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Borkum: Artenreiche Steinriffe nahe geplanter Gasbohrung

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Unweit der geplanten Bohrstelle vor Borkum befinden sich schützenswerte Steinriffe, ein Lebensraum für den bedrohten Nordsee-Hummer. Bild: U. Kunz/Submaris/Greenpeace

Wie die Umweltschutz-Organisation Greenpeace der Presse mitteilt, fehlt im Genehmigungsverfahren zu umstrittenen Gasbohrungen vor Borkum bislang ein wichtiges Gutachten.

Seit fast zwei Jahren soll laut Greenpeace der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), der dem niedersächsischen Umweltministerium unterstellt ist, von schützenswerten Riffstrukturen nahe der geplanten Gasbohrungen vor der Nordseeinsel Borkum wissen. Doch die entscheidenden Unterlagen sind nicht in das Planfeststellungsverfahren eingeflossen, ergab eine Greenpeace-Anfrage nach dem Niedersächsischen Umweltinformationsgesetz (NUIG).

Der niederländische Konzern ONE-Dyas will in unmittelbarer Nähe zum UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer zwischen den Nordseeinseln Schiermonnikoog und Borkum ein Gasfeld ausbeuten. “Dieses Gutachten ist höchst relevant, um die möglichen Umweltschäden durch die Gasbohrungen zu bewerten”, sagt Anike Peters, Energieexpertin von Greenpeace. “Es ist ein Skandal, dass Niedersachsens Umweltministerium derart zentrale Informationen bislang zurückgehalten hat. Die Landesregierung muss die geplanten Bohrungen unmittelbar neben schützenswerten Riffen sofort stoppen.”

Nach Recherchen von Greenpeace wurden die ökologisch schutzwürdigen Riffverdachtsflächen zwar dem Bundesamt für Naturschutz gemeldet, die Existenz des erstellten Gutachtens zur Bewertung der Meeresgrund-Biotope der Küstengewässer vor Borkum im Genehmigungsverfahren aber verschwiegen.

Taucher entdecken schützenswerte Riffstrukturen

Von Greenpeace beauftragte Forschungstaucher der Firma Submaris haben nahe der vorgesehenen Bohrstelle auf niederländischer Seite und in unmittelbarer Nähe der für die Bohrplattform geplanten Kabeltrasse auf deutscher Seite stark bewachsene, artenreiche  Steinstrukturen dokumentiert. Sie sind Lebensraum für den stark bedrohten Hummer, Taschenkrebse und eine Vielzahl an Fischen. Damit deutet alles auf ein oder mehrere schützenswerte Riffe hin.  “Wir haben dort einen Zaubergarten aus Seenelken, Schwämmen, Weichkorallen und Seemoos gefunden”, so Philipp Schubert, Meeresbiologe von Submaris. “Das alles ist nur aufgrund der Steinriffe möglich, die als Oasen der Artenvielfalt unter strengen Schutz gestellt werden müssen.” Derzeit werten die Wissenschaftler an den Steinen entnommene Proben aus und führen weitere Untersuchungen durch.

Vergangenen Woche hat ein niederländisches Gericht die bereits genehmigten Gasbohrungen vorläufig gestoppt. Zuvor müssten anhängige Klagen abgeschlossen werden, so das Gericht in Den Haag.  Auf deutscher Seite läuft derzeit ein Planfeststellungsverfahren beim Niedersächsischen Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG). Im Rahmen dieses Verfahrens müssen alle vom Vorhaben betroffenen Belange eingebracht und gegeneinander abgewogen werden. Auf eine NUIG-Anfrage von Greenpeace hat die Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer mitgeteilt, dass im Zuge der FFH-Berichterstattung für das Küstenmeer vor Borkum Verdachtsflächen des FFH-Lebensraumtyps 1170 (Riffe) an das Bundesamt für Naturschutz gemeldet wurden. Diese Verdachtsflächen liegen in der Nähe der geplanten Bohrstelle und wären von den Auswirkungen von Bohrung und Gasförderung betroffen.

-Pressemitteilung Greenpeace-

"Zaubergarten" aus Seenelken, Schwämmen, Weichkorallen und Seemoos. Bild: U. Kunz/Submaris/Greenpeace
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