Zielfisch Meerforelle: Mit Jerk und Jig auf Meerforelle

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Zielfisch Meerforelle: Mit Jerk und Jig auf Meerforelle

Beim Küstenspinnfischen lässt Rasmus Vive die klassischen Köder gerne mal links liegen. Peter Christensen hat dem dänischen Spezi sein Erfolgsrezept entlockt.

Peter Christensen: Wovon hängt die Wahl Deines Köders beim Meerforellenfischen ab?

Rasmus Vive: Am wichtigsten ist zunächst, dass die Fische meinen Köder sehen können, gleichzeitig aber nicht von ihm vergrämt werden. Die Jahreszeiten spielen dabei keine allzugroße Rolle. Viel wichtiger sind die jeweiligen lokalen Verhältnisse. Soll heißen: Ist das Wasser an einer Angelstelle flach, klar und ruhig, ziehe ich kleine Köder in gedeckten Farben vor. Das andere Extrem ist tiefes, aufgewühltes Wasser. In diesem Fall benutze ich gerne große Köder in Schockfarben. Hinzu kommt, dass man mitunter Köder braucht, die viele Druckwellen aussenden, die die Forellen über ihre Seitenlinie wahrnehmen können.

Früher habe ich ausschließlich Blinker benutzt, aber in den letzten Jahren bin ich mehr und mehr zum Fischen mit Gummifischen, Jigs und kleinen Jerkbaits übergegangen. Beide Köder können den Klassikern unter bestimmten Verhältnissen haushoch überlegen sein.

Christensen: Worin liegen denn Deiner Meinung nach die Vorteile von Gummifischen und Jerkbaits?

Vive: Die Köder spielen ihren großen Trumpf vor allem dann aus, wenn es gilt, heikle Fische im klaren Wasser zu überlisten. Mit einer guten Polarisationsbrille kann man in relativ seichten Bereichen den Gummifisch oder Jerkbait über 20 bis 25 Meter verfolgen und seinen Lauf optimieren. Besonders spannend wird es natürlich dann, wenn man eine Forelle entdeckt hat, die dem Köder folgt. Auf diese Weise wird man automatisch gezwungen, dem Köder einen lebhaften und naturgetreuen Lauf einzuhauchen.

Christensen: Mit welchen Jerkbaits und Jigs fischst Du am liebsten?

Vive: In jedem Fall muss ein guter Jig beziehungsweise Gummifisch möglichst naturgetreu aussehen und sich weit werfen lassen. Richtig „giftig“ sind die Wild-Eye-Serien von Storm, zum Beispiel die Modelle Sculpin, Goby, Mullet, Minnow, Anchovy und Herring. Auch die Minnows von Savage Gear sind ein echter Renner. Obwohl meist Naturdekors am besten fangen, sollte man trotzdem immer auch Köder in auffälligen Farben in der Box haben.

Beim Jerkbaitangeln schwöre ich auf den Twitchin‘ Rap von Rapala in acht und zwölf Zentimetern. Der Köder tanzt regelrecht durchs Wasser und schwebt beim Spinnstopp auf der Stelle. Fox hat auch eine große Auswahl so genannter Micro Jerks im Programm, die immer einen Versuch wert sind.

Wenn die Stelle, die ich mir ausgewählt habe, nur so von kleinen Futterorganismen wie Tangläufern oder Krebschen wimmelt, benutze ich eher kleinere Köder. Ist es hingegen ein Platz, von dem ich annehme, dass die großen Heringsfresser dicht unter Land vorbeiziehen, bevorzuge ich größere Modelle.

 

Rasmus Vive schwört auf kleine Gummifische (o.) und Jerkbaits (u.). Gerade bei klarem Wasser werden Meerforellen von diesen Ködern magisch angezogen.

Christensen: Was gilt es bei der Gerätewahl zu beachten?

Vive: Da Gummifische einen anderen Masseschwerpunkt haben als Blinker oder Küstenwobbler und gleichzeitig ziemlich bestimmt dirigiert werden müssen, ist eine sehr schnelle Rute mit einer ausgeprägten Spitzenaktion optimal geeignet, zum Beispiel die Jign n’ Spin von Savage Gear. Sie hat eine Länge von acht Fuß (2,40 Meter) und ein Wurfgewicht von 7 bis 25 Gramm. Mit einer solchen Rute kann man den Lauf des Jigs prima steuern.

Für die Jerkbaitfischerei ist eine steifere Rute erforderlich, da sich jede Bewegung auf den Jerkbait übertragen soll, um ihm Leben einzuhauchen. Ich empfehle eine kurzes Modell in sechs bis acht Fuß Länge (1,80 bis 2,40 Meter), beispielsweise die BFT Walker 6.6, die ein Wurfgewicht von bis zu 40 Gramm hat. Von diesem Typ gibt es eine Ausführung für die Stationär- und eine für die Multirolle.

