Mecklenburg-Vorpommern: Der Schweriner See

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Mecklenburg-Vorpommern: Der Schweriner See

Viel Platz für Kapitale

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  • Großgewässer sind ja nie ganz leicht zu beangeln, dafür aber immer für einen dicken Hecht gut. Der Schweriner See macht da keine Ausnahme. Von Mathias Fuhrmann.

  • Der 21 Kilometer lange und maximal sechs Kilometer breite Schweriner See ist 62 Quadratkilometer groß und hat speziell Raubfischanglern einiges zu bieten: Hechte, Zander, Barsche und Aale in zum Teil kapitalen Größen! Aber auch Friedfisch-Spezis kommen voll auf ihre Kosten: Rotaugen und Brassen ohne Ende sowie dicke Karpfen und Schleien sind zu fangen.

    Schwerin, die Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern, liegt am Südende des Sees. Wismar befindet sich gerade mal elf Kilometer von der Nordspitze entfernt. Die Verkehrsanbindungen, sowohl von Hamburg als auch von Berlin aus, sind sehr gut.

    Der im 19. Jahrhundert erbaute Paulsdamm teilt den Schweriner See in den Innen- und den Außensee. Der südliche Innensee allerdings weist im Vergleich zum Außensee eine größere Durchschnittstiefe auf. Weil die Aussichten, dort schöne Fische zu fangen, richtig gut sind, traf ich mich im September vergangenen Jahres mit Marco Fust, um in seinem Heimatgewässer den Raubfischen mit der Spinnrute nachzustellen. Sein größter Hecht aus dem Schweriner See übrigens, den er mit einem Gummifisch überlistete, hatte eine Länge von 126 Zentimetern und wog 15,5 Kilogramm!

     

    Der Schweriner See genießt unter Petrijüngern einen ausgezeichneten Ruf. Ganz besonders bei den Raubfisch-Anglern.

    Wir trafen uns in Bad Kleinen an seinem Bootssteg und stachen bereits kurz darauf in See. Bad Kleinen liegt am nördlichen Westufer des Schweriner Außensees. Bereits in unmittelbarer Nähe befinden sich zahlreiche gute Angelstellen. Besonders reizvoll ist das Gebiet rund um die Insel Lieps. Dort gibt es sowohl steile Kanten als auch flache Riffs mit Kraut und Steinen. Ideale Lebensräume für die Räuber.

    Zunächst versuchten wir an einem kleinen Barschberg im Durchgang zum nördlichen Seeteil unser Glück. Wir ankerten vor dem Berg und befischten die steilen Kanten. Bereits nach wenigen Würfen erhielt Marco einen guten Biss, leider jedoch schlitzte der Haken aus. Auch den zweiten Biss konnten wir nicht verwerten. Weil sich schließlich nichts mehr tat, tuckerten wir weiter.

    Gerade als wir den zweiten Ankerplatz erreicht hatten, entdeckten wir einige hundert Meter südlich von uns mehrere Möwen, die unaufhörlich ins Wasser schossen. Unverkennbar: Raubende Barsche trieben kleine Weißfische an die Wasseroberfläche. Die wiederum waren das Ziel der Möwen. Jetzt aber los! Gashebel nach vorn, und auf ging´s.

    Kaum waren die Köder im Wasser, stürzten sich die Stachelritter bereits auf sie. Ein schöner Barsch folgte dem anderen. Die größten Fische waren knapp 40 Zentimeter lang und lieferten am leichten Gerät spannende Drills. So schnell der Spuk gekommen war, so schnell war er auch wieder vorbei.

    Als die Möwen nach einiger Zeit erneut ins Wasser schossen, um die Kleinfische zu erhaschen, die von den Barschen an die Wasseroberfläche gejagt wurden, begann das Spiel von vorn. Wir ankerten etwas abseits, und die Köder flogen mitten in den Schwarm…

    Mathias Fuhrmann mit zwei seiner vielen Barsche, die er mit der Spinnrute überlistete.

