Hanfboilies: Und das nicht nur zur Winterszeit

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Ein Prachtkerl auf Hanf
Ein Prachtkerl von Karpfen – dank der duftenden Hanfboilies.
Pnierte Boilies
Fertig zum Flug: Die aufgetauten Boilies- unmittelbar vor dem Einsatz noch einmal mit Hanfmehl paniert.

Es liegt was in der Luft, wenn MARTIN WEISBRODT zum Kochtopf greift – sozusagen feine Küche. Doch die Gaumenfreuden sind nicht für den menschlichen Genuß bestimmt. Es wird für Karpfen angerichtet: Hanfboilies.

By Martin Weisbrodt

Verschneite Hafenbecken, lange Stippruten, silbrig glänzende Rotaugen am Haken – gefangen mit Hilfe des verführerischen Hanf: Ein Bild, das für viele Angler in sich stimmig ist. Aber der duftende heimische Rohstoff kann mehr, als nur Rotaugen im Winter überlisten.

Im Sommer wird dieser Köder bisher kaum beachtet. Leider, denn so verschenkt man hervorragende Angelmöglichkeiten auch auf andere Schuppenträger. Ich meine damit beispielsweise keinen geringeren als Mister Cyprinus carpio, den König unserer heimischen Friedfische.

Nun werden Sie vielleicht sagen, es sei völlig unmöglich, mit Hanf gezielt auf Karpfen zu angeln – allein schon wegen der vielen anderen Weißfische. Und in der Tat gibt es mit „Hanfkorn pur“ an der Angelstelle Probleme. Denn allzu verführerisch wirkt dieser Duft auf die „Weißlinge“. Die Binsenweisheit, wonach viele Rotaugen irgendwann auch den Urgroßkarpfen an den Futterplatz locken, ist da nur ein schwacher Trost.

Frisch zum Fisch

Was aber liegt näher als die „duften“ Eigenschaften von Hanf mit den Vorteilen der Boilies zu kombinieren? Die Gründe liegen auf der Hand: Erstens werden etwa 90 Prozent aller kapitalen Karpfen mit den harten Kugeln gefangen. Und zweitens können die kleinen Weißen sie nicht knacken. Kurz gesagt: her mit den „Hanfboilies“.

Bis heute habe ich viele verschiedene Rezepturen aus-probiert. Mit dem Ergebnis dass einfache ebenso taugen wie komplizierte.

Aber wie auch in der guten Küche kommt es auf große Frische der Zutaten an. Und darauf dass sie schnell verarbeitet werden. Naturgemäß erfüllen Fertigboilies diese Qualitätsanforderungen nach längerer Lagerung nicht. Also stelle ich mich lieber selbst in die Küche und koche den Karpfen Bolies a` la Hanf.

Neben Kanarienvogelfutter Milchpulver Grieß sowie Mais- und Sojamehl ist feingemahlener Hanf die Grundlage meiner Mischung siehe Rezept. Diese wichtigste Zutat wird besonders sorgfältig behandelt: Zunächst werden die Hanfkörner 20 Stunden in Wasser eingelegt. Dann koche ich sie etwa zehn Minuten auf großer Flamme und zermahle den Hanf anschließend in einer kleinen Elektromühle zu einem feinkörnigen Brei. Alles ist auf dem richtigen Weg wenn von der Masse ein sehr intensiver Duft ausgeht. Sie wird dann zusammen mit den übrigen Beigaben zum Boilie-Teig geknetet. Daraus forme ich dann die fängigen Kugeln – mit etwa 20 Millimeter Durchmesser zum Angeln und kleineren Maßen zum Anfüttern.

Kurzes Kochen

Die Kochzeit der runden Köder beträgt ungefähr zwei Minuten; Flavours füge ich dabei nicht hinzu. Anschließend werden die Boilies getrocknet und zum Einfrieren in Plastikbeutel verpackt. Dabei füge ich einige Milliliter Lockstoff hinzu. Eine Überdosierung ist so ausgeschlossen. Ein weiterer Vorteil: Erst wenn wir die Köder brauchen also während des Auftauens dringt der Aroma-Träger in die Außenhaut der Boilies. Er wird dann im Wasser schnell und wirkungsvoll abgegeben.

Bevor ich die Kugeln einwerfe werden sie noch in Hanfmehl gewälzt. Es ist in fast jedem Angelgeschäft erhältlich und haftet an der feuchten leicht klebrigen Außenhaut.

Im Wasser löst sich das Mehl ab und schwebt dann als verführerisch duftende mit Partikeln angereicherte Wolke über dem Futterplatz. Das zieht Fische auch aus größerer Entfernung wie magisch an. Will man reichlich anfüttern gleichzeitig aber nicht zentnerweise Hanfboilies herstellen so kann man sie gut in Kombination mit Hanfkörnern – wie könnte es auch anders sein – oder anderen Partikelködern wie Hartmais oder Kichererbsen einsetzen.

Ein Kilo „Karpfenglück“

Zutaten:

250 Gramm feingemahlener Hanf

100 Gramm gemahlenes Kanarienvogelfutter

50 Gramm Milchpulver

100 Gramm Maismehl

200 Gramm Grieß

300 Gramm Sojamehl

Dazu 8-10 Eier und ein Schuß Olivenöl

Zutaten auswiegen und vermischen, parallel die rohen Eier gut durchschlagen. Eimasse langsam zu den pulvrigen Bestandteilen geben und dabei mit Mixer verrühren. Dann stehen lassen, bis eine teigartige Konsistenz erreicht ist. Anschließend Boilie-Teig durchkneten, Würstchen formen, in Stücke schneiden und zu Kugeln rollen. Diese in kochendes Wasser geben (zwei Minuten).

Foto: Verfasser

Abo Fisch&Fang