Flügelspinner von Lemax?

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Schweizer Flügelspinner ohne Perlmuttplatten - ein Eigenbau?

Sören Fíetz hat zwei eindeutig Schweizer Köder in seiner Sammlung, doch wer genau hat sie produziert? Sicher wissen da die Lemax-Experten aus der Schweiz Bescheid!

Sören schrieb per Mail: „Moin Thomas, ich habe da einen Reußspinner (Flügelspinner, Irisspinner, Devon), den ich Lemax zuschreiben würde. Sollte er von Lemax produziert worden sein, dann ist die typisch kräftige Spinnachse entfernt und gegen einen kläglichen Draht ausgetauscht und mit einer wenig hübschen Kugel ergänzt worden. Das spiegelt nicht die hohen Ansprüche von Lemax wider. Der Spinnkörper wirkt sehr hochwertig, wie von Lemax produziert. Es fehlt ihm jedoch der typische Perlmuttbesatz. Ich habe schon sehr ähnliche Exemplare wie dieses gesehen, sie sind aber anscheinend seltener als perlmuttbesetzte Ausführungen dieses Modells. Ein Messingkern bildet das Innere des Spinnkörpers, auf diesen wurde beidseitig ein dünnes Metallblech, welches angelaufen wirkt, aufgenietet. Der Köder misst ohne Achse und Haken ca. 65 mm. Ich habe irgendwo einmal gelesen, dass Max Lehmann dieses Modell mangels Muschelschalen ersatzweise gebaut haben soll. Was meinst du?

Ein weiterer Köder, den ich ebenfalls Lemax zuschreiben würde, hat weißen bzw. schwarzen Kunststoff aufgenietet. Der Devon wirkt in Teilen durchaus hochwertig verarbeitet, der Kunststoff wertet den Gesamteindruck jedoch massiv ab. Ein irgendwie bejammernswerter Köder. Wurde er ggf. in den letzten Jahren vor der Firmenschließung produziert? Viele Grüße Sören“

Wer weiß mehr? Infos an thomas.kalweit@paulparey.de

Flügelspinner mit Perlmutt-Imitat aus Kunststoff.

Anmerkung vom 16. Dezember 2020:

Der erste Experte aus der Schweiz hat sich gemeldet. Peppi Planzer schrieb per Mail: Hallo Thomas, ich denke der angebliche obere Lemax ist ein Eigenbau-Köder. Anbei Bilder von den Lemax ohne Perlmutt. Beim andern Köder handelt es sich um einen Kneubühler Flachspinner mit Kunststoffplättchen. Die Firma Kneubühler wurde 1926 in Burgdorf gegründet. Sie hat verschiedene hochwertige Löffel, Spinner und Rollen (Fix Reel/Trick) hergestellt. Gruss Peppi“

 

Typisch für Lemax sind die eingeprägten Flossenstrahlen auf den Flügeln.
Flach-Spinner von Kneubühler, darunter auch Modelle mit Kunststoff-Auflage.
Aus einem alten Kneubühler-Katalog. Bilder: Peppi Planzer
Modernere Köder der Firma Kneubühler.

Weitere Anmerkung vom 16. Dezember 2020:

Auch Markus Schober hat sich aus der Schweiz gemeldet: „Der erste Köder ist nie und nimmer ein Lemax, eindeutig ein Eigenbau! Der kleine untere Köder stammt aus Burgdorf und wurde bei Kneubühler hergestellt und vertrieben. Man findet ihn auch im Orvis-Katalog von 1954. Basis war der sog. Flachspinner, darauf wurden eloxierte (colored) oder Perlmutt- und Kunststoff-Plättchen aufgenietet. Als taugliche Kleber auf den Markt kamen, wurde geklebt. Außer bei Lehmann von Lemax, der hat nie geklebt.“

Anmerkung vom 25. Mai 2021:

Manfred Durrer aus der Schweiz schrieb per Mail: „Hallo Thomas, ich war zufällig auf eurer Blogseite. Ich bin der Enkelsohn von Max Lehman Senior, LEMAX, er war mein Grossvater. Max Lehman Junior mein Onkel. Ich verbrachte meine halbe Jugend bei meinen Grosseltern und besonders in dieser Werkstatt und kenne jedes Produkt und seine Machart. Auch viele Prototypen, welche nie in Produktion kamen. Natürlich hat Peppi Planzer, ein ausgewiesener Kenner dieser CH – Produktionen, recht mit seiner Äusserung, dass der dargestellte Spinner kein LEMAX Produkt ist. Lemax baute primär perlmutterbelegte Spinner und rel. wenig Vollmetallspinner in Messing. Alle waren genietet und nie geklebt.  Mein Grossvater erzählte mir einmal, dass er eine erste Serie Spinner mit einem bakelitartigen Kunststoff belegte, das muss also im Jahre 1932 oder 33 gewesen sein, welcher jedoch durch Wasser und Sonne schnell ausbleichte. Es hätte technisch überhaupt nicht funktioniert. So entschied er sich definitiv, die besagten Produkte nur noch im beständigen Perlmutt herzustellen, auch wenn das enorm viel mehr Aufwand bedeutete (er verwendete vorwiegend Burgos Schnecken, Mother of perl und Abalonen, welche er von Sahringhausem, Hamburg bezog). Ich besitze jedoch keinen dieser Spinner von Serie 1 und weiss auch nicht, wie die aussahen. Auch versuchte er es in den Sechzigerjahren einmal mit einem perlmuttähnlichem Kunststoff, der aber keine Marktakzeptanz hatte. Nach der Geschäftsaufgabe von LEMAX im Jahre 2017 habe ich die Markenrechte an LEMAX übernommen. Die schönste fast vollständige Sammlung an LEMAX Produkten, welche ich kenne, hat Michael Stoll in seinem kleinen und feinen Privatmuseum in Luzern. Mit bestem Gruss Manfred Durrer“

Foto von Max Lehmann Senior (1998-1975) mit Junior Max (1938-2016) aus dem Jahre 1952 auf dem Soppensee/Luzern. Bild: Manfred Durrer

Anmerkung vom 27. Mai 2021:

Markus Schober schickte ein Foto der erwähnten späteren Lemax-Serie aus den 1960er Jahren mit Perlmutt-Imitat.

Lemax-Versuchsserie mit Perlmutt-Imitat aus Kunststoff, das Material hat sich am Markt aber nicht durchgesetzt. Die Kunden wollten echtes Perlmutt. Bild: Markus Schober
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