Verstehe einer den Hecht

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Hecht
Und sie mögen sie doch: Eine Schleie im Hecht-Schlund. Angeblich sollen die Räuber den „Arzt des Wassers“ verschmähen. Schleien-Schleim sagte man in früheren Jahrhunderten eine heilende Wirkung nach.

Der appetitlichste Köderfisch und die modernste Ausrüstung nützen nichts, wenn der Leckerbissen an Stellen angeboten wird, an denen nur alle drei Jahre ein Hecht vorbeikommt. Des Taylor kennt die Lebensweise des Räubers und erklärt, wann man ihn wo antrifft.

Der berühmte englische Angler Richard Walker führte seine Erfolge stets darauf zurück, sich in das Verhalten der Fische hineindenken zu können. Auch ich vertraue beim Angeln mehr meinen Kenntnissen als besonders aufwendigen Montagen und ausgefeilten Ködern. Welche Lebensumstände aber bestimmen das Verhalten des gefleckten Jägers?

Der Hecht steht in der Nahrungskette ganz oben und hat praktisch keine Feinde – außer noch größeren Artgenossen. Vor allem während der Laichzeit, wenn sich viele Exemplare in einem kleinen Bereich des Gewässers versammeln, kommt es zwischen den Rivalen häufiger zu Kämpfen.

Davon abgesehen hat der Hecht nicht viel zu fürchten. Und so benimmt er sich: selbstsicher und cool. Er frisst auch beileibe nicht zu jeder sich bietenden Gelegenheit. Im Gegenteil. Er kann es sich sogar leisten, tagelang zu fasten.

Doch auch in solchen Ruhephasen lässt er sich überlisten. Es ist wie bei uns Menschen, wenn wir das Abendessen schon längst hinter uns haben, aber plötzlich eine Praline vor uns entdecken. Genauso frisst ein an sich satter Hecht einen Köderfisch, wenn er ihm unverhofft, aber verführerisch genug vor der Nase serviert wird.

Futterfischen auf der Spur

Wenn sich der Hecht an irgend etwas orientiert dann zu aller erst am Verhalten seiner Beute. Ein Beispiel: Sind in einem Gewässer Rotaugen die häufigsten Futterfische so muß der Angler zunächst deren Standplätze ausfindig machen; denn die großen Räuber stehen bestimmt ganz in der Nähe.

Wie die meisten anderen Cypriniden halten sich die Plötzen vorwiegend dort auf wo am Boden reichlich Futterorganismen wie Zuckmückenlarven vorkommen. Angler die solche Plätze an ihrem Gewässer noch nicht kennen können die Einstände der Futterfische anhand folgender verräterischer Anzeichen orten:

Bei Dunkelheit oder Dämmerung zeigen sich Kleinfische häufig an der Oberfläche. An diesen Stellen stehen sie meist auch tagsüber nur eben ein bis zwei Etagen tiefer.

Fischfressende Vögel weisen oft den Weg: Tauchen sie längere Zeit ist dort nicht viel zu holen. Erscheinen sie jedoch sofort wieder mit einem Silberling im Schnabel an der Oberfläche ist der Platz vielversprechend.

Weißfischangler liefern weitere Hinweise da sie meist die besten Einstände der Futterfische kennen und die Schuppenträger durch Anfüttern an die Plätze binden. Wo häufiger Stipper sitzen lohnt also auch ein Hechtangelversuch.

Verstecke wie Brücken Stege Scharkanten Schilfgürtel oder versunkene Bäume bieten Kleinfischen Schutz. Solche Strukturen steuern die Hechte bei der Futtersuche an.

Schwieriger ist die Hechtpirsch dann wenn die vorherrschende Beutefischart häufig den Standort wechselt: Handelt es sich beispielsweise um Maränen und ziehen diese im Freiwasser eines Sees umher so legen die Jäger ebenfalls lange Strecken zurück um den Kontakt zu den Schwärmen zu halten. Dann muß auch der Angler weite Gebiete absuchen.

Das Hechtjahr im Überblick

Neben den Beutefischen hat die Jahreszeit großen Einfluss auf das Verhalten von Meister Esox: Im Sommer ist Bewegung angesagt weil die Futterfische dann überwiegend im flachen Wasser in Tiefen von nur einem halben Meter umherwandern und der Räuber ihnen ständig hinterherschwimmen muß.

Diese Jagdaktivität verbraucht viel Energie; Futter ist daher reichlich und regelmäßig erforderlich. So kann es sich durchaus lohnen im Sommer beim beliebten Friedfischangeln immer auch eine Rute mit einem toten Köderfisch auszulegen. Ein umherstreifender Esox wird ihn schon finden.

Ab September ändert sich das Hechtverhalten. Mit sinkenden Wassertemperaturen ziehen die Futterfische ins Tiefere und die „Räuber mit dem Entenschnabel“ folgen ihnen. Dann stehen sie in deren Nähe meist knapp über dem Grund – die überwiegende Zeit scheinbar träge ohne dass irgend etwas passiert. Plötzlich jedoch jagen die Hechte die Friedfische für einige Minuten wie wild so als hätte jemand einen Schalter umgelegt. Bis zum nächsten Fressrausch herrscht dann wieder Ruhe.

Die Räuber lauern solange an dieser Stelle bis sich die Beutefische einen anderen Platz suchen. Daher muß der Angler den Köder während des Herbstes und bis in den Winter hinein genau an vermuteten Einständen platzieren. Bleiben an einer bestimmten Stelle Bisse aus wird dies wohl auch in den nächsten Tagen so bleiben.

Nach Weihnachten bereitet sich Esox auf das Laichgeschäft vor. Er steht im Januar und Februar zwar noch im tiefen Wasser jedoch schon viel näher an den Laichgebieten. Finden Sie jetzt die Kanten an denen das Flachwasser rasch auf zwei bis drei Meter Tiefe abfällt. Genau unterhalb dieser Abhänge lauern nun die hungrigen Gesellen.

Im März und April schwimmen die Hechte dann ins Flache. Einerseits um zu laichen andererseits um den Futterfischen zu folgen die sich dort in der Frühjahrssonne wärmen wollen.

Überall dort wo der Hecht keine Schonzeit genießt sind in der Zeit um Ostern verkrautete Flachwasserzonen und überflutete Wiesen die heißesten Angelplätze. Letztere gibt es im Frühjahr reichlich weil es die Zeit im Jahr mit den höchsten Wasserständen ist.

Der Angler fängt seine Hechte nun an Stellen die im Sommer trocken liegen. Ist eine Lücke im Kraut nicht mehr ohne weiteres anzuwerfen waten Sie doch einfach ins flache Wasser hinaus legen den Köder per Hand ab und gehen dann mit offenem Rollenbügel zum Ufer zurück.

Nach der Laichzeit ziehen die Hechte weiter zu ihren Sommer-Standplätzen und der Zyklus beginnt von vorn.

Hechte fressen gerne mittags

Zu welcher Tageszeit fressen die Hechte? In den Jahren meiner Angelpraxis haben sich folgende Erfahrungswerte herauskristallisiert:

11 bis 14 Uhr ist an fast allen Gewässern die sicherste Zeit.

Das erste Tageslicht ist mancherorts zusätzlich einen Versuch wert.

Den späten Nachmittag und die Abenddämmerung können Sie getrost vergessen; es sei denn daß an dem Gewässer tagsüber zu viel Trubel herrscht viele Angler Badegäste oder ein starker Bootsverkehr.

Bei Nacht fressen Hechte überall dort , wo Angler regelmäßig am Ende des Tages ihre übriggebliebenen Köderfische ins Wasser werfen.

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