Im Hochsommer auf Barsch

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Kapitaler Rheinbarsch, gefangen vom Ufer aus. Als Köder diente dem hier noch jüngeren Uli ein Gummifisch.

Während der Hochsommer Hecht und Zander
vielerorts auf den Magen schlägt, stehen die Chancen
auf kapitale Stachelritter sogar besonders gut.
Raubfischprofi ULI BEYER verrät, an welchen
Gewässern er jetzt seine 50-plus-Fische fängt.

Barsche sind voll im Trend und die Lieblinge vieler Angler. In unterschiedlichsten Gewässern kann man sehr viele Exemplare fangen, und wer „Bissfrequenz“ liebt, hat hier sicher seinen Zielfisch gefunden. Für die meisten Barschangler wird‘s aber oft schwierig, im Sommer die großen Fische zu überlisten. Groß bedeutet für mich: über 40 Zentimeter lang! Besonders Kapitale mit über 50 Zentimeter Länge verdienen das Prädikat Traumfang selbst für ausgebuffte Barschprofis. Diese Veteranen im Stachelkleid sind vorsichtig und sehr wählerisch. Für mich ist die Sommerzeit dennoch eine der besten Fangzeiten für sehr kapitale Exemplare in verschiedensten Gewässern. Zugegeben, ich angle seltener gezielt auf diese Großfische, aber dennoch habe ich häufig Glück und fange solche Barschmonster. Inzwischen ergibt sich ein Bild, wie und wo diese Kapitalen gezielt zu fangen sind. Ich möchte Ihnen drei verschiedene Gewässer vorstellen, in denen ich bereits wiederholt tolle Fische über 50 Zentimetern Länge fangen konnte:

Der Traum eines jeden Barschanglers: Ein 50-plus-Fisch, rund geformt wie ein kleiner Karpfen.

Riesen aus dem Delta

Das beste Revier für wirklich große Barsche ist meiner Meinung nach das Rheindelta südlich von Rotterdam. Die unterschiedlichen Flussarme sind aufgestaut, und alles hat mehr stehenden als fließenden Charakter. Egal, ob man das riesige Haringsvliet, das Hollands Diep oder Volkerak beangelt. Es gibt überall tolle Barsche, die man lediglich finden muss. Hier fängt man seltener große Stückzahlen, aber sehr regelmäßig sehr große Exemplare jenseits der 45-Zentimeter-Marke! Direkt nach der Schonzeit in Holland, das heißt im Juni, fangen wir die Barsche hier recht seicht hinter Krautbänken in ein bis drei Metern Wassertiefe. Die Kapitalen scheinen sehr gierig das Flachwasser zu durchsuchen. Trupps mit ein bis drei Großfischen sind unterwegs und attackieren mittelgroße Hechtköder. Vom Wobbler (Zalt in 14 Zentimeter, Castaic Gizzard Shad) über Jerkbaits (Buster Jerk und Sikabait) bis hin zum Gummiköder (Top- Favorit ist der Bass Assassin Sea Shad 6 inch/15 cm) fängt alles! Früher dachte ich, es gibt dort gar keine Kleinbarsche. Dann konnte ich aber wiederholt Angler beobachten, die mit kleinen Drop-Shot-Ködern und Gummiwürmern am Carolina-Rig quasi neben mir viele, recht kleine Exemplare fingen.

Sie hatten zwar immer Dutzende Barsche gelandet, während ich entweder gar keine oder maximal fünf Stück fing, aber mit meinen Ködern gab es nie „Kleinfisch“ und quasi immer die größten Räuber des Tages. Mein Rekordbarsch dort maß immerhin 57 Zentimeter und sorgte auch in Holland für Aufsehen. Offensichtlich ist zu dieser Zeit des Jahres die Ködergröße ein sehr gutes Selektionsmittel, denn in Gesprächen mit jenen Anglern, die auf kleine Verführer setzten, erfuhr ich, dass 40-plus-Barsche für sie eher die Ausnahme sind.

