Zielfisch Barsch: Schwanzvergleich

2018


Zielfisch Barsch: Schwanzvergleich

Der Titel lässt an pubertierende Jungs denken, doch natürlich geht‘s hier um was anderes. Von Johannes Dietel

Gummifisch ist nicht gleich Gummifisch. Durch das Material und die Form erhält jeder Köder seine ganz eigene Note und ist für besondere Angelmethoden besonders geeignet. Vor allem das Schwanzende und die Schwanzwurzel muss man sich genauer anschauen.

 

Action-Shads

Diese Köder verfügen über einen Schaufelschwanz, der je nach Stellung für mehr oder weniger Druckwellen beim Absinken oder Einkurbeln sorgt. Es lassen sich vier Typen unterscheiden.

 

 

1. 90-Grad-Teller an kurzer Wurzel:

 

Dabei steht ein recht großer Schwanzteller im rechten Winkel zum Gummifischkörper. Der Teller bewegt sich schon beim geringsten Zug und sorgt außerdem für eine Kippbewegung des Körpers. Ein Klassiker ist der Attractor von Profiblinker, der nicht zuletzt dank der bekannten Videos äußerst beliebt war und ist. Gummis mit eingekerbter Wurzel erzeugen eine besonders starke Druckwelle.

Distanz-Barsch: Für Weitwürfe nimmt Johannes einen schlanken Köder.

„Normal“ ausgebleit, fangen die Gummis eigentlich zu jeder Jahreszeit und in jeder Wassertiefe ihre Fische. Unter „normal“ verstehe ich eine Absinkphase von zirka drei bis vier Sekunden nach dem Abheben vom Grund. An leichten Bleiköpfen verlängert sich diese Phase erheblich, da der Teller wie ein Fallschirm wirkt. So eignen sich die Köder hervorragend zum Angeln im Flachwasser oder auch zum extrem langsamen Jiggen im Winter. An schweren Bleiköpfen machen sie dagegen richtig Rabatz und sind immer dann eine gute Wahl, wenn die Fische im Sommer oder Herbst sehr agil sind, oder wenn sie aufgrund eingeschränkter Sichtverhältnisse auf das Seitenlinienorgan angewiesen sind, um den Köder zu orten. Die seitlichen Kippbewegungen und heftigen Schwanzausschläge prädestinieren diese Gummifischform außerdem dazu, einfach durchs Wasser gezogen zu werden. Hier bestimmt das Bleikopfgewicht die Lauftiefe. Die oft großvolumigen Action-Shads gaukeln den Räubern fette Beute vor, weswegen sie bestens zum Angeln auf Hechte und große Zander geeignet sind.

Köderbeispiele: Berkley Pulse Shad, Relax Kopyto, Jan Gutjahr Super Fat Bait, Profiblinker Attractor.

2. 90-Grad-Teller an langer Wurzel:

 

Ursprünglich wurden diese Köder gebaut, um die Fische im Mittelwasser anzusprechen. Sie sollen bei mittlerer Einzugsgeschwindigkeit ein natürliches Laufverhalten an den Tag legen. Dies erreichen die Konstrukteure durch den großen Schwanzteller, der in eine recht kräftige und steife Schwanzwurzel übergeht.

Ich jigge die Köder fast immer am Bleikopf über den Grund. An Gewichten zwischen sieben und zwölf Gramm vollführt dieser Gummi-Typ in der Absinkphase eine kreisförmige Taumelbewegung. Das ist super für die Winterangelei in Wassertiefen zwischen zwei und vier Metern, da die Schaufel die Fallgeschwindigkeit bremst, und die dezente Aktion die winterträgen Schwimmbewegungen der natürlichen Beute gut imitiert. Bleigewichte ab 15 Gramm sorgen für eine Fallgeschwindigkeit, bei der der Schwanz anfängt, sich ganz natürlich zu bewegen. Das ist dann gefordert, wenn in großen Tiefen ein möglichst natürlich wirkender Köder präsentiert werden soll.

Köderbeispiele: Berkley Hollow Belly Swimbait, Mann’s Hardnose Swim Shad.

