Der Haug-Spinner

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Links ein früher Haug-Spinner mit der Marke D.R.G. 69562 (Deutsches Reichsgebrauchsmuster), rechts eine spätere und schmalere Version von Erich Kaldenbach, Berlin, mit Fischlogo und der Punze "Agil".

Er ist einer der ersten deutschen Kunstköder überhaupt. Wie der Heintz-Blinker wurde auch der Haug-Spinner über Jahrzehnte gnadenlos kopiert.

1897 meldete Heinrich Joseph Friedrich Haug, Kaufmann aus Metz in Lothringen, in London einen Köder zum Patent an. Sein sogenannter Haug-Spinner ist wohl einer der ersten deutschen Kunstköder, der unter einem Markennamen vertrieben wurde. Haug hatte seinen Laden in der Friedensstraße 3 in Metz, heute eine Stadt im Westen Frankreichs. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 wurde Elsass-Lothringen und damit Metz für kurze Zeit dem Deutschen Reich zugeschlagen. Bei der Volkszählung 1900 gaben in Metz 78 Prozent der Einwohner Deutsch als Muttersprache an – viele deutsche Beamte und Soldaten wurden dort stationiert. 1918, nach dem 1. Weltkrieg, wurde Metz dann von französischen Truppen besetzt und wieder Frankreich zugesprochen.

Um 1900 wurde der Köder noch von Haug selbst hergestellt und vertrieben. 1910 tauchte er dann im Katalog der Deutschen Angelgeräte-Manufaktur mit der typischen Patent-Punze auf. Noch Anfang der 30er Jahre wird der „Original-Haugspinner“ im D.A.M.-Katalog geführt. Etwa seit dieser Zeit besitzt er die eingestanzte Marke „Haugspinner“, weil das Patent offenbar abgelaufen war. Jetzt brachte auch der Berliner Köderproduzent Erich Kaldenbach seine Version auf den Markt, Anfangs noch mit „Agil“ und Fisch-Logo gemarkt. Später, als seine Firma Agilette hieß, sind seine Köder vor allem durch die typischen Wirbel aus einem flachen Blechstreifen zu erkennen. Man findet von diesen Ködern vor allem das allerkleinste Modell, das auch an der Fliegenrute eingesetzt wurde.

Fragen und Anregungen bitte an thomas.kalweit@paulparey.de

Mit der Punze Haugspinner taucht der Köder in den 1930er Jahren in den DAM-Katalogen auf.
Ganz frühe Haug-Spinner waren noch mit "Patent" gemarkt. Aber in der Regel in Großbuchstaben, nicht so wie hier in dieser Anzeige aus dem Jahre 1903.
Agil-Haugspinner im Katalog. Dazu zwei späte Modelle, wahrscheinlich Agilette, mit typischem Wirbel.

Anmerkung vom 23. September 2022:

Gerhard Dee schrieb per Mail: „Hallo Thomas, anbei ein Haug-Spinner mit der alten „Patent“ Markierung sowie einer mit der zusätzlichen Ortsangabe „Metz“. Daneben noch ein kleiner Haug mit „D.R.G.“-Punze, der einseitig rot lackiert und aus Messing gefertigt ist. Herzliche Grüße Gerhard“

Haug-Spinner mit der ältesten Punze "PATENT" in Großbuchstaben.
Köder mit der seltenen Marke "H.Haug Metz".
Haug-Spinner aus Messing mit D.R.G.-Punze und einseitig roter Lackierung.
Die Rückseite dieses Messingköders.

Weitere Anmerkung vom 23. September 2022:

Peter Taudor schickte folgende Bilder und schrieb dazu: „Hallo Thomas, für deinen Haug-Beitrag sende ich dir etwas. Wenn ich mich recht entsinne, war der mit anderen Ködern in einem ganz normalen Angelkasten. War sozusagen das, was man einen Glücksfund nennt. Die mit Haug gemarkten sind recht selten anzutreffen. Beste Grüße ZP“

 

Vergoldete (?) Variante mit "PATENT" gemarkt.
Die Rückseite des goldenen Haugspinners.
Abo Fisch&Fang