Norderney

6154


Norderney
Für die Seele: Norderney bietet viel – auch solche schönen Sonnenuntergänge. Bild: Kati Kathmann
  • Anschrift:

    Norderney

  • Ansprechpartner:

    AG Reederei Norden-Frisia
    Bülowallee 2, 26548 Norderney
    Telefon: 04931/987-0
    Internet: www.reederei-frisia.de

  • Natur und Party, Platten und Wolfsbarsche – Nörderneei, wie die Insel auf Plattdüütsch genannt wird, bietet das volle Programm. Von KATI KATHMANN

  • Seit vielen Jahren zieht es mich immer wieder auf die zweitgrößte ostfriesische Insel. Der Grund, aus dem ich und viele andere Touristen so vernarrt in „Ney“ sind: Auf der einen Seite findet man Natur, Ruhe und Inselromantik pur, auf der anderen tobt das pralle Party-Leben!

    Bei meinem Besuch Ende Juli 2011 habe ich zum ersten Mal eine Angelrute im Gepäck, da ich endlich einmal den Wolfsbarschen nachstellen will. Weil das Meer für mich als Kontinental-Europäer ein ziemlich unbeackertes Feld ist, habe ich mir zuvor Unterstützung durch ein paar nette Insulaner gesichert. Stephan und Wolfgang nehmen mich herzlich in Empfang, und schon wenig später geht es zum Nordstrand. Leider ist das Wetter seit gut drei Wochen unterirdisch schlecht. Das wirkt sich natürlich auch auf die Fänge aus, die ebenso mies ausgefallen sind, wird mir erzählt.

    Erst einmal graben wir nach Wattwürmern, und nach kürzester Zeit ist der Eimer voll. Danach verpassen mir meine „Guides“ bei krachender Brandung einen Crash-Kurs und erzählen von den Fischarten, die man hier fangen kann. Früher waren Aal, Flunder und Scholle die Hauptbeute der Brandungsangler. Erstere sind jedoch sehr selten geworden. Gleiches gilt für Aalmuttern (Putaale). Flundern treten häufiger auf als Schollen, Letztere sind neuesten Meldungen nach aber wieder schwer im Kommen. Gelegentlich erwischt man einen Knurrhahn, einen kleinen Dorsch, eine Seezunge. Meeräschen, auch in kapitalen Größen, habe ich mehrmals gesehen. Gezielt beangelt werden sie kaum. Kutter, die zum Makrelenangeln raus fahren, gibt es leider seit einigen Jahren nicht mehr.

    Petri, Stephan: 1,7 Kilogramm und 58 Zentimeter. Da macht das Woba-Angeln Spaß. Bild: K. Kathmann

    Vor rund 20 Jahren gingen die ersten Wolfsbarsche an den Haken. Bis dato kannte hier niemand diesen Fisch. „Da mussten wir erst mal im Lexikon nachschauen, was das für einer ist“, so Stephan. Heute hat der Wolf nach dem Butt (Flunder) und der Scholle (ebenfalls oft als Butt bezeichnet) Platz 3 auf der Beutefischliste erklommen.

    „Man erwischt bei dieser Art aber eher die Kleineren“, sagt Stephan, „fangen kann man eigentlich bei jeder Tide, wir gehen am liebsten vier Stunden vor bis zwei Stunden nach Hochwasser angeln.“ Ideal ist es, wenn der Köder in einem ‚Priel‘ auf Beute wartet. Priele sind natürliche Wasserläufe im Watt, vereinfacht gesagt, Rinnen. Diese zu erkennen und erst recht sie gezielt anzuwerfen, erfordert aber viel Erfahrung.

