Eigenbau oder Ophemert?

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Kiemenbögen und Bemalung sehen sehr improvisiert aus, das Auge dafür hoch professionell. Ein Selbstbau oder doch aus der Köderschmiede von van Ophemert?

Koppenblinker mit Glasaugen gibt es von zahllosen Herstellern. Besonders herausragende Exemplare baute Hendrik van Ophemert, der diesen Ködertyp erfunden haben soll.

Sören Fietz schrieb per Mail: „Moin Thomas, kürzlich fiel mir in einer Anzeige sofort dieser Köder ins Auge, er hob sich von den anderen Ködern deutlich ab. Der Artikelstandort im Harz machte mich dann noch neugieriger. Ich dachte unweigerlich an die überaus aufwendig produzierten Augenblinker von Hendrik van Ophemert.

Dieser Blinker ist mir bislang gänzlich unbekannt und könnte einerseits gar der Eigenbau eines handwerklich fähigen Anglers gewesen sein, andererseits wirkt er mir zu professionell gebaut. Der Köderumriss und die Flossenstrahlen ähneln vergleichbaren Merkmalen einiger Modelle Ophemerts sehr stark. Das Auge besteht aus einem kleinen flachen dünnen Glas, welches in Messing gefasst ist. Es ist bei Weitem nicht so opulent, wie man es bei Ophemerts Augenblinkern erwartet. Der Köder weist wie bei Ophemert angedeutete Kiemendeckel auf. Diese wurden aber mit unterschiedlichen Techniken in die Metalloberfläche eingebracht: Bei Ophemert wirken die Kiemendeckel akkurat herausgestochen, bei dem unbekannten Exemplar wirken sie mehr oder weniger „ordentlich“ mit einem Rändeleisen eingeprägt. Die Sprengringe weichen massiv von Ophemerts Augenblinkern ab, dessen typischen Wirbel fehlen. Ebenfalls untypisch sind die lieblose Bemalung, von der auf der Innenseite Reste verblieben sind, sowie der Kunststoff am Drilling. Beides könnte aber auch nachträglich ergänzt worden sein. Die Schnittkante wurde sehr ordentlich glatt gefeilt und das Blinkerblatt ist perfekt gewölbt. Der Köder misst in der Länge 80 mm und in der Höhe bis zu 30 mm. Eine ungeübte Hand dürfte eine solche Maßarbeit eher nicht anfertigen können. Das Blech, aus dem der Köder geschnitten wurde, ist ca. 1,3 mm dick. Markungen sind nicht vorhanden.

Eigenbau oder Ophemert? Einerseits tendiere ich eher zum gut ausgeführten Eigenbau, andererseits regt die Provenienz des Blinkers die Phantasie an. Was denkt ihr? Viele Grüße Sören“

Hallo Sören, bei ungemarkten Augenblinkern ist die genaue Zuschreibung sehr schwierig. Sehr viele Hersteller hatten über Jahrzehnte sehr ähnliche Koppen im Programm: DAM, Plate, Schrader, Rileh, Agilette, Espo, Sol, Steurer, Graf Hagenburg… Auch in Tschechien wurden sehr viele schöne Koppen mit Glasaugen produziert (z.B. von Stanislav Vlcek, Tokoz, Ryna usw.). Eventuell handelt es sich um einen frühen Nachbau aus der DDR. 1950 wirbt Karl Grüntzig (KG) aus Dresden mit seinem Nachbau des Ophemert-Augenblinkers (siehe Anzeige ganz unten). Wenige Monate später hatte auch Rileh ein Modell im Programm… Liebe Grüße Thomas

Wer weiß mehr? Infos an thomas.kalweit@paulparey.de

Originale Koppen/Augenblinker von van Ophemert zum Vergleich. Viele Hersteller in vielen Ländern hatten später sehr ähnliche Köder im Programm.
Anzeige aus der DDR-Zeitschrift "Deutscher Angelsport" vom April 1950. Von Karl Grüntzig wurde der Ophemert-Augenblinker in gleicher Form nachgebaut. Hat er Sörens Köder gebaut?
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