    Biss auf Biss!
    Marco und ich waren im Fangrausch, und wir vergaßen die Zeit. Schließlich beendeten wir das fantastische Barschangeln und fuhren um die Insel Lieps herum, um an der nordwestlichen Kante zum Abschluss des Tages ein paar Versuche auf Hechte zu starten. Leider ohne Erfolg.

    Während wir zurückfuhren, fragte ich Marco nach den Besonderheiten seines Reviers: Der Schweriner See ist ein Maränengewässer, das während der letzten Eiszeit entstand. Der Grund ist überwiegend sandig, in den Kuhlen oft auch schlammig. Weil der Boden relativ uneben ist, ist es nicht ganz einfach, einen Erfolg versprechenden Bereich zu finden. Am besten, man nimmt sich ein Gebiet vor und beangelt es intensiv.

    Weil Schleppen auf dem Schweriner See nicht erlaubt ist, gestaltet sich die Fischerei auf die großen Freiwasserhechte ziemlich schwierig, denn man muss vom fest verankerten Boot aus angeln. Ein gutes Echolot und GPS sind fast unverzichtbar. Einige der Unterwasserberge allerdings sind durch Tonnen gekennzeichnet, was das Auffinden der Hot Spots erleichtert.

    Die markantesten Barschberge im Außensee sind der Rethberg, der Große Tannenberg, die Große Goldburg, die Kleine Goldburg, der Schlossberg, der Steinberg, der Mühlenberg, das Scheefhus sowie die Große Perline.

    Außer den Bergen sind auch die Kuhlen äußerst interessant. Dorthin ziehen sich die Fische in der kalten Jahreszeit und zeitweise auch im Hochsommer zurück. Der maximal gut 50 Meter tiefe Außensee hat am Westufer steilere Kanten als am Ostufer, und in den flachen Bereichen mit zwei bis drei Metern Wassertiefe kann man hervorragend Jerken. Aber auch mit Spinnern und Wobblern lassen sich schöne Hechte fangen.

    Die meisten Angler jedoch sind im Sommer auf Barsche und Aale aus. Der Barschbestand hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert, und Fische von zwei Pfund sind nicht selten. Orts-Unkundige orientieren sich meist an den Booten der Einheimischen. Wenn man Glück hat, so wie wir, helfen jagende Möwen bei der Suche nach Barschschwärmen. Sicherer jedoch findet man sie mit einem guten Echolot.

    Als Köder kommen meist Twister am Paternoster zum Einsatz. Zur Beschwerung dient ein Zocker, der je nach Wassertiefe 20 bis 40 Gramm schwer ist. An straffer Schnur und mit zupfenden Bewegungen wird die Montage zum Grund gelassen. Die Barsche stehen aber auch nicht selten im Mittelwasser beziehungsweise dicht unter der Oberfläche. Dann ist es besser, die Köder nicht zu tief anzubieten. Empfehlenswerte Twisterfarben: Gelb, Weiß und Rot. An manchen Tagen sind auch aktiv geführte Tauwürmer eine Bank. Mit Barschhegenen dagegen haben wir nur kleine Fische erwischt.

    Der Herbst ist – wie überall – auch am Schweriner See die klassische Raubfischzeit. Extrem wichtig ist es dann, in der richtigen Wassertiefe zu angeln. Nach der Umwälzung des Wassers stehen die Hechte nicht selten bis zu 25 Meter tief an den Bergen und Kanten. Außer Köderfischen gelten Gummifische als die besten Verführer.

    Im Winter friert der Schweriner See aufgrund seiner Größe sehr spät oder gar nicht zu. Bei tragender Eisdecke jedoch kann man sehr gut Eisangeln. Von Vorteil ist es dann, die genauen GPS-Positionen der Berge zu kennen.

    Gegen Abend, um zu unserem Törn zurückzukommen, kehrten wir bei der Fischerei Prignitz ein, um vom Fischer Tobias Prignitz weitere Informationen zu erhalten. Nach seinen Angaben sind die Hechte im Schnitt 65 Zentimeter lang. Räuber in Gewichten von 20 bis 25 Pfund jedoch sind nicht selten. Mit Netzen werden die Hechte kaum befischt.

