Spannende Holzrolle

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Sehr einfache Holzrolle, die Spule ist wahrscheinlich aus Mahagoni.

Vor ein paar Tagen konnte ich eine einfache Holzrolle erwerben, Spulendurchmesser ca. 13 cm, also ziemlich genau 5 Inches.

Mein Nachfragen beim Verkäufer ergab, dass er diese Rolle vor 40 Jahren bei Angelgeräte Ludwig Harant erwerben konnte. Sie lag dort anscheinend in der Ecke mit Sammler- und Gebrauchtgerät. Der Angelgeräteladen findet sich als „G. Häußlers Witwe Nachfolger“ schon im Tübinger Adressbuch von 1934, er lag in der Kornhausstraße 3. Die Holzrolle wurde also wahrscheinlich am Neckar gefischt. Genau werden wir es nie erfahren… Ich frage bei meinen Erwerbungen grundsätzlich nach der Herkunft und vermerke sie an einem Anhänger an der Rolle, so gehen diese wichtigen Informationen für die Zukunft nicht verloren.

Die Rolle ist eindeutig ein Umbau/Selbstbau. Die Metallteile aus Messing sind sehr grob gefertigt. Dass die Rolle alt ist, sieht man daran, dass sogar die beiden Muttern vom Angler damals selbst hergestellt wurden. Die Holzspule stammt sehr wahrscheinlich von einer defekten Vorgängerrolle, die dann umgebaut wurde. Ich nehme an, dass die Spule zu einer Rolle englischer Fertigung gehörte. Meiner Ansicht nach ist sie möglicherweise aus Mahagoni gedrechselt worden, wie fast alle englischen Rollen. Durch ihre zahlreichen Kolonien hatten die Briten vor hundert Jahren Zugriff auf solche teuren Tropenhölzer. Deutsche Holzrollen wurden meist aus heimischen Hölzern wie Nussbaum gefertigt, die beim Einsatz am Wasser bei weitem nicht so haltbar waren. Deshalb sind deutsche Holzrollen oft geplatzt oder gerissen, bei Mahagoni-Rollen passiert das fast nie.

Für Mahagoni spricht das extrem leichte Gewicht der Rolle. Dieses haltbare Tropenholz mit 510 kg/m³ Trockengewicht ist noch leichter als Kiefer (550). Eiche (770) oder Nussbaum (680) sind deutlich schwerer. Typisch für Mahagoni sind weiterhin ein goldenes Schimmern und viele kleine Poren in der Holzmaserung, beides ist bei der Rolle zu finden. Auch der Durchmesser von genau 5 Zoll spricht dafür, dass diese Spule ursprünglich von einer englischen Rolle stammt, die ja vor dem 1. Weltkrieg sehr zahlreich auch bei uns verkauft wurden. Der Durchmesser ist immer ein gutes Indiz für die Herkunft, krumme Zentimetermaße sprechen eher nicht für deutsche Produktion.

Übrigens: Es ist auch denkbar, dass vor gut 100 Jahren nur die Holzspulen von einem deutschen Angelladen aus England importiert wurden, um sie dann zu einfachen Rollen umzubauen… Dafür könnte eventuell sprechen, dass diese Rolle nur einen Kurbelknauf hat und dass das Zentrum der Spule auf beiden Seiten nur ganz grob bearbeitet ist, so als wäre sie gerade erst aus der Drechselbank genommen worden. Auch müsste die Spule stärkere Gebrauchsspuren zeigen, wenn die ursprünglichen Metallteile bereits verschlissen und durch diesen Umbau ersetzt worden wären.

Wer hat weitere Informationen? Bitte per Mail an thomas.kalweit@paulparey.de

Das Holz hat den typischen Goldschimmer und viele kleine Poren.
Die zentrale Achsmutter wurde damals vom Angler selbst angefertigt.
Die Halterung der Spule besteht aus einem einfachen Stück Messingband.
Auch die rückseitige Mutter wurde selbst angefertigt und mit einem Tropfen Lötzinn gesichert.
Der Kurbelknauf besteht aus Messing oder Kupfer.
Der Fuß ist für diese große Rolle eindeutig zu klein dimensioniert.
Abo Fisch&Fang