Slowenien: Ungebändigte Natur als Eldorado für passionierte Angler

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Slowenien

Malerische Flüsse, türkisfarbene Seen, große Äschen, farbenprächtige Bachforellen und Saiblinge, kämpferische Marmoratas: Wer in den naturbelassenen Gewässern Sloweniens die Gerte schwingt, wird eine hervorragende Fischwaid erleben.

Von Peter Voss

Slowenien bleibt ein Eldorado für den begeisterten Angler. Der Krieg gegen die Serben für einen eigenen Staat im Norden der ehemaligen Republik Jugoslawien hat den traumhaften Revieren keinen Schaden zugefügt. Zumal die nationale Fischereibehörde Zavod Za Ribistvo (ZZR) samt ihrem Chef Dr. Joze Ocvirk (Spitzname „Dr. Marmorata“) auch in der schwierigen Zeit nach der Unabhängigkeit alles tut, damit die kristallklaren Bergbäche und verträumt fließenden Karstflüsse weiter von hoher Qualität bleiben: Soèa, Sava Bohinjka, Unec und Krka sind allemal ein Grund für den Fliegenfischer, wieder die sonnige Seite der Alpen, so die Eigenwerbung der Region, zu besuchen.

Doch einen Wehrmutstropfen hat die Sache: Das penible Streben, diese Naturdenkmäler mit ihrem hervorragenden Besatz zu erhalten, kostet viel Geld. Und deshalb wurden die Preise für das Angeln an diesen Traum-Revieren gegenüber dem vergangenen Jahr um durchschnittlich zehn Prozent erhöht (73 bis 156 Mark pro Tag). Aber es geht auch billiger. Während die ZZR nur zehn Prozent der Gewässer Sloweniens bewirtschaftet, kümmern sich örtliche Vereine – in Zusammenarbeit mit der Behörde – um die restlichen Wasserflächen. Dort kann in der Regel zu günstigeren Preisen geangelt werden. Schilder weisen allerorten auf die Ausgabestellen von Karten hin.

Vor allem um den Triglav, den höchsten Berg Sloweniens, finden sich zwei Spitzenflüsse. Die Sava Bohinjka entspringt dem See Bohinjsko Jezero, kennt daher kein trübes Wasser aus der Schneeschmelze und schlängelt sich durch ein malerisches Gebirgstal Richtung Bled. Der Fluss lässt sich auf 20 Kilometer befischen; an den meisten Stellen ist Waten möglich.

Leitfisch: die Bachforelle. Doch überall gesellt sich der Lieblingsfisch der Slowenen, die Äsche, hinzu. Wer beispielsweise dort die goldbronzenen Kraftpakete mit der Trockenfliege überlisten konnte, der versteht die Vorliebe der Einheimischen für ihren „Lipan“.

Am besten im Mai und Juni

„Touristenstrecken“ mit großen Satzfischen, meist Regenbogenforellen, wechseln sich ab mit Bereichen, die einen natürlichen Bestand aufweisen. Doch solche Reviere muß man abseits gewohnter Pfade suchen. Sedges und Steinfliegenimitationen (Perla maxima) sind zur besten Zeit (Mai und Juni) stets die richtige Wahl.

Höhepunkt einer Slowenien-Reise ist aber unumstritten die wilde Soèa am Rande des Triglav-Nationalparks. Zwar gibt es in der Nachbarschaft die „zahmeren“ Schwestern wie die Lepenca, Koritnica oder eben Sava und Radovna, die einfacher zu befischen sind. Doch der ungebändigte Charakter der Soèa, dieser türkisblauen Alpenperle, sowie das wiedererstarkte Aufkommen der Marmorata-Forelle lockt Angler aus aller Welt an.

Drills in dem reißenden Wasser fordern den Könner heraus – vor allem dann, wenn sich am anderen Ende der Schnur eine zehnpfündige Marmorata behaupten will, was keine Seltenheit ist. Den Räubern in den metertiefen Gumpen ist allerdings nur mit schwersten Muddler Minnows an schnellsinkenden Schnüren beizukommen. Normales Gerät genügt für Äschen, Bach- und Regenbogenforellen. Die besten Zeiten sind April/Mai sowie ab Mitte Juni. Dazwischen kann Schmelzwasser die Aussichten trüben.