Im holländischen Rheindelta landet Uli regelmäßig Monsterbarsche, und zwar mit großen Kunstködern. Hier war ein Castaic Shad erfolgreich.

Fantastischer Möhnesee

Seit über zwei Jahren wohne ich jetzt am Möhnesee, und diese Talsperre hat sich zu einem der besten Barschgewässer Deutschlands entwickelt. Anfangs dienten die Stachelritter nur als willkommene Überbrückung schlechter Beißphasen bei Hechten und Zandern. Aber seit einigen Jahren strömen zunehmend Spezialisten aus ganz Deutschland zum Möhnesee, um den traumhaften Barschbestand zu befischen. Speziell im Sommer bietet mein Hausgewässer ein stets wiederkehrendes Schauspiel, wie es „im Bilderbuch“ steht: Früh morgens und spät abends strömen riesige Barschschwärme ins Oberflächenwasser und jagen wie wild kleine Maränen und andere Futterfische. Wer unsicher ist, wo die Barsche jagen, kann sich getrost an den vielen Möwen orientieren. Sitzen die ruhig irgendwo auf dem Wasser oder einem Brückengeländer, ist auch „unten“ nicht viel los. Fliegen und jagen die Vögel aber wild kreischend über die Wasseroberfläche, ist eine Beißzeit eingeläutet. Die Brücken über den See zählen dann immer zu den wichtigen Anlaufpunkten für Angler, daneben sind jedoch auch die Uferpartien mit Pflanzenwuchs beliebte Jagdreviere. Das ist aber natürlich immer vom Wasserstand abhängig.

Morgenstund hat Gold im Mund, nicht zuletzt am Möhnesee. Rund um die Delecker Brücke beißen immer wieder kapitale Sommerbarsche.

Ungewöhnlich für viele Gastangler sind die exzellenten Fangmöglichkeiten mit Oberflächenködern. „Top-Water-Lures“ wie Popper und Stickbaits verführen die wild jagenden Barsche immer wieder sehr gut, und mit etwas Glück erwischt man auch gleich einige Fische jenseits der magischen 40er Marke. Viele Angler machen allerdings den Fehler, dass sie nicht mehr auf Oberflächenköder setzen, wenn keine wilden Jagden im Oberflächenwasser mehr zu sehen sind.

Die Vielzahl der Barsche ist dann freilich in ruhigere Tiefenbereiche abgetaucht, aber immer noch zu fangen. Gezielte Suche mit dem Echolot ist dann gefragt! Mit etwas Erfahrung erkennt man die kleinen Trupps an Großbarschen, die sich als rote Sicheln auf dem Farb-Bildschirm darstellen. Mit Drop-Shot-Montagen und Pintails als Köder lassen sich immer wieder gute Fische am Tage fangen. Das größte Problem ist dann jedoch die Lokalisierung der Fische, die meist im Freiwasser stehen, und die sehr schnelle Präsentation. Schwimmen die Barsche wiederholt zum Köder, ohne zu nehmen, sollten wir die Präsentation ändern. Andere Verführer, eine ruhigere oder bewusst auch schnellere Präsentation können dann der Schlüssel zum Fang-erfolg sein. Ein besonders wichtiger Hinweis zum Möhnesee: Es müssen Stahlvorfächer für den Raubfischfang benutzt werden, und im Klarwasser des Sees sind diese für den Barschfang nicht förderlich. Nutzen Sie feinste, besonders kurze Vorfachmaterialien, um nicht unnötigen Argwohn zu produzieren. Direkt hinter das Stahlvorfach knote ich einige Meter Monofil, das deutlich weniger Argwohn als multifile Schnüre erregt. Es gilt die Faustregel: Je langsamer und klarer/heller das Wasser, desto feiner muss gefischt werden, um die Großbarsche zu überlisten. Perfekt für tolle Fänge an der Oberfläche ist warmes, ruhiges Wetter am Morgen und Abend. Weht dagegen eine ordentliche Brise, sind mehr in der Tiefe, schnell geführte Wurfköder effektiver.

