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Zettelwirtschaft

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Auf Hängeetiketten an meinen Sammlerollen habe ich alle wichtigen Informationen vermerkt.

Wie oft habe ich das schon gehört: „Wo ich die Rolle gekauft habe, daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Ist bestimmt 20 Jahre her!“

Wenn ich eine neue alte Rolle erwerbe, dann frage ich den vorherigen Besitzer, meistens Sammler, immer nach der Herkunft aus. Meistens sind die Informationen, die man so erhält, ziemlich dürftig. Viele Sammler wissen kaum etwas über ihre Stücke. Manchmal erhält man aber auch äußerst wertvolle Hinweise.

Zuweilen erfahre ich, dass die Rolle beispielsweise aus der Gegend von München stammt, oder dass der frühere Besitzer in England in Kriegsgefangenschaft war. Das sind wertvolle Hinweise, um eine ungemarkte alte Rolle identifizieren zu können. Und damit ich und die nachfolgenden Sammler all das nicht vergessen und in Jahrzehnten noch darauf zugreifen können, vermerke ich alles auf kleinen Hängeetiketten, die mit der Rolle in die Vitrine kommen.

Verantwortung als Sammler

Auf den Schildchen werden Daten wie Hersteller, Katalognummer, Produktionsjahr, Herkunft, mögliche Reparaturen und der Kaufpreis vermerkt. Aus der Archäologie wissen wir, dass ein mit dem Metalldetektor gesondelter Fund ohne Fundort und Fundzusammenhang eigentlich für die Wissenschaft verloren ist. Beim Sammeln von historischen Angelgeräten liegt der Fall ähnlich. Da ist es ebenfalls wichtig, auch in 50 Jahren noch zu wissen, ob ein Schwung alter Köder aus Leipzig stammt oder von der französischen Grenze. Oder ob ich die Holzrolle auf einer Auktion in Dänemark erstanden, auf Ebay-England ersteigert oder auf einem Flohmarkt bei Berlin gefunden habe.

Durch meine Schildchen erfahre ich regelmäßig, wie vergesslich ich geworden bin. Meistens kann ich mich vor dem Blick auf den Anhänger kaum noch an die Herkunft des Stückes erinnern. Gut, dass ich immer alles notiert habe. Immerhin haben wir als Sammler historischer Gegenstände auch eine Verantwortung, Informationen für nachfolgende Generationen zu erhalten.

Genauso handhabe ich es übrigens auch mit alten Ködern oder Futteralen mit alten Ruten. Alle Infos werden am Stück vermerkt!

Wie sind Eure Erfahrungen zum Thema? Bitte Mail an thomas.kalweit@paulparey.de

Normalerweise sind die Etiketten unter den Rollen verborgen. So haben die Metallteile keinen direkten Kontakt zur Glasplatte. Gerne kommt es dort nach Jahrzehnten zu Oxidationsstellen durch Kondenswasser. Das Papier verhindert das.
Auch in den Rollen lassen sich die Etiketten gut verstecken. Hier habe ich sie teilweise zu Fotozwecken herausgepult.
Multirollen bieten im Innern viel Platz für größere Etiketten.
Hängeetiketten sind über den Zeitschriftenhandel oder auch über ebay in den verschiedensten Größen zu bekommen. Zu klein sollte man sie jedoch nicht wählen.

Anmerkung vom 14. Februar 2023

Peter Andres per Mail: „Hallo Thomas, seitdem ich sammle, praktiziere ich auch diese „Zettelwirtschaft“. In meinen Augen hat sich das sehr gut bewährt. Ich benutze nur noch die großen Zettel mit der roten Schnur. Die haben die Größe, um auf der einen Seite den Hersteller, Typ, Baujahr und auf der Rückseite die Herkunft, Datum Kauf und Preis zu dokumentieren. Zusätzlich habe ich mit eine Excel-Liste über alle vorhandenen Rollen in meiner Sammlung angelegt. Diese hat natürlich viel mehr Informationen, die man nach Bedarf sortieren kann. Die kann man über Tabellenblätter nach Rollentyp (Grund-, Stationärrollen, etc. oder Herstellern) und in einer Zusammenfassung archivieren, so dass man immer einen Überblick über seine Sammlung hat. Die Dokumentation aller Details ist in meinen Augen ein sehr wichtiger Punkt für eine Sammlung. Ich bin ein Freund von Excel-Listen! Viele Grüße Peter Andres“

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