System „Schmidt“

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Schmidt-Systeme wurden aufgenäht auf Karte mit einem Infoblatt verkauft.

Entwickelt von Feinmechaniker K. Schmidt aus Hamburg-Harburg war es in den 1930er eines der erfolgreichsten Spinnsysteme für den toten Köderfisch überhaupt.

Damals wurden in Einmachgläschen in Formalin eingelegte Köderfische populär, die der Angler jederzeit zur Hand hatte. Die Köfis wurden daheim selbst konserviert, in einer alchemistisch anmutenden Prozedur. Vor dem Einlegen wurde den Köderfischen ein Draht durch den Körper gesteckt, um sie in der gewünschten, leicht gebogenen Form zu halten. Dann kam 50g Formalin aus der Apotheke auf 1l Wasser. Formalin ist eine Mischung aus dem Konservierungsmittel Formaldehyd mit Wasser und Alkohol. Die Lösung ist nicht ganz ohne, sie ist durchaus giftig und krebserregend. Die Fische hat der typische stechende Geruch anscheinend nicht gestört, den wir heute noch von Spanplatten oder Billigklamotten aus Fernost kennen.

Durch die Formalinbehandlung wurden die Köderfische zäher und hielten weitaus länger am System. Auf der Rückseite des Infozettels erklärt Schmidt genau, wie die geeigneten Formalinfische konserviert werden müssen. Schmidt ließ sich sein Spinnsystem patentieren, in der Werbung lobt der Erfinder die außerordentliche Fängigkeit.

Wer weiß mehr? Infos an thomas.kalweit@paulparey.de

Mit Formalinfisch und Schmidtsystem waren offenbar Massenfänge möglich. Aus Der Deutsche Sportangler, November 1937.
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