Schleswig-Holstein: Der Dieksee

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Schleswig-Holstein: Der Dieksee

Der Gewässer-Test

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  • Auf Raubfisch, zweieinhalb Tage lang, dann ist Schluss: Zwei FISCH & FANG-Redakteure versuchen ihr Glück an einem Revier in Schleswig-Holstein, an dem sie noch nie zuvor geangelt haben. Von Henning Stühring

  • Denkt man an Malente, kommt einem eher Fußball als Angeln in den Sinn. Denn in den 70er Jahren diente der beschauliche Kurort der Nationalelf als Stätte zur Vorbereitung auf Weltmeisterschaften. Für Angler gilt allerdings eine umgekehrte Planung: Sie sollten bereits fit und gut informiert sein, wenn das Reiseziel Bad Malente heißt. Denn hier liegt der Dieksee. Ein Gewässer, das hohe Ansprüche an den Gastangler stellt.

    In diese Rolle wollen Thomas und ich Ende November 2007 schlüpfen. Unsere Wahl ist deshalb auf den Dieksee gefallen, weil er uns als Gastangler zum einen von der Größe her noch überschaubar, zum anderen reich strukturiert scheint. Das jedenfalls ergibt die Vorab-Recherche im Internet. Beim Surfen stoßen wir auf einige Informationen vom AV Malente. Zitat: „Der Dieksee hat eine Größe von zirka 386 Hektarn und eine durchschnittliche Tiefe von 17 Metern. Durchflossen wird der klare und sauerstoffreiche See durch die Schwentine. Die gute Wasserqualität ermöglicht neben Weißfischen auch Barschen, Hechten, Zandern und Aalen beste Lebensbedingungen. Maränen sind auch in dem See heimisch. Vom Ufer aus haben Angler leider wenig Möglichkeiten. Es empfiehlt sich, ein Boot zu mieten.“ Letzteres bekommen wir gleich bei der Kartenausgabe vom Berufsfischer Schmidt.

    Als Gastangler, die es auf Raubfische abgesehen haben, steht die Marschroute schnell fest. Thomas sagt: „Wir werden es schwerpunktmäßig mit Kunstködern auf Barsch und Hecht probieren. Da Schleppen nicht erlaubt ist, müssen wir Strecke machen.“ Am Nachmittag des 26. November stehen wir am Nordufer und machen das Boot startklar.

     

    Ohne Boot geht am Dieksee kaum etwas. Allerdings ist das Schleppfischen verboten.

    Uns schwant Böses, denn das Wetter scheint uns nicht gerade in die Karten zu spielen. Nachdenklich sage ich zu Thomas: „Weit können wir bei dem starken Wind nicht rausrudern. Noch dazu bläst es sehr frisch aus Nord.“ Aus Erfahrung wissen wir, dass solch plötzliche Kälteeinbrüche den Raubfischen buchstäblich auf den Magen schlagen. Notgedrungen müssen wir das Angeln auf eine kleine, windgeschützte Bucht vor unserer Haustür beschränken. Um es kurz zu machen: Zwei Stunden werfen wir mit Kunstködern, dann kann Thomas kurz vor Feierabend einen Hecht-Winzling auf Wobbler fangen.

    Früh am nächsten Morgen rudern wir wieder auf den Dieksee hinaus. Die Luft ist klar, der Wind weht immer noch aus Nord. Dass die Natur hier noch intakt ist, beweist ein Seeadler, der hoch über unserem Boot kreist. Anfangs ist es zwar noch ruhig, leider auch was die Bisse betrifft, aber schon gegen Mittag setzt das ein, was wir befürchteten und der Wetterbericht angekündigt hat: sehr frischer, teils böiger Wind.

    Da bleibt uns nichts anderes übrig, als wieder in unsere „Hausbucht“ zurückzurudern. Und es kommt so, wie es kommen muss: Für heute bleiben wir Schneider. Ein Lichtblick allerdings verheißt: Für morgen, unseren letzten Angeltag, meldet der Wetterbericht nur mäßigen Wind.