 

3. Angeschrägter Tellerschwanz:

 

Markenzeichen dieser oft als Low-Action-Shads bezeichneten Gummifische sind ein meist schlanker Körper und vor allem der abgeschrägte Schwanzteller. Am leichten Bleikopf bis zirka sieben Gramm taumeln diese Köder mit langsam ausschlagendem Köderende zum Grund und sind in Wassertiefen bis vier Meter ein top Winterköder. Wählt man das Köpfchen ein bisschen schwerer, fängt der Teller an zu vibrieren. Je schwerer der Kopf, desto hochfrequenter fallen diese Bewegungen aus. Da der Köder durch die schnittige Form weniger Wasserwiderstand hat, kommt er am schweren Bleikopf ziemlich schnell am Grund an. Somit handelt es sich hier ebenfalls um einen genialen Gummifisch für tiefes Wasser und außerdem auch fürs Angeln in der Strömung. Das schlanke Profil spricht vor allem Zander und Barsche an.

Köderbeispiele: Berkley Powerbait Ripple Shad, Bass Assassin Sea Shad.

 

4. Hammerschwanz:

 

Bei den Hammerschwänzen wurde der Teller durch eine verdickte Schwanzflosse ersetzt. Diese sitzt an einer recht kräftigen und langen Schwanzwurzel. Das Ergebnis ist ein heftiges Vibrieren, das sogar bis in die Rute zu spüren ist. Diese Köder fangen erst ab einem gewissen Bleikopfgewicht an, ihr Köderspiel zu entfalten. Deshalb sind sie für mich hervorragende Tiefenköder für relativ klares Wasser. Die Hammerschwänze sind auch immer dann einen Versuch wert, wenn eigentlich ein Action-Shad angesagt wäre, den Fischen dessen Aktion aber aus irgendeinem Grund missfällt.

Köderbeispiel: WedgeTail.

 

No-Action-Shads

Bei diesen Ködern wurde der Schaufelschwanz einfach weggelassen. Sie werden „No-Action-Shads“ genannt, weil von ihnen im Absinken absolut keine Aktion ausgeht. Dennoch bzw. gerade deshalb ist diese Form äußerst vielfältig einsetzbar. Es lassen sich zwei grundlegende Formen unterscheiden.

 

1. Gabelschwanz:

Die schlanken Gummis mit dem Gabelschwänzchen sind der Prototyp des No-Action-Shads. Gabelschwänze finden Verwendung als Softjerk, beim Dropshotten, am Texas- oder Carolina-Rig, beim Vertikalangeln und beim Jiggen.

 

 

Im Winter ist weniger oft mehr. Am leichten Bleikopf hebe ich diese Gummifischform dann langsam mit zwei bis drei Umdrehungen an, um sie anschließend träge auf den Grund fallen zu lassen. So haben die Fische Zeit, den tatsächlich aktionslosen Köder zu verfolgen. Im Frühjahr, Sommer und Herbst fische ich die schlanken Köder etwas überbleit mit Absinkphasen von maximal zwei Sekunden. So zupfe ich sie aggressiv mit der Rutenspitze in kurzen Sprüngen über den Grund. Dabei lasse ich den Köder vertikal an freier Leine abstürzen – eine Hammer-Aktion für Barsche und Zander! Von wegen No-Action!

Köderbeispiele: Berkley Powerbait Realistix Minnow, Jackson DS NO.1 Pearch, Lunker City Fin-S.

 

2. Nadelschwanz:

 

Hier läuft der Schwanz einfach aus und endet in einer oft sehr dünnen Verjüngung. Diese Gummifische wurden zunächst vor allem zum Vertikalangeln eingesetzt, doch inzwischen hat sich herumgesprochen, dass sie auch für andere Methoden ideal sind. Die Form sorgt für ein verführerisches Ausschlagen beim Softjerken und für ein feines Nachschwingen am Dropshot-Rig. Auch geworfen fangen die Nadelschwänze ganz hervorragend.

Die Aktion beim Absinken fällt relativ bescheiden aus. Doch auch hier gilt: Am entsprechend schweren Bleikopf (Stichwort „Überbleiung“) und mit der dazu passenden Führung (kurze und steile Sprünge), lassen sich diese Gummis hektisch über den Boden zupfen. Der dünne Schwanz wippt nach dem Aufkommen am Grund ein bisschen nach – ein tolles Bewegungsbild, auf das vor allem Zander, aber auch Barsche und Hechte richtig abfahren.

Köderbeispiele: Tikki-Shadick von Wave Worms, Bass Assassin Shad.