Im großen Fluss

Früher dachte ich, kapitale Barsche im Fluss seien die Ausnahme. Allerdings konnte ich in den letzten Jahren zunehmend regelmäßiger auch sehr kapitale Stachelburschen im Rhein fangen. „Auf Ansage“ wird‘s sicher schwer, denn im Strom sind die Trupps schnell und weiträumig unterwegs. Finden Sie ufernah viele Kleinfische, dann lohnt sich jedoch ein intensiver Versuch. Neben den zahlreichen Zandern stellen sich hier nämlich auch immer kleine Rudel mit kapitalen Barschen

Die rötlich gefärbten Einzelsicheln auf dem Echolotschirm deuten auf einen Trupp Großbarsche hin.

ein, und wer an einer bestimmten Stelle mal große Exemplare fangen konnte, wird immer wieder welche dort erwarten können Ich bin überzeugt, dass vor allem die Köderpräsentation und -größe beim Angeln im Fluss besonders wichtig sind. Im Rhein fische ich stets mit Stahl und habe hier auch viele, teils kapitale Barsche mit längeren, aber dünnen Stahlvorfächern fangen können. Als Köder nutze ich meistens Shads zwischen zehn und zwölf Zentimetern, seltener auch einmal bis 15 Zentimeter Länge. Viele Barschangler werden jetzt einwerfen: „Viiiel zu groß!“ Denken Sie aber bitte daran, dass ich nicht massenhaft, sondern gezielt kapitale Barsche fangen möchte. Meine Lieblingsstellen am Rhein sind vor allem Einmündungen und steinige Bereiche mitten in Buhnen, die den Kleinfischen Deckung bieten. Offensichtlich lauern die Barsche drumherum und warten auf Schiffe, die die Kleinfische „ausspülen“.

Ulis Top-Tipps für Großbarsche

  1. Barsche haben häufig ausgeprägte Beißzeiten. Finden Sie heraus, wann die Barsche jagen gehen, denn zu anderen Zeiten am Tage ist es häufig aussichtslos.
  2. Barsche sind mit zunehmender Größe erfahren und selektiv. Stetes Probieren mit Ködergröße, Köderbewegung und vor allem auch Köderfarben ist wichtig, um den Räubern auf die Schliche zu kommen.
  3. In sehr klarem Stillwasser sind die Barsche sehr vorfachscheu. Hier kommt es stark auf sehr dezente Präsentation an. In trüberem Wasser und bei geringerer Lichteinstrahlung kann hingegen durchaus mit dünnem Stahlvorfach gefischt werden.
  4. Für kapitale Barsche werden häufig viel zu kleine Haken gefischt. Barschmäuler sind groß, aber empfindlich. Wer mit kleinen Haken kapitale Barsche drillt, wird öfter einen verlieren. Drillinge der Größe 4-2 und Einzelhaken von 3/0 bis 1 halte ich für optimal.
  5. Ich bin ein Freund harter Spinnruten. Für den Fang von Barschen wähle ich ausnahmsweise auch gern etwas weichere Ruten mit einem Wurfgewicht von ca. 20-50 Gramm aus, wenn ich auf größere Distanz fische. Kurzdistanzen können auch noch weichere Ruten sinnvoll machen, denn die empfindlichen Barschmäuler lassen Haken schnell ausschlitzen.
  6. Die Handlandung ist sehr elegant und beliebt. Wer es jedoch mit dem Fang kapitaler Barsche ernst meint und seltene Einzelfische nicht verlieren will, sollte sich mit einem guten Kescher auf deren Fang vorbereiten. Barsche zappeln kurz vor der Landung heftig und gefährlich. Nicht wenige Fische gehen verloren, wenn man viel Zeit für eine gute Hand- landung benötigt.
Immer wieder ein famoser Anblick: Ein kapitaler Stachelritter zeigt sich im Drill das erste Mal an der Oberfläche.
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