Holzrolle mit der Punze „Foreign“

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Die Holzrolle ist unter dem Fuß für den Export mit "FOREIGN" gemarkt.

Kürzlich bin auf diese einfache Holzrolle gestoßen. Sie ist unter dem Fuß mit „Foreign“ gemarkt (Engl. für „ausländisch“).

Diese seltsame Punze hat sofort meine Aufmerksamkeit erregt. Gleich habe ich im Internet mit der Recherche begonnen. Ab 1890 mussten alle in die USA importierten Produkte eindeutig als nicht amerikanisches Produkt gekennzeichnet werden (McKinley Tariff Act), denn es wurden damals auf alle ausländischen Waren an die 50% Zoll aufgeschlagen. England und Frankreich markierten ihre Produkte nur mit dem Landesnamen („England“, „France“). Andere Länder, darunter auch Deutschland, Japan oder die Tschechoslowakei, versahen ihre Produkte mit der Marke „Foreign“ für den Import in die USA. Denn beispielsweise im und nach dem ersten Weltkrieg wäre eine Punze „Germany“ bei den Amerikanern nicht so gut angekommen.

„Made in…“ kam später

Für den Import nach England mussten zu dieser Zeit deutsche Produkte aber eindeutig mit „Made in Germany“ gemarkt werden, damit die Engländer bewusst vom Kauf absehen konnten. Ab 1923 mussten dann auch alle Produkte für den Import in die USA mit „Made in“ plus Landesnamen bezeichnet sein. Produkte aus Indien trugen die Marke „Empire Made“, weil sie im British Empire produziert wurden.

Die Marke „FOREIGN“ lässt sich leider nicht genau einem Herstellungsland zuordnen, auch nach dem Zweiten Weltkrieg wurden deutsche Produkte für den Export in bestimmte Länder manchmal noch mit dieser Marke versehen.

Viele deutsche Produkte mit „Foreign“ gemarkt

Viele deutsche Werkzeuge, die nach dem 1. Weltkrieg in die USA exportiert wurden, tragen die Foreign-Marke. Auch alte deutsche Messwerkzeuge wie Messing-Zugwaagen oder Kompasse der Firma Stesco  wurden mit „Foreign“ gepunzt. Sogar alte Armbanduhren von Kienzle oder Feuerzeuge von Rowenta trugen den Schriftzug „Foreign“.

Leider gibt es keine eindeutige Antwort und noch sehr viele Fragen! Was wollten Amerikaner mit europäischen Holzrollen (wurden doch dort zeitgleich viel fortschrittlichere Angelrollen gebaut)? Das rötlich-dunkelbraune Mahagoni-Finish der Rolle sieht schon sehr, sehr englisch aus, aber dann müsste die Rolle eindeutig die Punze „England“ tragen. Wirklich deutsch sieht diese Holzrolle für mich nicht aus, obwohl sich genau solche Rollen in Katalogen aller deutschen Hersteller finden. Oder wurde sie viel später in Indien gebaut? Dort hätte es genügend Mahagoni gegeben, aber dann wäre die Rolle eher mit einer teuren englischen Firma gemarkt worden 😉

Wer weiß mehr? Infos an thomas.kalweit@paulparey.de

Link-Tipps:

Einfache Nottingham von Hildebrand…

Holzrolle von Stork?

Die Patina in der Punze zeigt, dass die Rolle schon an die 100 Jahre auf dem Buckel hat.
Einfachste Bauweise ohne Klicker. Auch die Messinghalterung ist sehr ungleich geformt und noch handgefeilt.
Das Holz besitzt die für Mahagoni typischen Poren. Das spricht für England als Herstellungsland. Eine deutsche Rolle wäre eher aus Walnuss-Holz gebaut worden, hatte man doch keinen so großzügigen Zugang zu tropischen Kolonien.
Auch die Griffe sind aus Holz gefertigt. Die Mutter im Zentrum lässt sich leider nicht mehr lösen.

Anmerkung vom 14. März 2022:

Laut Experten in der Facebook-Gruppe „Antique Fishing Tackle“ ist es eindeutig eine englische Rolle, die möglicherweise an einen Angelgeräte-Hersteller in Deutschland geliefert wurde, um dann in die USA exportiert zu werden…

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