vor der Tür“, so Gerken. Der Anglerverband Niedersachsen ist der Meinung, die EU könne die kleinräumigen, gewachsenen Strukturen der Fischerei in Deutschland nicht aus Brüssel regeln. Leidtragende seien am Ende die Fische und die Artenvielfalt in heimischen Gewässern. Thomas Klefoth ergänzt: „Wir schlagen vor, dass die EU massiv in die Erforschung der künstlichen Reproduktion und Aufzucht von Besatz- und Speiseaalen investiert. Das Potenzial ist gewaltig: Über 50 Millionen Aale könnten pro Jahr für den Besatz produziert werden.“

Ausführliche Stellungnahme zum Aalfangverbot als pdf…

-pm- 

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