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Noch ein Tauchfund

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Oben der verwitterte Tauchfund, unten ein englischer "Comet Bait" (z.B. von Warner, Farlow, Bartleet oder Milward) aus der Zeit um 1900. Könnte der Köder ursprünglich so ausgesehen haben? Die Platzierung der Ösen stimmt.

Vor wenigen Tagen haben wir hier im Sammlerblog über einen Taumulus-Tauchfund aus Schweden berichtet und etwas darüber spekuliert, wie viele alte Köder doch noch in deutschen Gewässern schlummern mögen…

Taucher und Sondengänger besitzen bestimmt Massen von verrosteten Köder-Raritäten. Gerhard Dee kann zum Thema Tauchfund eine spannende Geschichte erzählen:

„Hallo Thomas, zufällig habe auch ich kürzlich ein Köderkonvolut von einem Taucher erwerben können. Laut Beschreibung stammt alles aus verschiedenen „süddeutschen Gewässern“. Der Preis lag – umgerechnet auf den einzelnen Köder – im Centbereich. Deshalb fiel es nicht allzu schwer, ein wenig auf das ein oder andere gemarkte Stück zu spekulieren. Der größte Teil des Konvoluts bestand aus 08/15-Ködern. Sie werden wohl nach einer kleinen Aufarbeitung als „Verbrauchsgerät“ beim Vereinsnachwuchs landen und dann früher oder später wieder irgendwo hängen bleiben. Trotzdem hat sich der Kauf auch für mich gelohnt.

Das erste interessante Teil kann ich noch nicht genau zuordnen. Der Körper scheint vergoldet zu sein und ähnelt dem aus England bekannten „Comet“ (siehe Vergleichsstück). Allerdings fehlen die vorderen Seitenflügel, die komplette Hakenmontage sowie das Achsen-Röhrchen. Wahrscheinlich haben sich diese Teile während des langen Aufenthalts unter Wasser verabschiedet.

Der zweite Tauchfund ist ein gemarkter Sol-Löffel. Auch er zeigt heftige Abnutzungserscheinungen. Haken und Wirbel sind verschwunden, eine Öse ist durchbrochen und die gewölbte Oberfläche hat tiefe Riefen. Vermutlich haben Sand und Kies in stärkerer Strömung ihm so zugesetzt.

Das Prunkstück aber ist ein Hendrik van Ophemert Augenblinker. Er hat das seltene gelbe Auge auf seiner linken Seite und die Beschriftung führt vom Auge weg zum Köderende. Die unter Wasser entstandene farbenfrohe Patina darf er als Erinnerung an seine Herkunft gerne so behalten. Herzliche Grüße, Gerhard“

Hallo Gerhard, ganz spannende Funde! Es ist absolut möglich, dass der englische Comet um 1900 von den bekannten süddeutschen Angelgerätefirmen verkauft wurde. Die Hersteller dieses Ködertyps wurden allesamt auch in Deutschland vertrieben. Ich glaube, an unseren Ufern schlummern noch viele interessante Funde! Da extreme Niedrigwasser inzwischen ja leider immer häufiger auftreten, ist da sicher noch so einiges zu finden. Beste Grüße Thomas

Infos, Fragen und Anregungen bitte an thomas.kalweit@paulparey.de

Die Frontansicht: Unten "Comet Bait" von Warner of Redditch, oben der Tauchfund. Auch das spitz ausgezogene Ende der Köder stimmt überein.
Sol-Blinker Tauchfund
Schemenhaft ist bei diesem Blinker aus den 1950er Jahren noch die Sol-Marke zu erkennen.
Auch die Innenseite des Blinkerblatts ist stark oxidiert, eine Bohrung bereits ausgebrochen.
Ophemert-Blinker mit gelbem Auge, durch den jahrzehntelangen Aufenthalt unter Wasser ist der Köder stark verkrustet.
Die Innenseite des Ophemert-Augenblinkers ist deutlich besser erhalten.
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