    Die Vorhersage scheint zu stimmen. Endlich können wir auch die Plätze am Südufer anrudern, die uns an den Vortagen verwehrt blieben. Und es weht nicht mehr nur der gefürchtete Nordwind, inzwischen dreht es ein bisschen auf West. Beim Blick aufs Echolot sagt Thomas: „Das sieht doch schon ganz anders als gestern aus, viel mehr Fischanzeigen!“ Zunächst peilen wir einen Barschberg an. Ich probiere es vertikal mit einem Balance-Jig, während Thomas einen Gummifisch werfenderweise anbietet. Als das Boot über die 20-Meter-Linie driftet, spüre ich den ersten zarten Biss, kurz darauf folgt der nächste Anfasser. Und endlich, auf 18 Metern Tiefe, kann ich den ersten Mini-Barsch haken. Weitere folgen bei den nächsten Driften.

    Ein guter Fangplatz: die Landspitze auf mittlerer Höhe des Südufers. Über dem harten Muschelgrund fühlen sich Hechte, Zander und Barsche wohl.

    Plötzlich ruft Thomas: „Fisch!“ Ich lege die Rute beiseite und filme den Drill eines kleinen Hechtes. Den gut 40 Zentimeter langen, ganz spitz gehakten Esox löst Thomas schonend außenbords – noch im Wasser – vom Shad. Immerhin, man ist ja schon dankbar, wenn überhaupt etwas beißt! Daran ist mit Sicherheit nicht das Gewässer schuld, sondern das Wetter. Die Räuber scheinen bei den heftigen Luftdruckschwankungen wie festgenagelt am Grund zu stehen. Attacken über mehrere Meter bis ins Freiwasser sind da nicht zu erwarten. Wenn überhaupt, dann kassieren wir nur direkt am Grund Bisse. Noch dazu im tiefen Wasser, was die Angelei extrem schwierig macht, vor allem das Wurffischen. Denn die Absinkphasen fallen natürlich sehr lang aus und erfordern recht schwere, schnell sinkende Köder. Entsprechend limitiert sind wir in unserer Köderwahl: Balance-Jigs, Blinker und Shads mit dicken Bleiköpfen, die über 20 Gramm wiegen. Uns bleibt jedoch keine Wahl. In den flachen Buchten könnten zwar auch Wobbler zum Einsatz kommen. Aber was nützt das, wenn dort nur Minihechte und gar keine Barsche zu erwarten sind?

    Immerhin verzeichnen wir bis zum Mittag mehr Erfolg als an den beiden anderen Tagen zusammengenommen. Da sich am Barschberg nichts mehr rührt, beschließen wir, das Boot an einen neuen Platz zu versetzen. Mit Hilfe der Gewässerkarte rudern wir auf eine markante Lanzunge am Südufer zu. Dort gibt es festen Muschelgrund. Unsere Hoffnung: Vielleicht fangen wir dort in der Abenddämmerung einen Zander.

    Nach einiger Zeit verzeichne ich hier wieder einen Biss auf den Balance-Jig. Beim Hochkurbeln spüre ich allerdings kaum Leben am anderen Ende. Des Rätsels Lösung: ein quer gehakter Barsch. Doch schon bei der übernächsten Drift Richtung Landzunge rufe ich Thomas zu: „Biss! Wenn das ein Barsch sein sollte, ist es ein guter Fisch!“ An der Oberfläche zeigt sich jedoch ein zirka 50 Zentimeter langer Hecht, der wiederum sehr spitz gebissen hat und sich mit einem Kopfschütteln selbst vom Haken verabschiedet. So bleibt nur fürs Filmen, nicht aber fürs Fotografieren Zeit – was soll‘s?

    Wenigstens erleben wir mit diesem Fang noch ein halbwegs versöhnliches Finale. Fazit: Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen und ziemlich dicht an einer totalen Pleite vorbeigedriftet. Schade, dass das Wetter nicht mitgespielt hat. Der Dieksee hat sicher ein viel größeres Potenzial, als es sich uns Gastanglern in diesen zweieinhalb Tagen erschlossen hat. Unser dringender Rat: Man sollte es besser im Frühsommer probieren.

    Gewässer-Check: Dieksee

     

    Lage: Der Dieksee liegt in Schleswig-Holstein bei Malente.

