D.A.M.-Fake!?

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Kürzlich wurde auf ebay eine alte Holzrolle versteigert. Diese Rolle wechselte für ungewöhnlich wenig Geld den Besitzer, denn sie hatte ein Problem.

Unter dem Rollenfuß war sie mit „D.A.M.“ und einer „4“ gemarkt. Die Buchstaben waren etwas schief mit einem Schlageisen eingeschlagen. Jeder ernstzunehmende Sammler weiß, dass die Firma Ziegenspeck/Deutsche Angelgeräte Manufaktur erst ab 1925 die drei Buchstaben D.A.M. als Namen führte. Die Rolle ist aber älter als 1925. Irgendetwas passt also nicht. Auch gibt es bisher keine Holzrollen die mit der Abkürzung D.A.M. gemarkt sind. Aus diesen Gründen wollte fast niemand diese Rolle.

Ein Blick in alte D.A.M.-Kataloge zeigt, dass die Firma noch Anfang der 1930er Jahre Holzrollen im Programm hatte, mit dem Zusatz von Inhaber Otto Kuntze: „Ich fabriziere von diesen Rollen nur noch wenige Sorten, unter diesen wieder nur die gangbarsten Modelle, da ich Holzrollen im allgemeinen durch die Bakelitrollen als überholt ansehe!“ Die Holzrollen im Katalog sind mit den Größen von 1 ¾ bis 5 ¼ (Durchmesser in englischen Zoll) bezeichnet. Unsere Holzrolle hier hat 4 Zoll Durchmesser. Ist die Marke „D.A.M. 4“ also doch original? Oder hat damals der Besitzer seine Rolle damit aufwerten wollen?

Inzwischen konnte ich die Rolle genauer betrachten. Die Sache ist eindeutig. Links und rechts am Rollenfuß finden sich sehr frische, noch blinkende Eindrücke von Schraubstockbacken. Das Rautenmuster ist genau zu erkennen. Man hat sich vor dem Einschlagen der Buchstaben noch nicht einmal die Mühe gemacht, den Rollenfuß zwischen zwei Alubacken oder Hartholzstücken einzuklemmen. Diese verräterischen Spuren waren bei der ebay-Auktion natürlich nicht zu sehen.

Leider tauchen Neuerdings immer mehr plumpe Fälschungsversuche auf. Erst kürzlich war eine Rolle auf ebay, in die jemand einen Ziegenbock „frei Hand“ eingekratzt hatte. Leider (oder besser zum Glück!) war der Versuch derart verunglückt, es hätte auch die Pieta von Michelangelo sein können, oder Homer Simpson, der seinen Sohn Bart verprügelt.

Wer kennt weitere Fakes und Fälschungen? Infos an thomas.kalweit@paulparey.de

Noch ganz frisch: Deutlich sind die Eindrücke der Schraubstockbacken zu erkennen.
Noch ganz frisch: Deutlich sind die Eindrücke der Schraubstockbacken zu erkennen.
Die letzten DAM-Holzrollen aus dem Katalog von 1933. Typisches Erkennungszeichen sind die spitz-rautenförmigen Unterlegplatten der Griffe.
Die letzten DAM-Holzrollen aus dem Katalog von 1933. Typisches Erkennungszeichen sind die spitz-rautenförmigen Unterlegplatten der Griffe.
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