Die leichte Spinnrute puffert die Fluchten der explosiven Fische prima ab. Noch ein kleines Stück, dann ist diese Forelle bezwungen.

Christensen: Und wie sieht‘s mit der Schnur aus?

Vive: Ich benutze an der Küste ausschließlich geflochtene Schnüre. Beim leichteren Fischen greife ich zu 0,10er bis 0,12er, beim schwereren Fischen zu 0,15er bis 0,17er Schnur. Allerdings schalte ich immer ein rund einen bis zwei Meter langes Stück Fluorocarbon vor. Auf diese Weise wird die Montage zum einen abriebfester, andererseits schöpfen die Meerforellen dank des im Wasser nahezu unsichtbaren Fluorocarbons nicht so leicht Verdacht.

Fürs Jiggen reicht ein 0,25er bis 0,30er Vorfach aus. Beim Angeln mit Jerkbaits sollte man besser 0,35er oder 0,40er Fluorocarbon benutzen, das macht die ganze Sache steifer und ermöglicht so eine bessere Köderkontrolle. An manchen Tagen zahlt es sich aus, etwa einen halben Meter über dem eigentlichen Köder zusätzlich eine Springerfliege zu montieren.

Christensen: Was zeichnet eigentlich einen guten Meerforellen-Platz aus?

Vive: Entscheidend ist, dass es dort viel Nahrung gibt. Das können entweder Heringe oder Sprotten sein, die relativ tiefes Wasser dicht an Land erfordern, oder auch Sandaale, die sich, wie der Name schon vermuten lässt, vor allem über sandigen Untergründen aufhalten. Daneben tummeln sich in Tangwäldern Massen von kleineren Futterorganismen wie Tangläufer, Grundeln oder auch Krebse.

Traumfisch: Nach solch einer kapitalen Meerforelle sehnen sich viele Küstenspinnfischer. Wer die nötige Geduld mitbringt, wird eines Tages sicher belohnt.

Ich bin ein sehr aktiver Angler und fische große Strecken ab. Statt zu warten, dass die Meerforellen zu mir kommen, suche ich lieber nach ihnen. Es gibt natürlich Ausnahmen. Ich meine Stellen, an denen die Fische ständig umherziehen, zum Beispiel die ausgeprägten großen Halbinseln wie Helgenaes Südspitze(s. Karte). Hier ist immer mit Fisch zu rechnen. Wenn man sich auf einem dieser Plätze befindet, kann man auch schon mal eine Weile verharren, um auf die Forellen zu warten. Generell brauche ich sehr lange Zeit, solche Landspitzen und Halbinseln abzufischen, während ich mich an relativ uninteressanten Strecken meistens verhältnismäßig schnell vorwärts bewege.

Christensen: Wie sieht bei Dir eine typische Meerforellensaison aus, und wann bestehen die besten Chancen auf einen kapitalen Fisch?

Vive: Wenn ich auf große Forellen gehe, fische ich im Herbst und im Frühjahr, und zwar an Plätzen, an denen die Fische auf ihrer Wanderung hin beziehungsweise weg von den Flüssen dicht unter Land vorbeikommen. Aber die Chance auf eine große Meerforelle besteht an für sich das ganze Jahr über. Allerdings wird man mich an heißen Sommer- und sehr kalten Wintertagen im Dezember und Januar kaum am Wasser finden. Der Traum auf eine ganz große Meerforelle ist nicht leicht zu erfüllen und erfordert einen großen Aufwand. Wenn die Chance dann aber endlich da ist, war es jeder Mühe wert!

Christensen: Kannst Du vielleicht einige Plätze empfehlen, die für Gastangler in Dänemark interessant sind?

Vive: Das lässt sich schwer verallgemeinern, denn es kommt ganz darauf an, ob man lieber Strecke macht oder es vorzieht, den ganzen Tag lang an einem Platz zu fischen. Ich selbst habe sehr viel bei Stigsnaes im Süden Sjaellands geangelt. Dort kann man vor allem im zeitigen Frühjahr eine hervorragende Fischerei erleben. Im Herbst ziehen viele große Fische nah an die Küste. Da ich eine Zeit lang in Jütland lebte, habe ich auch sehr intensiv die Küsten entlang von Helgenaes befischt. Dort gibt es ebenso zahlreiche Top-Plätze. An der Südspitze fischt man über einer tiefen Rinne, in der sich immer richtig große Fische aufhalten.

Reiche Beute: Dieser Angler hat den richtigen Platz gefunden. Fische eines Schwarms sind meist ähnlich groß.

