Köder-Rätsel gelöst?

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Tropfenförmige Blinker mit einem rot-blauen Streifen und gelbem Auge - anscheinend stammen sie aus Schweden, wurden aber auch in Deutschland verkauft. Durch wen?

Anfang des Jahres spekulierte ich hier im Blog über den Hersteller von ungewöhnlichen Blinkern mit bunten „Sport-Streifen“, die aber nach ihren Beschlägen eindeutig aus der Vorkriegszeit stammten.

Sören Fietz hat jetzt eine ganz heiße Fährte in Schweden gefunden. Er schrieb per Mail: „Moin Thomas, im April und Mai stellten wir beiden jeweils einen ungemarkten Blinker mit blauem und rotem Streifen sowie blau-gelbem Auge vor. Die Köder weisen alte Montierungen auf, die auf eine Produktion in der Vorkriegszeit schließen lassen. Ich habe nun in einem Konvolut aus Schweden einen Köder mit gleichen Merkmalen gefunden. Ein blauer und ein roter Streifen zieren die Blinker-Innenseite. Leider sind die Streifen nicht mehr vollständig erhalten – vielleicht sind sie einer Putzaktion zum Opfer gefallen, denn viele Köder des Konvoluts wurden vom Vorbesitzer wohl irgendwann noch einmal aufpoliert. Deutlich erkennbar ist jedoch, dass die Streifen ebenso am Bohrloch des dickeren Blinkerendes enden. Gleich ist auch der teils bogenförmige Verlauf der Streifen. Ein Auge ist nicht oder nicht mehr zu erkennen. Das Schuppenmuster – an die Birnenform einer typischen Glühlampe erinnernd – ist ebenso gleich. Das Muster eines Effzetts / Z-Spinners oder Kaleva-Blinkers sieht leicht anders aus. Die Sprengringe sind ebenfalls verkupfert. Der Wirbel ist anscheinend original, er ist möglicherweise aber vom schmaleren an das breitere Ende versetzt worden. Der Drillingshaken und die Kunststoffflosse könnten später eventuell ausgetauscht worden sein, sie wirken jünger. Der Köder ist ca. 75 mm lang.

Wie nun der Zufall ergibt, finde ich in einem Katalog der Karlstads Fiskredskapsfabrik (Karlstads Angelgerätefabrik) aus dem Jahr 1940 einen Köder, der unseren Blinkern sehr auffallend gleicht. Die Schwarz-Weiß-Abbildung des Köders im Katalog lässt den gleichen Köder vermuten, die Beschreibung verfestigt diesen Eindruck. Der Katalog benennt den Köder schlicht als „Skeddrag N:r 7307“ (Blinker Nr. 7307) und beschreibt ihn als Neuheit mit lackiertem Rand und Auge. Erhältlich war dieser Blinker in den Größen 4 (40 mm), 5 (50 mm), 6 (60 mm) und 7½ (75 mm). Verschiedene Oberflächenveredelungen wurden nicht angeboten. Leider liefert der Katalog keine Information, welche Farbe der Köder bzw. die Lackierung hat.

Ist der Skeddrag N:r 7307 von der Karlstads Fiskredskapsfabrik oder von einem anderen Produzenten hergestellt worden? Der Katalog bot diverse Köder anderer, teils namhafter Hersteller an, z. B. wurden Heddons „Dowagiac Spook“ sowie die mutmaßlich von DAM produzierten Baby-Wobbler und Novum-Wobbler (im Katalog als Wobblerköder aus Holz bezeichnet) beworben. Der wenig kreative Name Skeddrag N:r 7307 spricht eher gegen eine Erfindung durch diese Firma.

Über Monica und Jurgen af Rolén, schwedische Ködersammler und Eigentümer eines kleinen privaten Ködermuseums in Südschweden (www.fiskedragsmuseet.se), erhielt ich weitere Informationen. Tack så hemskt mycket!

Der oben beschriebene Köder wird auch im Katalog N:o 80 des Vapen-Depoten Falun aus dem Jahr 1944 aufgeführt. Der Köder wird dort Öckerödraget (Öckerö = Ort/Gemeinde, westlich von Göteborg im Schärengarten gelegen) genannt. Die zugehörige Beschreibung lautet: verchromt, Außenseite halb mit Schuppen gestanzt, bemalte Innenseite. Angeboten wurde er in den Längen 40 und 50 mm. Auch das Vapen-Depoten Falun vermute ich eher nicht als Urheber dieses Köders. Ich könnte mir vorstellen, dass eine in Göteborg ansässige Angelgerätefabrik diesen Blinker erfunden hat und dass der zu Göteborg räumlich nahegelegene Ort Öckerö namensgebend war.

Es gab anscheinend verschiedene Oberflächenveredelungen bei diesem Modell. Dein Exemplar ist versilbert. Das kleinere Exemplar in meiner Sammlung könnte vernickelt sein, beim größeren bin ich mir nicht sicher, da es wohl mal zu stark geputzt worden ist. Weißliche Rückstände auf der Oberfläche des Köders könnten eventuell Reste einer Vernickelung sein. Der Öckerö-Blinker aus dem Katalog von Vapen-Depoten wurde hingegen verchromt.

Der Blinker, den ich damals vorstellte, entstammte einem Konvolut, in dem vorwiegend deutsche Vorkriegsköder, hauptsächlich von DAM, u. a. auch ein Köder mit Ziegenbock gemarkt, enthalten waren. Dieser Blinker misst 40 mm – eine Länge, die in beiden Katalogen angeboten wurde. Welche Größe hat dein Blinker? Ist eine Zuschreibung der Urheberschaft an Leser weiterhin denkbar? Viele Grüße Sören“

Da ist er! Im Katalog des Vapen-Depoten Falun aus dem Jahr 1944, aufgeführt als besonderer Blinker aus dem Ort Öckerö bei Göteborg.
Katalog des Vapen-Depoten Falun (Waffen-Depot in Falun) aus dem Jahr 1944. Dieses Jagd-Geschäft hat den Blinker ganz bestimmt nicht selbst hergestellt. (Katalogbilder mit freundlicher Genehmigung von fiskedragsmuseet.se)

Hallo Sören, das sind super interessante Informationen! Ich bin mir jetzt sicher, dass diese Köder ursprünglich aus Schweden stammen. Seltsam ist nur, dass sie vergleichsweise häufig in Deutschland auftauchen. Eventuell hat sie ein deutscher Hersteller oder Händler aus Skandinavien importiert. Ich war damals auf die Fährte zu Leser in Regensburg geraten, weil ich angebliche Leser-Köder angeboten bekommen habe, die ebenfalls eine sehr ähnliche rot-blaue Bemalung mit gelbem Auge besaßen. Eventuell hat Leser sie aus Schweden zugekauft und als seine eigenen ausgegeben? Sehr wahrscheinlich ist aber die Fährte zu Leser ein kompletter Irrweg. Man müsste einen Leser-Katalog aus der Zeit haben…

Wer weiß mehr? Infos an thomas.kalweit@paulparey.de

Es gab vernickelte (links, mit leichtem Gelbton) und verchromte Varianten des Blinkers. Die Beschuppung ähnelt dem deutschen Zett-/Effzett-Blinker.
Eckiger Sneckbent-Drilling, Sprengring aus Kupfer und archaischer Kastenwirbel deuten auf einen Vorkriegsköder hin.
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