Zielfisch Barsch: Die Amis kommen!

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Zielfisch Barsch: Die Amis kommen!

Johannes Dietel stellt drei außergewöhnlich fängige Barsch-Montagen aus den USA vor: das Texas-, Carolina- und Splitshot-Rig.

Ich wage eine Prognose: Neben dem Drop-Shot-Rig, das sich immer mehr etabliert, werden sich in den kommenden Jahren zumindest noch drei weitere amerikanische Montagen auch an deutschen Gewässern durchsetzen. Und das aus gutem Grund, denn es gibt Situationen, in denen sich Texas-, Carolina- und Splitshot-Rig dem herkömmlichen Gummifisch am Bleikopf überlegen zeigen.

Texas- und Carolina-Rig zeichnen sich durch das frei auf der Schnur gleitende Blei aus. Dadurch spürt der Fisch beim Anbiss weniger Widerstand als beim Einsaugen eines Jigkopfes. Entsprechend höher liegt die Bissausbeute. Aber der Reihe nach:

1. Texas-Rig

Das Texas-Rig besteht aus einem Fluorocarbon-Vorfach, an dessen Ende ein Offset-Haken (mit Z-förmigem Öhr) sitzt. Der Knoten wird mit einer Stopperperle, die vor dem Laufblei sitzt, geschützt. Das Gewicht sollte in etwa die Form einer Patrone aufweisen.

Beim Aufprall am Gewässergrund prallt das Blei auf die Stopperperle. Dadurch erzeugt jeder Zupfer einen kleinen Knall – und der lockt die Barsche aus einiger Entfernung zum Köder. Je härter der Grund, desto heftiger ist der Knalleffekt. Zudem fällt den Fischen das Inhalieren des Köders besonders leicht, weil das Blei ja frei auf der Schnur läuft. Dank des im Wurminneren versenkten Hakens verfängt sich auch kein Kraut mehr. Der Köder ist also stets fangbereit und somit besonders für die Sommerangelei, wenn viel Grünzeug im Wasser wächst und treibt, prädestiniert.

Die Amerikaner fischen das Texas-Rig gern auch ganz langsam gezupft. Eine Variante, die vor allem im Spätherbst und Winter zieht, wenn die Fische sich träge präsentieren. Im Sommer kann man das Rig auch aggressiver fischen.

Johannes freut sich über einen dicken Barsch am Texas-Rig.

 

Extra-Tipp: Wird in extrem krautigen Bereichen geangelt, kann das frei auf der Schnur gleitende Blei stören. Dann sollte man das Gewicht fixieren, indem die Spitze eines Zahnstochers ins Loch gesteckt und der Rest abgebrochen wird. Bedarfsweise lässt sich das Holzstück schnell wieder entfernen.

2. Carolina-Rig

Zwei Gründe machen den Erfolg der Montage aus: Zum einen erzeugt sie das gleiche verlockende Geräusch wie das Texas-Rig. Zum anderen kann der Barsch den in einer Zupfpause am Boden liegenden Köder einfacher inhalieren als einen Twister am Bleikopf. Dafür sorgt wiederum das frei gleitende Gewicht.

Das Carolina-Rig unterscheidet sich vom Texas-Rig durch ein kurzes Vorfach, das zwischen Haken und Blei geschaltet ist. Um Schnurdrall zu vermeiden und das Blei zu stoppen, installiert man zwischen Haken und Hauptschnur noch einen Wirbel. Durch die Trennung von Blei und Köder trudelt letzterer nach dem Anzupfen schwerelos zum Grund. Eine sehr verlockende Präsentation, die im Winter ganz langsam erfolgt. Im Sommer indes kann das Carolina-Rig unter Zuhilfenahme eines schwereren Bleis schnell gejiggt werden. Zwischen Haken und Wirbel kommt dann noch ein kurzes Stück Schnur.

Wichtig ist die richtige Anköderung. Denn der Kern der Montage ist der im Wurm/Twister versenkte Haken. Dazu sticht man den Haken in die Wurmspitze und führt ihn soweit durch, dass nur noch die Öse im Wurm/Twister sitzt. Dann dreht man die Hakenspitze um 180 Grad und steckt die Spitze in den Köder (siehe Zeichnung u.).

