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Alte Schnurkarten

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Bei der Schnur "Signal und Alarm" wechselte alle zehn Meter die Farbe.

Alte Pappkarten mit Seiden- oder Hanfschnur sind ein interessantes Sammelgebiet. Vor allem die meist sehr bunten und dekorativen Schnurkarten von DAM sind regelrechte Hingucker.

Jan Wolter hat uns ein paar Fotos von seinen neuesten Errungenschaften geschickt. Er schrieb dazu: „Hallo Thomas, wir hatten uns ja neulich über die Altenschnurkarten unterhalten, hier noch ein paar Fotos.  Die alten Schnurkarten sind zum Teil fast 100 Jahre alt. Bei der einen D.A.M Schnurkarte ist noch der Fabrikmarke-Siegel mit Ziegenbock drauf. Eigentlich sind es ja sogar zwei Karten, da zwei Karten mit einer Banderole zusammengehalten werden. Schade, dass nicht mehr alle Stücke so schön erhalten sind. Aber als Dekoration neben ein paar alten Rollen können sie sich sehen lassen. Beste Grüße Jan“

Hallo Jan, das Thema ist sehr interessant. Vor 100 Jahren haben die Angelgerätehersteller alle Register gezogen, um den Anglern halbwegs vernünftige Schnüre bieten zu können. Es gab damals Seidenschnüre, die mit 8 bis 24 Klöppeln geflochten wurden. Die Besseren dieser hohlen Schnüre hatten dann noch eine stabile „Seele“ als Einlage. Dann wurden die Schnüre noch gekocht, damit sie weicher wurden. Letztendlich mussten sie dann noch gewachst oder geölt werden, damit sie länger haltbar waren und sich nicht zu schnell vollsaugten. Ich habe für einen FISCH & FANG-Film schon einmal mit alten Seidenschnüren auf Döbel gefischt. Das ist kein Vergnügen, denn sie saugen sich schnell mit Wasser voll und sinken wie Blei zum Grund, was Posenfischen übe mehr als drei Meter Entfernung ziemlich unmöglich macht. Im Winter bei Frost ging da sowieso nicht mehr viel.

Neben diesen mehrfarbigen Seidenschnüren gab es auch weißes Silk, welches im Wasser halbwegs transparent erschien. Für die grobere Angelei (z.B. Hechtangeln mit der Bohnenstange) wurden Leinenschnüre aus irischem Flachs oder sogar Hanf eingesetzt, die ziemlich grob, dafür aber preiswert waren. Dann gab es noch Mako-Schnüre aus ägyptischer Baumwolle, eine Alternative zu den teuren Seidenschnüren.

Übrigens: Der Schnur-Name „Alkaline“ stammt daher, dass die Seidenschnüre in den schon damals durch die Industrie stark verschmutzten Gewässern (z.B. Laugen aus Färbereien) sehr gelitten haben und nicht lange hielten. Die Alkaline-Seidenschnur wurde für solche alkalischen Gewässer ab Werk speziell präpariert. Beste Grüße Thomas

Infos, Fragen und Anregungen bitte an thomas.kalweit@paulparey.de

Die DAM-Seidenschnur "Alkaline Export" bestand laut Katalog von 1933 aus ungewachstem Organza-Seidenzwirn, rund- und hohlgeflochten mit einer Seele im Inneren. Hightech der 1930er Jahre!
Die Schnur war damals immer in 10-Meter-Portionen durchgehend auf Pappe aufgewickelt. Im Angelladen konnte man sich dann die passende Portion abschneiden lassen. Für die meisten kleinen Messingröllchen reichten 20 Meter vollkommen aus.
Hier sind zwei Schnurkarten zu einem Bündel mit einem Papierstreifen verbunden.
Der Anfang der Schnur wurde mit einem Ziegenbock-Aufkleber gesichert.
Auch Stork hatte Schnurkarten im Programm, die aber vergleichsweise schlicht und schmucklos daherkamen.
Aus heutiger Sicht unglaublich, dass man mit dieser "Wurstkordel" Fische fangen konnte.
Die Seidenangelschnur "Pfeffer & Salz" von der Firma Springer in Isny war der damalige Marktführer, jedenfalls taucht diese schwarz-weiße Schnur (daher der Name!) häufiger auf. Oben: Reste der Originalschnur. Mitte: Grobe Hanf- oder Flachsschnur.
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