Mecklenburg-Vorpommern: Wittower Fähre auf Rügen

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Mecklenburg-Vorpommern: Wittower Fähre auf Rügen

Für Einsteiger

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  • Direkt am Wasser parken, eine tiefe Rinne vor den Füßen, Hechte, Barsche und Hornhechte in Wurfweite – Watangler, was willst du mehr? Auf der Insel Rügen, an der Wittower Fähre, passt alles zusammen. Von Henning Stühring

  • Watangelplätze gibt es viele entlang der Ostseeküste. Aber meist sind es Strände, an denen nur Meeresfische zu fangen sind. Anders an der Wittower Fähre. Hierbei handelt es sich um einen Brackwasserbereich des Rassower Stroms. Der zählt zu den Rügener Bodden, gelegen an der Nordwestküste von Deutschlands größter Insel.

    Dass dort prächtige Raubfische zu fangen sind, wissen wir, Thomas und ich, bereits seit Ende der 90er Jahre. Damals lernten wir Mathias Fuhrmann kennen, der inzwischen als Angelführer die Boddenfischerei republikweit populär gemacht hat. Vom Boot aus landeten wir im Rassower Strom gleich bei unserer ersten Test-Tour jede Menge Hechte und erstklassige Barsche in erstaunlichen Stückzahlen.

    Diesmal, Mitte Mai 2007, wollen wir es zur Abwechslung mal vom Ufer aus wissen. In Schaprode klärt uns Mathias über die Besonderheiten auf: „Gleich neben dem Wittower Fähranleger liegt ein Schwemmgestell im Wasser. Ungefähr 100 Meter westlich der Holzbau-
    ten könnt Ihr einsteigen und bis an die Fahrrinne, gekennzeichnet durch eine rote und eine grüne Boje, waten. Dort kann man Hechte, Barsche und – jetzt im Mai – Hornhechte fangen.“

    An einem sonnigen Sonntag parken wir in Sichtweite des Schwemmgestells neben einem befahrbaren Feldweg. Der verläuft parallel zum Südufer des Rassower Stroms. „Bequemer geht‘s nicht“, bemerkt Thomas beim Aussteigen. Richtig, wir parken gerade mal gute zehn Meter vom Wasser entfernt!

    Der Wermutstropfen: Bei der guten Erreichbarkeit und dem Kaiserwetter sind wir natürlich nicht die einzigen Angler. Wie an einer Perlenkette aufgereiht, stehen die anderen Kollegen im Dutzend an der Grenze zur Fahrrinne im hüfttiefen Wasser. Fast alle haben es auf Hornhecht abgesehen. Allerdings ist die Hochzeit, bedingt durch den überaus warmen April, bereits über ihren Höhepunkt hinaus. Nur ganz vereinzelt sehen wir krumme Ruten und das typische silberne Aufblinken im Drill.

     

    Die Bojen und das dunkle Wasser markieren den Fangplatz, die tiefe Fahrrinne. Aber Vorsicht: Nur bis an den Rand des hellen Grundes waten, nicht weiter!

    Aber egal: Zum einen gibt es hier genug Platz für alle, zum anderen haben wir es nicht unbedingt auf „Horni“ abgesehen. Uns interessieren vielmehr Hecht und Barsch. Und dafür haben wir uns etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Fliegenfischen mit der Ein- und mit der Zweihandrute. Ja, Sie haben richtig gehört! Denn leichtes Lachsgeschirr der Klasse 8/9 kann auch prima für Hecht und Barsch eingesetzt werden. Damit kommt man einfach die entscheidenden Meter weiter raus in die Fahrrinne. Zumal heute ein 3er Südwestwind weht. Und der Rückenwind hilft natürlich beim Werfen.

    Kaum stehen wir an der steil abfallenden Kante zur Fahrrinne, sehen wir auch schon raubende Fische an der Oberfläche. Zunächst sind wir uns nicht sicher, ob es sich dabei nicht doch um Hornhechte handeln könnte. Aber schon mein vierter Wurf mit einem kleinen grünen Streamer bringt die Gewissheit: „Barsch!“, rufe ich Thomas zu. Nach kurzem Drill kommt ein schöner 35er an den Galgen. Gerade habe ich den Fisch versorgt, da ruft auch schon Thomas: „Fisch!“ Glück muss der Mensch haben! Wir fischen mitten in einem jagenden Barschschwarm. Da kommt der Erfolg erfahrungsgemäß zwangsläufig – egal ob mit der Fliegen- oder mit der Spinnrute serviert wird. Aber Barsche mit der Zweihandrute zu fangen, das ist auch nicht alltäglich. „Was für ein Spaß!“, rufe ich Thomas begeistert zu.