 

Sonderformen

 

1. Fransenschwanz:

 

Ziemlich neu auf dem deutschen Markt sind Gummifische, deren Schwanz aus einem Fransenbüschel besteht, das schon bei wenig Bewegung zu flattern anfängt. Dank ihres Spiels eignen sich Fransenschwänze sehr gut zum Vertikalangeln, Dropshotten und fürs Texas- bzw. Carolina-Rig. Beim Jiggen erzeugen die vielen kleinen Fäden offenbar ein intensives Rauschen. Dieses Geräusch ist für die Fische anscheinend sehr gut wahrnehmbar. Zusätzlicher Vorteil: Die Fransen spielen noch nach, wenn der Gummifisch den Boden erreicht hat. Insofern handelt es sich um einen hervorragenden Winterköder, den man extrem langsam über den Grund führen kann. Gerade am leichten Bleikopf oft ein Volltreffer. Auch in der Nacht sind Fransen-Shads oft die beste Wahl.

Köderbeispiele: Mann’s Okto Tail, Northland Slurpie, Skip Jack Minnow von Gene Larew.

 

2. Whale Tail:

 

Diese Gummis haben einen platten Schwanz, der waagerecht im Wasser liegt. Weil das an eine Walfischflosse erinnert, spricht man von „Whale Tails“. Wir unterscheiden kleine, fischflossenähnliche Ausprägungen und große, die an eine Biberkelle erinnern. Diese Flossenform kommt aus der Vertikal- und Dropshot-Angelei. Wenn der Fisch nach oben gezupft wird, verbiegt er sich durch den größeren Widerstand am Körperende stärker als ein Fischchen mit Gabel- oder Nadelschwanz. Beim Dropshotten stabilisiert diese Flossenform außerdem die Horizontallage des Köders und sorgt beim Anzupfen für mehr Druck als ein klassischer No-Action-Shad. Damit sind sie eine gute Wahl zum Dropshotten im Tiefen, im trüben Wasser, im Dunkeln oder in den Dämmerungsphasen.

Köderbeispiele: Jackson DS Wave Maker, Northland Jerk Shad, Mann’s Dragon Swim.

 

Der Körper

Während die Schwanzform über die Aktion entscheidet, ist die Körperform hauptsächlich verantwortlich für das Flugverhalten, den Wasserwiderstand sowie für die Wirkung auf die Fische.

Je mehr Volumen ein Köder hat, desto mehr Widerstand bietet er der Luft. Entsprechend kürzer fällt der Flug aus. Auch Flossen bzw. große Schwanzteller bremsen die Fahrt. Je schlanker und gleichförmiger ein Köder ist, desto besser fliegt er. Die schönsten Flugkurven ohne „Kreiseleinlagen“ erzielen dünne Gummiwürste, die es inzwischen auch mit Schaufelschwanz gibt (z.B. Berkley T-Tail-Minnow).

Das Gleiche gilt auch unter Wasser: Je schlanker ein Köder ist, desto schneller sinkt er ab. Ergo braucht er weniger Bleigewicht als eine gedrungene Form. In der Konsequenz kann er leichter eingesaugt werden. Auf der anderen Seite sinkt ein fetter Köder bei gleichem Bleigewicht langsamer ab und eignet sich so bestens dazu, das Flachwasser zu befischen.

Dicke „Flatschen“ werden allerdings leichter von der Strömung erfasst. Im Fluss sind daher eher Köder mit schlankem Profil zu empfehlen. Letztlich ist das Volumen des Gummifisches auch dafür verantwortlich, ob die Fische unser Angebot als fetten Happen oder kleinen Snack einordnen. Im Allgemeinen fressen Barsche und Zander sehr gern schlanke Fischchen, während man Hechten oft besser mit einem großvolumigen Köder gegenübertritt.

 

Der „Hollow Belly Swimbait“ überzeugt die Barsche. Die lange Schwanzwurzel sorgt für eine dezente Aktion.

 

Geräte-Check

 

 

Rute: Zum Angeln mit Gummifischen setze ich auf harte und schnelle Ruten wie die Abu Rocksweeper in 2,10 Meter, WG bis 25 Gramm für Barsch, Abu Fantasista Yabai in 2,50 Meter, WG bis 50 Gramm für Zander, Berkley Vertic Lure in 2,50 Meter, WG bis 90 Gramm für große Hechte.

Schnur: Geflochtene wie die 0,08er Stren Microfuse für Barsch, die 0,15er Fireline in Pink oder Flamegreen zum Zanderangeln, die 0,17er Fireline zum Hechtangeln.

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