Antiker Wobbler?

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Antiker Wobbler?

27.07.2010 10:05 von Thomas Kalweit

Antiker Wobbler?

Leider kein antiker Kunstköder – sondern nur ein kunstvoller Gewürzbehälter.

In die Öffnung gab man blutgetränkte Läppchen, um im Unterrock Flöhe zu fangen.

Folgende Bilder schickte ein Leser an die Redaktion – hier seine Mail:

 

„Im Anhang finden Sie Fotos eines antiken Wobblers. Leider sind die Haken nicht mehr vorhanden. Das gute Stück besteht aus echtem Silber (geprüft), wiegt ca. 70 Gramm und hat eine Länge von rund 16 cm. Am Kopf kann man ihn aufklappen, sodass man ihn im Inneren durch das hinzufügen eines Gewichtes noch beschweren kann, um die Sinkgeschwindigkeit zu erhöhen (das denke ich mir). Silberstempel oder Herstellerzeichen sind nicht vorhanden. Der Schwanz ist beweglich. Insgesamt ein wahres Meisterwerk. Eventuell handelt es sich hier um eine Einzelanfertigung. Können Sie mir was zum ungefähren Alter und eventuell über die Herkunft sagen? Ich selber habe das gute Stück auf einem Flohmarkt erworben.“

 

Leider handelt es sich bei dem Fundstück um keinen Angelköder, er besitzt ja keinerlei Turbinen oder Tauchschaufel am Kopf oder Aufhängungen für die Haken. Solche Metallfische sollen Flohfallen sein, die im 19. Jahrhundert Damen in ihren wallenden Röcken getragen haben. Man hat damals ein blutgetränktes Läppchen hinein gegeben und die Flöhe sind dann durch die Öffnung hineingekrochen.

 

Auch sollen die Damen Läppchen mit Duftwasser oder auch wohlriechende Gewürze in den Metallfisch gegeben haben, um üble Gerüche zu überdecken. Die Damen haben damals wohl auch Pillen und Riechfläschchen mit Riechsalz in diesen Fischen versteckt. Von den Herren sollen die Gliederfische als Schnupftabakdosen verwendet worden. Die Fischform galt als Glücksbringer.In der jüdischen Kultur sind solche Gliederfische besonders bekannt: Beim Hawdala-Ritual werden sie mit dem Gewürz Besamim gefüllt.

 

Nachbauten dieser witzigen Sammler- und Dekostücke werden noch heute in Indien angefertigt und können dort von Touristen gekauft werden. Man kennt aber auch historische Stücke, die um 1900 in England und den Niederlanden gefertigt wurden. Solche „Fish Boxes“ und Besamimbüchsen werden regelmäßig von Auktionshäusern angeboten.

 

Manchmal tauchen solche Metallfische in umgebauter Form auf, dann haben Angler sie um 1900 zweckentfremdet und zu Angelködern umgebaut, das ist aber bei diesem Exemplar nicht der Fall. Es gibt übrigens sehr ähnliche Köder der berühmten engl. Firma Gregory, die haben aber alle Turbinen am Kopf, wie bei einem Devonspinner. Trotzdem ein schönes Teil!

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