Die zehn besten Meerforellen-Plätze in Dänemark

 

Wer ausschließlich auf große, silberblanke Meerforellen aus ist, der sollte sich auf Bornholm, Møn und Stevns konzentrieren. An den vielen anderen Plätzen können Sie eine sehr variantenreiche Fischerei erleben – immer mit der Chance auf ein kapitales Exemplar.

 

 

1. Bornholm

 

Die Ostsee-Insel ist eines der weltbesten Meerforellen-Reviere fürs Küstenspinnfischen. Die Angelei kann das ganze Jahr über betrieben werden. März und April sind jedoch die absoluten Top-Monate. Man fängt in dieser Zeit oft schöne Fische zwischen zwei und fünf Kilo, die Chance auf noch größere ist immer gegeben. Das Wasser ist meist direkt in Wurfweite richtig tief.

 

 

2. Stevns und Møn

 

Die Insel Møn auf Südseeland ist die Heimat richtig großer Meerforellen. Beim Fischen vor den hohen Klippen ist jedoch Vorsicht geboten, denn mitunter können große Gesteinsbrocken hinunter krachen. Küstenwobbler von 25 bis 40 Gramm sind hier die populärsten Köder. Besonders beliebt ist das Nachtfischen im Sommerhalbjahr.

 

 

Stevns ist ein kleiner Teil von Møn. Auch hier wird vor allem auf große Fische bis über fünf Kilo geangelt, die besonders im April und bis in den Sommer hinein in Wurfweite kommen.

 

 

3. Stigsnaes

 

Vor Stigsnaes fühlen sich nicht nur Meer-, sondern auch Regenbogenforellen wohl. Die besten Zeiten sind das Frühjahr und der Herbst. Gefischt wird hier sowohl mit der Spinn- als auch mit der Fliegenrute. Allerdings ist das Revier etwas windanfällig.

 

 

4. Isefjord

 

Die Fischerei am Ise- und am Roskildefjord unterscheidet sich stark von den zuvor genannten Plätzen. Im Vergleich zu den offenen Küsten bei Møn, Stevns oder Bornholm zieht sich der schmale Isefjord weit ins Land hinein. Das Angeln findet seinen Höhepunkt im Herbst, es kann aber auch im zeitigen Frühjahr richtig gut sein. Vor allem Fliegenfischer räumen nun ab.

 

 

5. Roskildefjord

 

Der Roskildefjord ähnelt stark dem Ise-fjord. Das Wasser ist meist recht flach, was den Fliegenfischern entgegenkommt. Auch das Spinnangeln mit Sbirolino und Fliege sowie Versuche mit kleineren Blinkern, Jigs und Jerkbaits können extrem effektiv sein.

 

 

6. Reersø – Musholm-Bucht, Sejerø-Bucht

 

Diese Küstenstrecke umfasst einige der ergiebigsten Meerforellen-Spots ganz Dänemarks. Neben einer ausgezeichneten Angelei ist das Gebiet aber auch bekannt für zahlreiche, aus Fischzuchten entwischte Regenbogenforellen.

 

 

7. Fünen

 

Die große Insel bietet eine große Auswahl an guten Plätzen. Zumeist spielt sich die Angelei an den offenen Küsten ab. Jahr für Jahr werden viele große Fische gelandet, einige bis zehn Kilo schwer! Nützliche Infos zu den besten Stellen sowie Übernachtungsmöglichkeiten finden Sie unter www.seatrout.dk und www.visitfyn.com

 

 

8. Helgenaes

 

Rund um Helgenaes gibt es zahlreiche Erfolg versprechende Plätze. Auf der Südspitze fischt man über einem tiefen Riff. Hier bestehen immer Möglichkeiten sowohl auf Meerforelle, Dorsch, Meeräsche oder Hornhecht. Aufgrund der überschaubaren Größe Helgenaes lässt sich schnell eine Wind abgewandte Seite finden. An der Westküste gibt es Plätze mit recht flachem Wasser, die sehr gute Voraussetzungen für Fliegen-, aber auch für Spinnfischer bieten.

 

 

9. Vejle Fjord

 

Entlang der jütländischen Ostküste schneiden sich viele Fjorde tief ins Land ein, wobei der Vejle Fjord wohl eindeutig der beste ist. Am Ende des Fjords mündet die Vejle Au, daher ziehen viele Meerforellen auf ihren Laichwanderungen durch den Fjord. Eine besonders beliebte Stelle befindet sich an der Vejle-Fjord-Brücke, wo das Brackwasser im Winterhalbjahr viele Fische anzieht.

 

 

10. Mariager Fjord

 

Im Mariager Fjord findet man vor allem einen Stamm wunderschön gezeichneter Fjordforellen. Es besteht aber auch immer die Chance auf einen großen Wanderfisch. In erster Linie empfiehlt sich das Fliegen- und Jigfischen, da es vielfach sehr flach ist.

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