    Dass Brandungsangeln kein Ansitzen im eigentlichen Sinne ist, wird mir erst jetzt klar. Ständig werden die Ruten neu beködert und ausgeworfen, ständig folgt man inklusive sämtlicher Ausrüstung dem auf- oder ablaufenden Wasser, um keine Wurfweite zu verschenken oder nicht im Meer zu stehen. Leider ist das Wetter alles andere als ideal, starker Wind und die dadurch bedingte starke Brandung und Strömung lassen auch schwerste Montagen abdriften. Am Ende erwischen wir nur eine Platte, zwei bessere Fische gehen bei der Landung verloren. Meine Insulaner sind sich sicher, dass das Wolfsbarsche waren.

    » Es scheinen jedoch jedes Jahr mehr Wolfsbarsche zu werden. «

     

    Gefischt wird auf diese Art von April bis Oktober. Grundsätzlich geeignet sind alle Strände, der Nordstrand und die ‚weiße Dünung’ sind am beliebtesten. Die heimischen Angler nutzen 100 bis 150 Gramm schwere Krallen- oder Sargbleie, normale Brandungsruten, 40er- bis 50er-Schnur oder etwas dünnere mit entsprechender Schlagschnur, Haken der Größen 1 bis 2. Köder ist eigentlich immer der Wattwurm, manchmal auch Seeringelwürmer. „Muscheln, Garnelen, Fischfetzen und ähnliches haben wir alles ausprobiert, sie bringen nicht annähernd so viel Fisch“, meint Stephan.

    Spinnfischen hingegen ist recht neues Spiel auf der Insel, bei dem ich am nächsten Tag mitmachen will. Posenangeln, in Frankreich mittlerweile alltäglich, wird hier kaum betrieben. Gleiches gilt für das Nachtangeln, das in anderen Ländern recht erfolgreich sein soll.

    „Vor einigen Jahren gingen wir kaum noch angeln, weil unser beliebtester Fisch, der Aal, nur noch selten gefangen wurde“, erzählt Stephan. „Eines Tages saßen wir bei einem Bier zusammen und sahen einen Touristen, der mit Kunstködern von einer Buhne aus fischte. Den haben wir ausgelacht! Das verging uns aber schnell, als er mit mehreren Wolfsbarschen zurückkam. Seitdem sind wir heiß aufs ‚wobbeln‘, wie wir das hier nennen.“

    Spinnfischen auf der Westbuhne: Stephan (l.) und der Autor mühen sich redlich … Bild: K. Kathmann

    Stephan und ich fischen bei ablaufendem Wasser von einer Buhne am Weststrand. Mitten unter den Badegästen, bei stündlich milder werdendem Wetter. Viele Strandurlauber besuchen uns auf der Buhne, stellen interessiert Fragen. Die Kinder geben uns viele Ratschläge, wie wir es besser machen sollten.

    Prinzipiell benötigt man dieselbe Ausrüstung wie zum Meerforellenfischen. Der eine schwört auf schlanke Blinker als Köder, der andere auf Gummi. Man fängt nicht jeden Tag, dafür an manchen Tagen durchaus mehrere Wolfsbarsche. Gefischt wird mit weiten Würfen rund um den Buhnenkopf. Die Barsche jagen in kleinen Schwärmen in den sich kreuzenden Strömungen und beißen zu dieser Zeit auf recht schnell geführte, helle, schlanke Köder am besten. Fangzeit ist hierbei Juni bis August, wobei der Juli bisher als der beste Monat angesehen wurde. 2011 ist alles anders. Durch den verhagelten Sommer wurden bisher kaum Fische erbeutet. Es scheinen jedoch jedes Jahr mehr Wolfsbarsche zu werden. Ab und an gibt es bei dieser Art von Fischerei übrigens Hornhechte als Beifang.

    Während man beim Brandungsangeln Kilometergeld bekommen möchte, marschiert man beim Spinnfischen nur einige Meter bis zum Ende des Buhnenkopfes; man angelt quasi stationär. Auf dem Buhnenkopf nebenan steht ein älterer Herr mit freiem Oberkörper. Kurt aus Essen. „König Kurt“ nennen ihn einige, denn er ist der zuvor genannte Tourist, der hier alle mit dem Wolfsbarschfieber angesteckt hat. Er kommt seit den 50er-Jahren nach Norderney und zählt schon fast zu den Insulanern. Wir schauen ihm etwas zu. Und wie es sich gehört, erwischt er nach kurzer Zeit einen 42-Zentimeter-Wolf auf Twister. Obwohl Stephan und ich Wurf um Wurf rauspeitschen, erhalten wir leider keinen Biss. König Kurt ist eben König Kurt.