Die Soèa-Strecke der ZZR reicht von der Quelle bis zur Brücke im Dorf Èezsoèa und bietet alles – von flachen Kiesstrecken bis zu engen Schluchten, in denen allerdings das Fischen zum lebensgefährlichen Abenteuer werden kann. Ruhiger und größer, wenngleich niemals gebändigt, präsentiert sich der Fluss im weiteren Verlauf um die Orte Kobarid und Tolmin. Diese Strecke wird vom Angelclub Tolmin bewirtschaftet und ist etwas günstiger als der Oberlauf.

Der Unec, ein geheimnisvoller Karstfluss und zugleich eines der produktivsten Äschengewässer Europas, sowie die liebliche Krka (Huchen im Winter) sind ebenfalls eine Reise wert.

Nationalstolz Sloweniens

Etliche Sagen ranken sich um den Bohinjsko Jezero, den größten See Sloweniens. Er liegt im Norden der jungen Republik, inmitten des Triglav-Nationalparks. Diese ursprünglich gebliebene alpine Landschaft, Stolz ganz Sloweniens, regt wahrlich zum Träumen an. Wer einmal im Mai oder Juni mit einem Ruderboot (Motorboote sind auf dem vier Kilometer langen See verboten) einfach nur herumdümpelt und das imposante Bergpanorama auf sich einwirken lässt, wird dies Erlebnis schwerlich vergessen können.

Was aber ist mit dem Angeln? Am Bohinjsko Jezero geht es vornehmlich auf Seesaibling. Dieser exklusiven Spezialität (die Tageskarte kostet 50 Mark, Fliegenfischen an den benachbarten Flüssen ist noch etwas kostspieliger) stellen Einheimische und Gäste im ansonsten günstigen Urlaubsland vor allem im Mai und Juni nach, wenn noch Schnee die Berggipfel aufleuchten lässt. Das Angeln selbst ist einfach. Mit einem kleinen toten Köderfisch an kurzem Vorfach samt Zehn-Gramm-Blei wird in zwölf bis 15 Metern Tiefe knapp über Grund gefischt. Zwischenzeitlich haucht leichtes Zupfen dem Fisch Leben ein.

Die Einheimischen fischen vornehmlich mit Handangeln. Das macht durchaus Sinn, denn so ist der Kontakt zum überaus vorsichtig beißenden Saibling direkter. Mancher wird den Vergleich unfein finden: Doch der Seesaibling „nuckelt“ ähnlich am Köder wie ein hiesiger Brassen.

„Wenn das Wetter mitspielt – bedeckter Himmel, wenig Westwind – fängst du in einer Stunde sechs Fische“, sagte mir einer der freundlichen einheimischen Fischer.

Saiblinge und Seeforellen

Eine weitere Möglichkeit, den Saiblingen im Bohinjsko Jezero nachzustellen, ist das langsame Schleppen. Mit einem leichten Downrigger wird ein wahrer Christbaum an leichten Blinkern durchs Wasser gezogen, an dessen Ende der Fischfetzen wartet. Manchmal soll sogar eine der seltenen Seeforellen nach dem Köder schnappen. Allerdings nur dann, wenn es sich um größere Happen handelt. Und nicht selten sieht man auch Fliegenfischer am Einlauf der Savica die Gerte schwingen. Sie werden wissen, warum.

Slowenien wird heute vom Auswärtigen Amt als sicheres Reiseland eingestuft. Auch wenn die Preise fürs Angeln relativ hoch sind: Preiswerte Unterkünfte und niedrige Lebenshaltungskosten machen dies mehr als wett. Das Land insgesamt und speziell der Triglav-Nationalpark mit allen denkbaren Freizeitvergnügungen laden zum Urlaub für die ganze Familie ein.

Info

Info: Hardy-Fliegenfischerschule Gerhard Lerch, Wiesent Lodge, 91342 Waischenfeld, Tel. 09202/95151 sowie Zavod za ribistvo Ljubljana, Zupanciceva 9,

61000 Ljubljana, Slowenien, Tel. ab Deutschland 00386/061/214934 oder 155185 oder 1262019.

Stand 1998

Foto: Verfasser

Abo Fisch&Fang