     

    Erlaubnisscheine: Fischereipächter Johannes Schmidt, Am Dieksee 4, 24306 Niederkleveez, Tel. 04523/3394; Tag 2 Ruten 6 Euro/3 Ruten 7 Euro, Woche 2 Ruten 25 Euro/3 Ruten 30 Euro. Die Lizenz beinhaltet auch eine recht genaue Tiefenkarte vom Dieksee. Bei Herrn Schmidt gibt es übrigens auch gute Leihboote für 5 Euro pro Tag.

     

    Bestimmungen: Schleppfischen und Nachtangeln sind nicht gestattet.

     

    Schonzeiten/Mindestmaße: Es gilt das schleswig-holsteinische Fischereigesetz, abweichende Daten sind dem Erlaubnisschein zu entnehmen.

     

    Unterkunft: Rund um den See gibt es viele günstige Unterkünfte, sehr zu empfehlen ist zum Beispiel das Ferienhaus von Tilo von Bredow, Inselweg 8, 23714 Timmdorf/Malente, Tel. 04742/ 25000, Internet: www.ferienhaus-dieksee.de Das urgemütliche Schwedenhaus liegt direkt am Wasser (inklusive Steg mit Boot) und kostet in der Nebensaison 70 Euro proTag. Daneben die günstige Ferienwohnung von Familie Brach, Kontakt: Henry Brach, Tel. 0175/ 8351462. Henry ist selbst Angler und gibt Gastanglern gern wertvolle Tipps.

     

    Informationen: beim Berufsfischer, siehe Erlaubnisscheine.

    Anfahrt: A1, Abfahrt Eutin, weiter auf der B76.

    Dieksee-Steckbrief

     

    Bei den Raubfischen dominieren vor allem die Barsche. Sie kommen zahlreich und in Gewichten bis über ein Kilo vor. Bei den Hechten ist eher mit mittleren Größen um die 70 Zentimeter und Gewichten zwischen drei und fünf Kilo zu rechnen. Metrige Exemplare bis zehn Kilo werden zwar gefangen, gelten jedoch als absolute Ausnahme. Zander schwammen früher reichlich im Dieksee, bis es vor einigen Jahren zu einem Bestandseinbruch kam. Inzwischen hat sich die Population jedoch wieder etwas erholt, so dass mit Fischen zwischen drei bis vier Kilo, ins Ausnahmefällen sogar mit Kapitalen bis zu acht Kilo gerechnet werden darf. Wer es gezielt auf Zander probieren möchte, dem sei die markante Landzunge auf mittlerer Höhe des Südufers empfohlen. Denn dort gibt es harten Muschelgrund, den die Stachelritter besonders schätzen. Generell gilt für Raubfischangler: Zur kalten Jahreszeit tief fischen, und zwar in strukturreichen Bereichen zwischen zehn und 15 Metern. Dazu zählen vor allem Kanten, die deutliche Tiefenunterschiede auf engem Raum aufweisen. Als beste Zeit gilt allerdings der Frühsommer. Dieksee-Kenner Henry Brach sagt: „Die Fische brauchen bei uns ein wenig länger, um in Beißlaune zu kommen.“ Von Juni bis Anfang Juli stehen die Räuber flach und ufernah, entsprechend leichter sind sie zu finden und zu fangen. Wie andernorts auch, entwickelt sich der Aalbestand rückläufig. Wer es dennoch gezielt probiert, darf mit starken Exemplaren zwischen ein und zwei Kilo rechnen.

     

     

    Zur besten Zeit, im Frühsommer, gelingen selbst dem Nachwuchs große Fänge, wie der Hecht (r.) und der dicke Barsch (o.) bezeugen.

     

    An Friedfischen kommen Brassen in beachtlichen Gewichten zwischen bis zu vier Kilo vor, daneben starke Rot-augen und Rotfedern. Für Karpfen und Schleien bietet das kalte, klare und nährstoffarme Wasser des Dieksees allerdings keine gute Lebensgrundlage. Da fühlen sich die Rutten und Kleinfische wie Ukelei, Schlammpeitzger und Stichlinge sowie Seeforellen, die besetzt werden, schon viel wohler.

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