Neue Fangempfehlung für den Ostseelachs

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Fischereibiologe und FISCH & FANG-Autor Sven Hille mit einem schönen Ostseelachs. Die ICES empfiehlt, die Angelei und Fischerei auf Lachse in großen Teilen der Ostsee zukünftig stark einzuschränken. Bild: Sven Hille

Der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) hat am 15. September 2021 die jährliche Fangempfehlung für Ostseelachse veröffentlicht. Empfohlen wird die Einstellung der Berufs- und Freizeitfischerei auf Lachs in großen Teilen der Ostsee.

Wie das Thünen-Institut für Ostseefischerei in einer Pressemitteilung berichtet, sollte diese Empfehlung eigentlich schon im Frühsommer erscheinen, die Veröffentlichung musste jedoch noch einmal überarbeitet werden. Warum? Bisher konnten starke Lachspopulationen schwache Lachspopulationen kompensieren. Diese Herangehensweise wurde nun als nicht nachhaltig bewertet. Die neue Vorgabe sieht vor, dass jede einzelne Lachspopulation das gleiche Gewicht bei der wissenschaftlichen Fangempfehlung bekommt, um schwache Lachspopulationen besser zu schützen. Entsprechend empfiehlt der ICES, die Lachsfischerei in der Ostsee mit Ausnahme des Finnischen Meerbusens zu schließen, oder alternativ nur noch ganz im Norden der Ostsee (Bottnischer Meerbusen und Ålandsee) küstennah zu bestimmten Zeiten zuzulassen. Für den Fall eines solchen zeitlichen und räumlichen Managements könnten bis zu 75.000 Lachse gefangen werden, weitere 10.100 im Finnischen Meerbusen.

Auch Angelfischerei betroffen

Diese Empfehlung betrifft nicht nur die Berufsfischerei, sondern auch die Freizeitfischerei. Die endgültige Entscheidung über die Bewirtschaftungsmaßnahmen und Fangmengen trifft der EU-Ministerrat Mitte Oktober.

Fragen und Antworten zur Fangempfehlung für den Ostseelachs…

Für unseren Autor Dr. Sven Hille vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung in Rostock war diese Fangempfehlung absehbar: „Für die meisten mag die Ankündigung zur Empfehlung der Einstellung der Fischerei (Berufs- und Freizeitfischerei) Mitte September auf Lachs in großen Teilen der Ostsee völlig überraschend gekommen sein. Diejenigen, die sich allerdings vorher bereits intensiv mit der Biologie der Fische und der Bestandsentwicklung ostseeweit beschäftigt haben, waren vorbereitet. Und spätestens seit der Einführung der „Fettflossenregelung“ (Mitnahme nur von Lachsen ohne Fettflosse als Markierung für Besatzfische) in Schweden vor einigen Jahren hätte jeder verantwortungsvolle Angler die Chance gehabt, den Hintergrund dieser Regelung zu hinterfragen. Hauptgrund damals und jetzt ist die kritische Situation vieler kleiner Bestände, deren Fische sich aber auf ihren weiten Nahrungswanderungen gemeinsam mit Tieren aus gesunden Beständen jeden Winter in Richtung Süden auf den Weg machen. Leider können weder die Fischer noch die Angler erkennen, ob sie einen besonders schützenswerten Lachs aus einem bedrohten Bestand gefangen haben. Der Erhalt der biologischen Vielfalt ist aber gerade für lachsartige Fische unter dem Eindruck des Klimawandels extrem wichtig, da neben schnell ansteigenden Wassertemperaturen in der Zukunft auch trockene Sommer zunehmen werden und die Bestände dadurch zusätzlich unter Druck geraten. Ein ‚weiter so‘ darf es also bei der Bewirtschaftung der Lachsbestände nicht geben. Die beschriebenen Voraussetzungen erfordern Einschnitte bei der Nutzung und ein ostseeweit koordiniertes Management der Bestände und einheitliche Regelungen für die Zukunft und eine faire Verteilung der entstehenden Kosten. Starke nationale  Interessensverbände, wie beispielweise den Bootsanglerclub, zu unterstützen, ist dabei eine Möglichkeit, die jeder Angler in Betracht ziehen sollte. Hoffen wir, dass der Fischereirat Mitte Oktober die Empfehlungen der Wissenschaft angemessen umgesetzt hat, in der sowohl die aktuelle Bestandssituation der Ostseelachse als auch die Interessen der Angler berücksichtigt wurden.“

-pm-

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