Lachs-Boom in der Ostsee

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Lachs-Boom

Wer selbst einmal einen kapitalen Salm landen möchte, hat derzeit beim Schleppangeln auf der Ostsee die allerbesten Chancen. Noch nie fingen Angler dort so viele Groß-Lachse wie im vergangenen Jahr.

By Mike Luner

Zahlreiche Besatzprogramme (beispielsweise vor Bornholm und Møn) sind dafür verantwortlich, dass sich in der Ostsee ein prächtiger Lachsbestand tummelt. Fischereibiologen allerdings sind darüber gar nicht so glücklich, da die gezüchteten Lachse mit den wilden Vettern im Meer um Futter und später in den Flüssen um Laichplätze konkurrieren.

Doch deren Leid ist unser Freud: Noch nie war es so lohnend, den Lachsen in der Ostsee nachzustellen. Abhängig von Jahreszeit und Revier dauert es im Schnitt zwar zwei bis fünf Schlepptage, bis ein Groß-Lachs beißt; das Gewicht der Beute liegt dann aber häufig über zehn Kilogramm und belohnt so reichlich die Ausdauer.

Angler, die es in Flüssen versuchen, müssen für vergleichbare Kaliber Wochen, wenn nicht gar Monate oder Jahre ihres Anglerlebens investieren. Ohne Frage hat der „Troller“ bessere Chancen, einen Kapitalen zu fangen.

Einsteiger sollten ihre Ziele aber nicht gleich zu hoch stecken. Ein guter Lachs pro Woche ist ein hervorragendes Ergebnis. Genau wie beim Fliegen- oder Spinnfischer im Fluss müssen dafür Einsatz, Ausdauer, Geschick, Wetter und die nötige Portion Glück zusammenkommen.

Grundvoraussetzung ist eine entsprechende Ausrüstung, allem voran ein Boot. Werden Fanggründe wie vor Simrishamn oder Bornholm befischt, die weit vor der Küste liegen, so muß es hochseetauglich sein. Die bevorzugte Angelart in diesen Gebieten ist das Tiefenschleppen mit schweren Paravanen und Downriggern. Wird in küstennäheren Gebieten – beispielsweise vor Karlshamn – gefischt, hat man bereits mit kleineren Booten, leichteren Downriggern oder auch einer Oberflächen-Schleppausrüstung gute Erfolgsaussichten.

Mit 50 Sachen auf und davon

Das Angelgerät muß hundertprozentig auf den Lachs abgestimmt sein: Dieser Fisch ist ein ausdauernder, unberechenbarer Kämpfer. Nach dem Anbiss rast der Räuber im Handumdrehen mit 50 Sachen auf und davon. Entsprechend groß sind die Belastungen fürs Material. Multirollen, die 200 bis 300 Meter 0,40er monofile Angelschnur fassen und über gute Bremsen verfügen, sowie Downrigger-Ruten mit der Klassifizierung 12-20 lb sind die einzig richtige Wahl.

Besonders genau sollte man die Kleinteile auswählen: Bei Drillingen, Sprengringen, Wirbeln, Haupt- und Vorfachschnüren (0,40er beziehungsweise 0,50 bis 0,60 Millimeter für die Vorfächer) muß es schon beste Qualität sein. Nichts ist frustrierender, endlich einen Biss zu bekommen, den Fisch aber postwendend zu verlieren, weil ein Teil der Montage dem Zug nachgegeben hat. In Sachen Kescher kaufen Sie am besten den größten, den Sie bekommen können, und zwar einen mit Metallrohr-Rahmen und grobem Netz.

Zugegeben, diese Empfehlungen hören sich nicht gerade nach einer kostengünstigen Alternative zu einem Lachsfilet aus dem Supermarkt an, aber ein Boot für 50.000 Mark muß es nicht gleich sein. Ein gebrauchtes mit einer Grundausrüstung ist schon für 10.000 bis 20.000 Mark zu haben. Wer sich zunächst an heimischen Küsten auf Meerforellen versuchen will, kommt sogar mit noch weniger Investitionen aus.

Für Einsteiger bietet es sich zudem an, einmal bei einem Charter-Anbieter oder erfahrenen Schleppangler mitzufahren. Falls die Sache nämlich keinen Spaß macht, muß man sich nicht über eine hohe Fehlinvestition ärgern.

Durch die besonderen Bedingungen auf See, wo Hilfsbereitschaft und Kameradschaft lebensrettend sein können, findet man unter Schleppanglern durchweg umgängliche Typen. Das gegenseitige Helfen beim Slippen sowie der Austausch von Tips und Informationen über das Fanggebiet machen schon das Drumherum zum aufregenden Erlebnis. Also nur Mut, versuchen Sie Ihr Glück!

Foto: Verfasser

Abo Fisch&Fang