    Kurz & knapp

     

    Fangaussichten: Mit etwas Ausdauer hat man gute Chancen auf Wolfsbarsche. Im Sommer beim Spinnfischen, die Saison in der Brandung ist etwas länger. Butt und Dorsch gehen immer wieder an den Haken.

    Schwierigkeitsgrad: Mittel. Die Plätze findet man leicht. Achtung: Tidezeiten im Auge behalten. Beim Brandungsangeln muss man die Priele treffen, was nicht so einfach ist.

    Naturerlebnis: Salzige Brise, schöne Strände, Nordsee-Feeling vom Allerfeinsten (solange nicht zuviele Urlauber da sind). Und wenn man genug Natur inhaliert hat, stürzt man sich einfach ins Partyleben. Empfohlene Methode für einen Kurzbesuch: Spinnfischen auf Wolfsbarsch.

    Gewässer-Check

     

    Allgemeine Informationen: Norderney gehört zum Landkreis Aurich, Bundesland Niedersachsen. 85 Prozent der zirka 26 Quadratkilometer Inselfläche gehören zum Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Die von touristischer Infrastruktur geprägte Stadt Norderney umfasst die gesamte Insel. Während nur 6.000 Einwohner als echte Insulaner gelten, wächst die Bevölkerungszahl in der Saison durch Saisonarbeitskräfte, Tages- und Feriengäste auf über 30.000 Menschen an. Sind es im Sommer überwiegend Familien, die die Insel besuchen, ist sie an den Herbstwochenenden einer der heißesten Party- Orte Deutschlands.

    Mindestmaße: Mindestmaße regelt die Niedersächsische Küstenfischereiordnung (NKüFischO) und die EU-Verordnung 850/98 (Anhang XII, letzte akt. Novellierung 17.1.2006). Die für Norderney wichtigsten Maße: Aal: 35 cm (Blankaal: 28 cm), Butt: 20 cm (Stein- & Glattbutt: 30 cm), Hering: 20 cm, Kabeljau: 35 cm, Meeräsche: 40 cm, Scholle: 27 cm, Seebarsch/Wolfsbarsch: 36 cm, Seezunge: 24 cm. Die genannten Arten haben keine Schonzeiten.

    Bestimmungen: Es ist kein Fischereischein und keine Lizenz erforderlich. Zum Angeln genügt der Personalausweis.

    Sicherheit: Das Fischen von den Buhnen aus ist nicht ungefährlich, da die Steine sehr rutschig sind. Achten Sie auf sicheres Schuhwerk. Sollten Sie an unbelebten Stränden von Buhnen angeln, betreten Sie diese nicht allein, schon gar nicht in der Dunkelheit.

    Unterkünfte, Veranstaltungen & Infos: Staatsbad Norderney GmbH, Am Kurplatz 3, 26548 Norderney, Tel. 04932 /891-0, www.norderney.de

    Anreise & Schiffsfahrplan: Überfahrt von 26506 Norden-Norddeich, Parkmöglichkeiten in mehreren Groß-Parkanlagen und -Garagen (Tunnelstraße, Badestraße), Überfahrt mit Pkw möglich. Anreisenden per Bahn ist zu empfehlen, eine bis Norderney durchgehende Bahnkarte (inklusive Schiffsstrecke) zu buchen.

    Infos, Preise, Schiffsfahrplan, etc.: AG Reederei Norden-Frisia, Bülowallee 2, 26548 Norderney, 04931/987-0, www.reederei-frisia.de

Abo Fisch&Fang