    Der für den Fischer interessantere Zanderbestand schwankt von Jahr zu Jahr. Durchschnittlich sind die Stachelritter drei bis vier Pfund schwer. Der Größte, an den sich Tobias Prignitz erinnern konnte, wog etwa neun Kilogramm.

    Zanderliebhabern ist der Schweriner Innensee zu empfehlen, denn dort ist das Wasser bedeutend trüber als im Außensee, der eher den Hechten zusagt. Der Barschbestand ist in beiden Bereichen Schwankungen unterworfen. In den vergangenen zwei Jahren allerdings hat sich die Situation stark verbessert, so dass zur Zeit außergewöhnlich viele Barsche vorhanden sind. Der Aalbestand dagegen ist leider geringer geworden. Daran sind zu einem großen Teil die zahlreichen Kormorane schuld.

    Sehr gut ist der Bestand an Weißfischen, zumeist Plötzen und Brassen. An Karpfen ist vor allem ein kleiner Altbestand mit sehr großen Fischen erwähnenswert, die jedoch kaum beangelt werden. Auch Schleien sind nur selten Ziel der Angler und Fischer.

    Ein letzter Tipp noch: Verlieren Sie niemals das Wetter aus den Augen, wenn Sie mit dem Boot weit draußen auf dem Schweriner den Flossenträgern nachstellen! Es kann sich sehr schnell ändern, sodass es aufgrund plötzlich auftretender Stürme mit in der Folge
    hohen Wellen durchaus lebensgefährlich werden kann, wenn Sie das Ufer nicht innerhalb kürzester Zeit erreichen.

    Gewässer-Check: Schweriner See

     

    Informationen/Angelgeschäfte: Angel & Fun, Susanne Koriller, Hauptstraße 2a, 19067 Leezen, Tel. 03866/470424, Fax 03866/470203; Angel-Scout Schwerin, Lärchenallee 2, 19057 Schwerin, Tel. 0385/4867148, Fax 0385/4866401, E-Mail: info@angel-scout.de, Internet: www.angel-scout.de; Angelshop Staack, ABC Straße 7, 23966 Wismar, Tel. 03841/212078.

     

    Lizenzen: Außensee Nordteil: Fischerei Tobias Prignitz, Fischerweg 4a, 23996 Hohen Viecheln, Tel. 0384/2351223 oder 0172/3938700, Internet: www.angeln-mecklenburg.de. Preise: Tageskarte mit Nachtangelerlaubnis 10, Wochenkarte 25, Jahreskarte 50 Euro. Außensee Südteil: Binnenfischerei Mecklenburg GmbH (BIMES), Bornhoevedstr. 65, 19055 Schwerin, Tel. 0385/592390, Internet: www.bimes.de. Preise: Tag/Erwachsene 8, Jugendliche 4 Euro, Woche/Erwachsene 25, Jugendliche 10 Euro, Monat/Erwachsene 40, Jugendliche 18 Euro, Jahr/Erwach-sene 80, Jugendliche 30 Euro.

     

    Mindestmaße cm / Schonzeiten: Hecht 50/-, Zander 50/-, Aal 45/-, Barsch 17/-, Wels 90/-, Karpfen 40/-, Schleie 25/-.

     

    Bestimmungen: Schleppangeln ist nicht gestattet. Fangbegrenzungen: zwei Fische der Arten Karpfen, Hecht, Zander oder Wels sowie drei Fische der Arten Aal, Forelle oder Schleie. Gesperrte Gebiete sind durch Bojen gekennzeichnet.

     

    Guiding: Guiding auf dem Schwe-riner See mit perfekt ausgerüs-tetem Boot bietet Marco Fust an: Tel. 038423/556990, Handy 0162/9144630, Internet: www.der-hechtangler.de

     

    Unterkünfte: Tourismusverband Mecklenburg-Schwerin e.V., Alexandrinenplatz 7, 19288 Ludwigslust, Tel. 03874/666922, Internet: www.mecklenburg-schwerin.de sowie Tourist-Information Schwerin, Am Markt 14, 19055 Schwerin, Tel. 0385/5925212, Internet: www.schwerin.com und www.schweriner-see.de

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