Oder: Satellitendaten bestätigen massive Algenblüte

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Satellitenbilder zeigen eine starke Algenblüte in der Oder zur Zeit des Fischsterbens. Bild: Brockmann Consult /IGB

Für die Oder lässt sich mit Satellitendaten eine massive Algenblüte nachweisen.

Experten von Brockmann Consult (Unternehmen für Umweltdatenanalyse und -software aus Hamburg) haben in enger Abstimmung mit dem Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) und der AG Modellierungsverfahren in der Fernerkundung der Universität Leipzig die Roh-Satellitendaten des europäischen Copernicus Satelliten Sentinel 2 prozessiert und daraus Chlorophyll-Konzentrationen, die als Anzeiger für die Algenblüte dienen, berechnet.

Der Satellit Sentinel 2 trägt einen optischen Sensor, mit dem man die Wasserfarbe bestimmen und daraus ableiten kann, welche farbgebenden Substanzen sich im Wasser befinden. Farbgebende Pigmente wie z.B. das Chlorophyll in Algen verändern das einfallende Sonnenlicht, der Sensor im Satelliten kann diese Veränderung im Licht erfassen. So können auch ungewöhnlich hohe Konzentrationen von Algen nachgewiesen werden.

Sprunghafter Anstieg der Chlorophyll-Konzentration bei Breslau

In dieser ersten Analyse wurden drei ausgewählte Zeiträume untersucht. Die Grafik zeigt drei Profile der Chlorophyll-Konzentrationen in der Oder Ende Juli, Anfang August und Mitte August. Die gelbliche Färbung zeigt dabei die besonders hohen Chlorophyllkonzentrationen an. Ende Juli ist die Konzentration des gesamten Flusslaufes auf einem mittleren Niveau, mit leichter Erhöhung im südlichen Flussabschnitt um die Stadt Opode. Anfang August erkennt man einen sprunghaften Anstieg der Chlorophyll-Konzentration auf der Höhe von Breslau (Wroclaw). 10 bis 12 Tage später hat sich die Algenblüte wie eine Welle weiter flussabwärts verlagert und auf einen größeren Bereich der Oder ausgedehnt.

Die Satellitendaten haben großes Potenzial, zur weiteren Aufklärung der Oder-Katastrophe beizutragen. Die neuen Ergebnisse helfen, die anhaltende toxische Prymnesium-Algenblüte besser zu verstehen und ihren Ursprung räumlich und zeitlich einzugrenzen. Dafür werden gewässerökologische Messdaten und Wasserproben mit den Satellitendaten, die auch aus der Zeit des Beginns der Umweltkatastrophe vorliegen, kombiniert. In den nächsten Wochen sollen diese Analysen fortgesetzt werden.

-Pressemitteilung IGB-

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