    Ein guter Barsch, gefangen auf Streamer an der Zweihandrute. Fliegen- und Spinnfischer finden optimale Bedingungen.

    Aber genauso schnell wie der morgendliche Spuk gekommen ist, geht er auch wieder vorbei. Die Barsche ziehen weiter, Bisse bleiben aus. Zeit, die Intermediate-Vorfächer auszutauschen, um mit schnell sinkender Spitze und größeren Streamern zielgerichteter auf tiefer stehende Hechte zu fischen. Und wir müssen Gas geben, denn uns bleibt leider nur noch Zeit bis zum Mittag. Eine gute Stunde noch!

    Esox scheint allerdings nicht in Beißlaune zu sein. Selbst mein Spezialköder, ein violetter Streamer aus Karnickelhaar, provoziert zunächst keine Attacke. Als wir gerade einpacken wollen, spüre ich plötzlich doch noch den ersehnten Ruck in der Schnurhand. Kein Zweifel: Das kann kein Barsch, das muss ein Hecht sein, und zwar ein richtig guter! Doch plötzlich erschlafft der Zug. „So ein Mist, ausgestiegen!“, rufe ich enttäuscht. Was soll‘s, wir sind trotzdem zufrieden, haben wir doch drei tolle Angelstunden erlebt. Unser Fazit: Wir kommen wieder, das nächste Mal aber länger, mit Spinnrute und „dann sind auch die Hechte fällig“, meine ich trotzig zu Thomas.

    Gewässer-Check: Wittower Fähre

     

    Lage: Mecklenburg-Vorpommern, an der Nordwestküste Rügens.

     

    Saison: Im Prinzip ganzjährig, da sowohl tiefes als auch flaches Wasser in Wurfweite sind. Besonders empfehlenswert ist jedoch die erste Maihälfte. Denn dann rappelt‘s garantiert, weil nicht nur Hechte und Barsche, sondern auch Hornhechte massenhaft durch die Fahrrinne ziehen.

     

    Lizenzen: Die Jahreskarte kostet 20 Euro und beinhaltet die Küsten- und Boddenfischerei rund um Rügen. Erhältlich u.a. im Rügen Angelshop, Gingst, Thälmannstraße 19, Tel. 038305/248; Angelfachgeschäft Altenkirchen, Am Teich 27, 18556 Altenkirchen, Tel. 0383 91/43241, Mobil 0171/4506364. Seit Sommer 2005 gibt es übrigens den „Touristenfischereischein“. Damit haben Gäste und auch Einheimische, die nicht im
    Besitz des Bundes-Fischereischeines sind, die Möglichkeit, einmal jährlich an 28 aufeinander folgenden Tagen in Mecklenburg-Vorpommern (MV) zu angeln. Der Schein wird von den Ordnungsämtern der Städte und Gemeinden ausgegeben, kostet 20 Euro und berechtigt dann den Inhaber, im Zusammenhang mit zusätzlich zu erwerbenden Gewässerkarte in MV zu fischen. Weitere Infos und Ausgabestellen im Internet unter www.angelwunder.de/rechtliches.html

     

    Bestimmungen: Fischen nur vom verankerten Boot aus, die ausgewiesenen Schutzzonen sind zu beachten!

     

    Schonzeiten/Mindestmaße: Es gelten die Bestimmungen der Fischereiverordnung Mecklenburg-Vorpommerns. Ausgewählte Arten: Hecht 1.3.-30.4./50 cm; Barsch -/17 cm; Hornhecht -/-.

     

    Unterkunft: Gute und günstige Unterkünfte mit Frühstück und Gefriermöglichkeiten bietet u.a. Haus am Wind, Heike Gögge, Landesstr. 4, 18569 Schaprode, Tel. 038309/ 1375.

    Anfahrt: Ab Stralsund die E22 bis Samtens. Dort an Ampel-Kreuzung links ab bis Trent – am Gasthof Fähreck rechts ab Richtung Wittower Fähre. Kurz vorm Anleger links ab (Zufahrt zum Radisson Hotel) bis zum ersten Gehöft in Vaschvitz. Dort rechts ab und geradeaus bis zum Querweg direkt am Wasser. Rechts halten bis kurz vorm Schwemmgestell.

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