Moor-Zander

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Zander
Schöner Stachelritter vom Ufer aus gefangen. Gerade Abends ziehen die Zander ins Flache.

Kammschupper fühlen sich in Torfstichen ausgesprochen wohl. Kein Wunder, bieten ihnen verbuttete Kleinfischbestände, geringe Nahrungskonkurrenz und angetrübtes Wasser doch gute Voraussetzungen für ein angenehmes Leben. PIM BUSKER verrät die besten Angelplätze und Methoden für diesen Gewässertyp.

By Pim Busker

Mit einem seitlichen Schlenzer fliegt mein toter Köderfisch hinaus. Er trifft auf das dunkle Wasser, sinkt ab, und kurz darauf steht das Segel der Pose im Wind. Das kleine Rotauge geht knapp über Grund auf die Reise, den hungrigen Moorseezandern entgegen…

Gedankenverloren starre ich auf den Schwimmer. In meinem Kopf spukt noch der Bericht aus einer Lokalzeitung, in dem über einen gewissen Herrn Bothof berichtet wurde. Der Spezi erbeutete in dem Torfstich, den ich gerade befische, zwei Zander in Längen von 106 und 102 Zentimetern. Seither leide ich unter „Moorsee-Fieber“, dessen Symptome sich noch steigern sollten: Bei einer Erkundungstour per Drahtesel kehrte ich nämlich in ein hiesiges Restaurant ein, und beim Zahlen sah ein riesiger, präparierter Zanderkopf aus diesem See auf mich herab. 20 Pfund hatte der Räuber auf die Waage gebracht!

Die ersten Angelversuche mit dem Twister verliefen jedoch durchwachsen. Ab und zu vergriff sich lediglich ein „Kammschupper-Knabe“ an meinem Köder. Was mache ich bloß falsch, fragte ich mich, denn die dicken Brocken gab es hier zweifellos.

Inzwischen habe ich den „Zander-Dreh“ aber ziemlich raus und lernte – sowohl was die Methoden als auch die Standplatzwahl betrifft – aus meinen Fehlern. Zum einen fischte ich an den Räubern vorbei, und zum anderen erwiesen sich Köderfische als wesentlich fängiger.

Vertiefungen voller Zander

Beginnen wir mit der Standplatzsuche. Der Blick für das Detail ist ein Schlüssel zum Erfolg. Es gibt hier nämlich meist keine großen Kanten, Berge oder Abbrüche wie in vielen anderen Stillgewässern, wohl aber „Zander-Magneten im Miniaturformat“, die leicht übersehen werden können. Bereits kleine Unebenheiten in der Boden- oder Uferstruktur weisen auf „Zander-Wohnungen“ hin. Eine kleine Vertiefung von nur 30 oder 40 Zentimetern und etwa einem Meter Durchmesser reicht schon als Wohnzimmer für mehrere große Stachelritter aus. Wer eine solche Stelle übersieht, hat leicht das Nachsehen und bleibt Schneider. Ich habe im Laufe der Zeit diese kleinen Löcher mit einem Lotblei gefunden und in eine Gewässerkarte eingetragen.

Weiterhin sind da noch die typischen Inseln, die so oft den Charakter eines Moorsees bestimmen. Gerade um die Eilande herum werden Kammschupper gefangen und nicht selten auch richtige Riesen.

Auf Schilf und Astwerk achten

Besonderes Augenmerk widme ich dem Verlauf der Uferzonen. Breite Schilfgürtel, die zum Wasser hin dünner werden, sind vor allem im Frühjahr interessant. Ausgehöhlte Ufer mit versunkenem Astwerk können abends Zander magnetisch anziehen, weil hier die Kleinfische Ruheplätze und Nahrung finden.

So lernte ich Schritt für Schritt die Eigenarten eines Moorgewässers kennen und schätzen. Das Wasser ist in diesen Gewässern nicht sehr nährstoffreich, und die Friedfische wachsen schlecht, weshalb die Bestände oft verbutten und es eine Unmenge kleinerer Fische gibt. Aufgrund der schlechten Sichtigkeit kommen hier nur relativ wenige Hechte vor. Doch für den Zander ist es paradiesisch: Kaum Konkurrenz, wenig Lichteinfall in Grundnähe und Futterfische in der richtigen Größe zuhauf.

Zudem fördert auch die typische Morphologie dieser Moorseen das schnelle Wachstum unserer Zielfische. Weil die Seen nämlich oft relativ flach sind, erwärmt sich das Wasser im Frühjahr sehr rasch. Dadurch sind die Flossenträger eher aktiv als ihre Artgenossen der tiefen Seen. Die jährliche Wachstumsphase ist dadurch besonders lang, und die glasäugigen Räuber können im dunklen Wasser zu richtigen Kaventsmännern heranwachsen.

Ein Segel setzen

Die kleineren Moorseen zwischen zwei und zehn Hektar sind wie geschaffen für das Driftangeln vom Ufer mit der Segelpose. Dazu montiere ich unter dem Schwimmer ein paar Bleischrote oder eine Bleiolive und fische so leicht wie möglich.

Aus waidmännischen Gründen benutze ich zur Anköderung ein kleines System statt eines Einzel- oder Zwillinghakens, damit ich sofort nach dem Anbiss anschlagen kann und den Zander fast immer vorn im Maul hake.

Mein System ist äußerst einfach. Es besteht aus einem Einzelhaken, der durch den Ober- und Unterkiefer des Köderfisches geführt wird, und einem kleinen Drilling der Größe acht. Da ich kaum mit Hechten rechnen muß und sich die Stachelritter leicht am Stahlvorfach stören, verwende ich für das System 0,30 Millimeter starkes Monofil. Der Lippenhaken wird mittels eines auf der Schnur frei gleitenden Stückchens Silikonschlauch aufgezogen, so dass ich variabel bin und mein System der Größe der Köderfische ruck, zuck anpassen kann.

Schleppend zum Erfolg

Hin und wieder „sticht mich der Hafer“, und ich lege mich schleppenderweise mit dem Ruderboot auf den größeren Torfstichen meiner Heimat, den sogenannten „Plassen“, gezielt mit den Kapitalen an. Dann setze ich tote Köderfische von 20 Zentimetern sowie Kunstköder von etwa 15 Zentimetern Länge ein.

So fange ich fast keine kleinen Zandern mehr. Zwar vergehen oft viele Stunden oder mitunter gar Tage, bevor die Rutenspitze ausschlägt, doch dann hat fast immer ein großer Kammschupper den Köder genommen.

Für das Schleppen mit Köderfischen verwende ich eine 3,60 Meter lange, leichte Karpfenrute mit einer Testkurve von 1 lb, die mit einer Multi bestückt ist und Dyneema-Schnur mit einer Tragkraft von etwa 10 lb. Die Pose kann aufgrund der geringen Gewässertiefe fest montiert werden. Ein Blei von sieben bis zehn Gramm genügt, um den toten Köderfisch am bereits vorgestellten System in Bodennähe zu halten.

Foto: Verfasser

Abo Fisch&Fang