Zackige DDR-Rollen: Blitz und Pfeil

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Die
Die "Blitz" Angelrolle mit der DDR-Patentnummer D.A.P. 5136.

Die Firma „Waffen-Moritz“ hatte nach dem 2. Weltkrieg ein Problem. Die russische Besatzungsmacht hatte dem traditionsreichen Büchsenmacher-Unternehmen anfangs untersagt, weiterhin Jagdwaffen zu produzieren.

Deshalb musste die Waffenschmiede auf die Herstellung von Angelgeräten ausweichen. Die bekannten Rollen „Blitz“ und „Pfeil“ waren das Ergebnis, hergestellt wurden sie in den frühen 1950er Jahren.

Waffen-Moritz wurde 1813 in Leipzig gegründet. Im DDR-Anglerkalender von 1956 und 1958 findet sich eine Anzeige der Firma mit Sitz in der Leipziger Reichsstraße 8. Die Firma stellte in dieser Zeit neben Angelgeräten („Spezialität gespließte Tonkin-Ruten“) auch wieder Jagdbüchsen und Wildfallen her. Auch in Chemnitz gab es einen Waffen-Moritz, aus dieser Stadt stammt auch der Erfinder.

Als Erfinder der Blitz-Rolle werden in den Patentschriften Martin Moritz aus Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) und Arno Zierold aus Niederwiesa in Sachsen genannt. Das Deutsche Ausschließungspatent (D.A.P.) 5136 wurde im Juli 1952 in der DDR angemeldet, auch in der BRD wurde im Februar 1956 das Patent erteilt. Die Patentansprüche beziehen sich auf den speziellen Außenanschlag des Bügels, der ohne Rückholfeder und komplizierten Mechanismus auskommt. Der aufgeklappte Bügel schlägt beim Drehen am Rollenfuß an und wird so umgeklappt, dadurch ist auch die ungewöhnliche Bauweise der Rolle bedingt.

Das Patent für die Pfeil-Rolle wurde von Zierold und Moritz für die BRD im Juli 1954 beantragt. Patentiert wurde die „gehäuselose Lagerung“, das Getriebe ist besonders materialsparend nicht am Rollengehäuse befestigt. Kurbel, Getriebe und Rotor bilden eine konstruktive Einheit, die eiförmige Glocke des Gehäuses wird nur darüber gestülpt! Arno Zierold war ein umtriebiger Erfinder, der zahlreiche Patente für Motorenbestandteile und mechanische Spielzeuge angemeldet hat, ja sogar für einen Reißverschluss und einen zusammenschiebbaren Taschenschirm. Eine Weitwurfangelrolle mit kuppelförmig aufgewölbter Spule, die er sich patentieren ließ, wurde offenbar nie verwirklicht. Die Schnurspule dieses Wunderdings war nicht flach, wie bei heutigen Stationärrollen. Sie hatte die Form eines hohen Zylinders mit aufgesetzter Kalotte, etwa so wie die Brunelleschi-Kupper des Doms von Florenz. So konnte die Schnur ohne Spulenrand ungehindert ablaufen, es waren aber auch Perücken vorprogrammiert.

Dass es sich bei Martin Moritz um den „Waffen-Moritz“ handelt, zeigen seine weiteren Patente: Mehrläufige Schreckschusspistolen, Abzüge für Waffen und Verbesserungen an Betäubungspistolen.

Wer weiß mehr über die Blitz und Pfeil? Infos an thomas.kalweit@paulparey.de

Blitz-Rolle
Die "Pfeil" Angelrolle. Auf der Spule steht "DAP - DBP ang.".
Pfeil-Rolle
Anzeige von Waffen-Moritz, aus dem DDR-Anglerkalender von 1956.

Anmerkung vom 22. Juli 2019:

Michael Schlecht schrieb per Mail: „Hallo Thomas, Moritz ist immer noch ein großes Fragezeichen. Für die Pfeil und für die Blitz gab es verschiedene Modifikationen, z.B. waren die Spulen mal in schwarz und dann wieder in diesem Rotbraun. Bei der Angelrolle Pfeil war die Kurbel, so wie in Deiner Abbildung abschraubbar, dann gab es eine Ausführung mit einer Kontermutter. Interessant sind auch die Pfeil Stationär Rollen Anfang der 60-ziger Jahre.“

Pfeil-Rolle mit flacher Kurbel und brauner Spule. Bild: Michael Schlecht
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