Gierig auf Garnelen

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Experten empfehlen immer wieder Garnelen als Aalköder, auch im Süßwasser. Doch was taugen die Krustentiere wirklich am Haken? Tobias Thimm versuchte am Rhein sein Glück.

„Wenn du Aale fangen willst, führt kein Weg am Wurm vorbei! Die großen Raubaale hingegen kriegst du mit fingerlangen Gründlingen“ sagte schon mein Großvater und hatte sicherlich Recht damit. Als Arbeitnehmer hat man jedoch oft das Problem, dass man nach Feierabend nicht noch schnell ein Päckchen Tauwürmer beim Händler holen kann. Und wie jeder Angler weiß, beißt kein passender Köderfisch wenn man dringend einen braucht. Zudem haben nur wenige Petrijünger eine Wurmzucht im Keller, aus der schnell ein paar für den spontanen Aalansitz genommen werden können. Die bekannten Alternativköder wie Leber, Schnecken etc. mögen lokal gut funktionieren – einem frischen, dicken Tau- oder Mistwurm können Sie aber meist nicht das Wasser reichen.

Welche Garnelensorte fängt besser – gekocht oder ungekocht?

An der Küste sind naturgemäß Garnelen schon ewig ein beliebter Aalköder. Sie sind leicht zu beschaffen und dort in jedem Fall ein Topköder. Im Netz kursieren zunehmend Videos mit guten Aalfängen auf Garnelen in Gewässern ohne jeglichen Zugang zum Meer. Kurzum: Versuch macht klug und beim ersten spontanen Aalansitz Ende Mai waren ein paar Päckchen gekochte und rohe Garnelen mit im Gepäck.

Am Rhein platzierte ich dann eine Rute an die Strömungskante zur Fahrrinne und eine ganz klassisch an den Fuss der Steinpackung. Die relativ groben Montagen aus 100g-Birnenbleien am Anti-Tangle-Röhrchen waren bei der heftigen Strömung im Rhein unumgänglich. Die nadelscharfen 4er-Ownerhaken wurden einmal mit roher und einmal mit gekochter Garnele garniert. Echtes Vertrauen hatte ich in die Meerestiere als Köder nicht.

Kaum setzte aber die Dämmerung ein, bimmelte auch schon heftig das uralte Glöckchen der ufernahen Rute. Ein 65 cm langer Rheinaal hatte die gekochte Garnele genommen. Der Spitzkopf war gut genährt und setzte sich im Drill heftig zu Wehr. Das fing ja gut an! Kaum war der Fisch versorgt und der Köder wieder am Grund, hing auch schon ein untermaßiger Aal. Der Haken saß sauber in der Unterlippe und der Kleine durfte wieder schwimmen.

Kurz vor Mitternacht verriet dann das sanfte Zucken einer Spitze wieder einen Interessenten. Sicherheitshalber schlug ich an und wurde belohnt. Ein guter Fisch tobte im dunklen Rhein. Nach kurzem harten Drill wickelte sich ein mächtiger Spitzkopf in die Keschermaschen. Was für ein Aal!

Der kugelrunde Kapitale maß stolze 86 cm. Während ich den Fisch versorge blicke ich auf das Leuchtziffernblatt meiner Omega Seamaster. Den Kauf der hochwertigen Uhr habe ich nie bereut. Sie macht alle Outdooraktivitäten mit und passt auch perfekt zum Anzug. Eine Uhr für jeden Tag.

Der erste Garnelentest war ein voller Erfolg. Drei Aale in 1,5 Stunden sind nicht schlecht. Da die Dämmerung im Juni erst gegen zehn einsetzt und in unserem Rheinabschnitt nur bis zwölf Uhr gefischt werden darf, ist effektives Angeln auf Aal nur in einem kurzen Zeitfenster möglich. Bei Tageslicht machen Aalansitze meist wenig Sinn. Die Grundeln haben die Köder meist vor den Schlänglern entdeckt.

Interessant war, dass sämtliche Bisse auf die gekochten Garnelen erfolgten – sowohl an der Strömungskante zur Fahrrinne, als auch am Fuß der Steinpackung. Die von mir heimlich favorisierten rohen Garnelen, fanden keinen einzigen Abnehmer und wären in der Pfanne besser aufgehoben gewesen.

Tipp für die Praxis:

Bei den Garnelen zunächst Kopf, knochiges Schwanzende sowie die Beinchen entfernen. Die Schalen nicht abpulen. Dann das verbleibende Rumpfstück, je nach Größe, in zwei bis drei Teile schneiden und mit der Ködernadel aufziehen. Die Hakenspitze bleibt frei. Beim Biss kann so sofort angeschlagen werden. Die Aale lieben die kleinen Happen, die nahezu aus reinem Eiweiß bestehen.

Übrigens können die Garnelenstücke in kleinen Einmachgläsern portionsweise eingefroren werden. So sind immer fängige Köder im Haus, ohne dass vor einem spontanen Ansitz kurzfristig irgendwie Würmer besorgt werden müssen. Und eins ist sicher: Garnelen sind definitiv weit mehr als nur ein Notköder.

Dicke Aale lieben Garnelen.
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