So zieht man den Gummiwurm auf den Spezialhaken („Wide-Gap-Z-Hook“)

Extra-Tipp: Damit der Haken nicht verrutscht, bediene ich mich einer steifen Monofilen im Kaliber 0,45 Millimeter. Dieses harte Schurstück nimmt man, nachdem man den Twister/Wurm angeködert hat, und sticht es so durch das Gummi, dass es das Hakenöhr durchläuft. Schließlich werden die überstehenden Schnurenden abgeschnitten, und der Wurm hält bombenfest!

3. Split-Shot-Rig

Das Split-Shot-Rig ist eine der simpelsten Montagen. Die Amerikaner setzen es ein, um Barsche aus dem Unterholz zu zupfen. Dazu knoten sie an die Hauptschnur einen Haken. Etwa fünf bis zehn Zentimter dahinter wird ein Bleischrot auf die Leine geklemmt. Kommt ein spezieller Z-Hook zum Einsatz, kann der Gummiwurm wie folgt aufgefädelt werden: Zuerst den Kopf durchstechen, dann die Hakenspitze im Wurm versenken.

Das Zubehör für die Ami-Montagen: Haken mit Z-förmigem Öhr, Patronen-Bleie und Perlen als Knotenschutz.

Nicht nur im versunkenen Holz stehende Barsche können mit dem Splitshot-Rig vorzüglich befischt werden, auch direkt im Kraut lauernde Stachelritter lassen sich gezielt ins Visier nehmen. Zudem macht die im Köder versenkte Hakenspitze sogar Würfe zwischen Schilfhalmen möglich. Statt des Gummiwurms kann übrigens ebenso ein kleiner Köderfisch oder – zum Beispiel während der Raubfischschonzeit -ein Tauwurm oder Madenbündel fängig angeboten werden.

Sehen statt fühlen

Mit welchem der drei Systeme Sie es auch probieren – grundsätzlich gilt: Damit die Barsche die recht langen Köder widerstandslos inhalieren können, fischt man sie nach dem Anzupfen mit einem kleinen Schnurbauch, der sich in der anschließenden Absinkphase bilden soll. Die Bisse werden dann weniger gespürt, als vielmehr gesehen.

Deshalb gilt es, die Angelleine genauestens im Blick zu behalten. Zum Beobachten der Schnur ist eine gute Polbrille unerlässlich. Weiterhin empfiehlt sich der Einsatz von dehnungsarmen Geflechtschnüren mit auffälliger Einfärbung. Sobald sich die Schnur an der Einstichstelle ins Wasser unnatürlich verschiebt, bedeutet das: Es macht sich ein Fisch am Köder zu schaffen! Dann wird die Rutenspitze abgesenkt und schließlich sehr kräftig angeschlagen, um den Haken trotz des Schnurbogens ins Fischmaul zu treiben. In den meisten Fällen wird der Barsch dabei sauber gehakt werden. Der Duftstoff in den speziellen Gummiwürmern sorgt nämlich dafür, dass die Fische den Happen ziemlich lange im Maul behalten.

Lange, dünne Gummi- und Doppelschwanztwister fangen am besten.

Alle drei Montagen können mit den gleichen Ködern gefischt werden. Bei mir kommen zum einen lange Würmer mit Twisterschwanz zum Einsatz, zum Beispiel die Gummiwürmer aus dem Berkley Texas-Kit (inklusive Patronenbleie und Haken), kleine Larvenimi-tate, gern die von Lunker City, Krebsimitate (Relax-Krebse, Berkley Sparkle Nymph, Sabertail Grub) sowie kleine Gummifische und Twister.

Größen & Gewichte

Haken; abhängig von der Ködergröße:
Ködergröße Hakengröße
unter 10 cm – 1-1/0
10 -14 cm – 2/0
ab 15 cm – 3/0-4/0

Bleie: abhängig von der Gewässertiefe:
WassertiefeBleigewicht
bis 2 m – 2-4 g
2-4 m – 4-8 g
4-6 m – 8-12 g
ab 6 m – 12-16 g

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