ANZEIGE

Kombinierte Fliegen- und Spinnrolle „Oku“

998
Oku-Rolle
Die Oku-Rolle ist gut durch ihren Lochrand und den zentralen Aushebemechanismus zu erkennen.

Im Stork-Katalog von 1926 ist die legendäre Oku-Rolle aufgeführt. Im Katalog und auf den Fotos hier ist die erste Version dieser Rolle zu sehen, die Nachfolgeversion besaß eine noch leichtere Spule mit Speichen.

Die „Oku“ ist eine Präzisionsrolle aus Hartaluminium mit einer „doppelten“ stillen Regulierungshemmung, die mit einem Hebel am Rand der Rolle eingestellt werden kann. Zudem besaß sie laut Beschreibung ein Kugellager.

Die Oku-Rolle wurde vom Feinmechaniker Theodor Julius Markwardt (geboren 1889 in Hamburg-Altona, verstorben 1945 in Waldneukirchen) entwickelt und gebaut. 1921 meldete er in Waldneukirchen im Bezirk Steyr-Land (Traunviertel, Österreich) eine Feinmechaniker-Werkstatt an. Anfänglich baute er dort vor allem seine Angelrollen, später dann lieferte er Bauteile an die Steyr-Fahrzeugwerke.

Goldmedaille für die Oku in Eger

Markwardt war von St. Andrä-Wördern bei Wien nach Waldneukirchen gekommen, weil er nur dort ein Gebäude mit Stromanschluss kaufen konnte, das ehemalige Kurhaus in Eggmair. Stromanschluss für ein Gewerbe war damals offenbar nicht überall zu haben. Strom benötigte er unbedingt für seine Maschinen und die Oberösterreichische Kraftwerke AG hatte ihm ein halbes Kilowatt Strom (pro Tag?) zugesagt.

Bei der Handwerkermesse 1923 in Eger wurden Markwardts Oku-Rollen mit Kugellager und Hebelregulierung mit der Goldmedaille ausgezeichnet.

Zusammenarbeit mit Dr. Winter

Der berühmte Angelautor Dr. August Winter (Standardwerk „Angelsport“) war ein guter Freund des Feinmechanikers, er war Gemeindearzt in Waldneukirchen und von 1938-40 dort sogar Bürgermeister. Im 3. Teil „Flugangeln“ seines Angelklassikers stellt Dr. Winter die Oku vor. Es heißt dort im Vergleich zu englischen Fliegenrollen: „Ich habe deshalb mit unserem heimischen Rollenerzeuger eine Rolle konstruiert, welche stille Hemmung besitzt, präzise zu regulieren ist und trotzdem im Preise erschwinglich ist.“ Winter hatte bei der Oku also auch die Finger mit im Spiel. In seinem Buch abgebildet ist die Oku in einer ungewöhnlichen Version, nämlich mit Rim Cut, mit ausgeschnittenem Rand, um mit dem Daumen direkt an der Spule bremsen zu können.

Was der Name „Oku“ bedeutet, hat sich mir noch nicht erschlossen, „-ku“ könnte auf das verbaute Kugellager hinweisen. Vielleicht habt ihr eine bessere Idee!?

Weitere Informationen über Markwardt und die Oku-Rolle im Stadtmagazin von Waldneukirchen (auf Seite 10)…

Infos, Fragen und Anregungen bitte an thomas.kalweit@paulparey.de

Oku-Fliegenrolle
Auf der Rückwand ist sie mit "Oku" und "Th. Marwardt" gemarkt.
Seitlich oben links sieht man den kleinen Hebel für die Hemmung.
Oku-Rolle
Die kombinierbare Spinn- und Fliegenrolle "Oku" im Stork-Katalog von 1926.
Oku-Rolle
Die "Oku" mit Rim Cut in Dr. A. Winter, Angelsport, 3. Teil "Flugangeln", 1929. Man beachte: Nur ein Kurbelknauf!

Dr. August Winter erblickte im Jahr 1875 in Böhnitz bei Prag das Licht der Welt. Nach seinem Medizinstudium in Prag und Berlin ließ er sich anfänglich im Kurort Karlsbad nieder. Ab 1919 führte er dann eine Praxis in Waldneukirchen bei Bad Hall. Zuvor hat er in den Zeiten des 1. Weltkrieges als Schiffsarzt die ganze Welt bereist. 1938 bis zu seinem frühen Tod 1940 war er in der NS-Zeit Bürgermeister von Waldneukirchen. In einem verspäteten Nachruf von Hans Fischer aus dem Jahr 1950 heißt es ganz verschlüsselt und geheimnisvoll: „Am 28. Juli dieses Jahres wäre Dr. A. Winter 75 Jahre alt geworden, hätte ihn nicht schicksalsvolles Zeitgeschehen aus der großen Gilde derer von der Wasserweid hinweggenommen. Er, der mit tiefster Empfindsamkeit den Spuren der allgütigen Natur gefolgt war, konnte die Naturwidrigkeit und Intoleranz der Menschen, die ein Kind anderen Blutes nimmer unter sich leiden wollten, nicht ertragen.“ (Österreichs Fischerei, Juli 1950, Heft 7)

Anmerkung vom 31. Oktober 2023:

Gerhard Dee ergänzte per Mail: „Hallo Thomas, anbei Bilder von einem Besucher-Abzeichen zur Ausstellung in Eger 1923 und die Gold-Medaille, mit der die OKU-Rolle dort damals prämiert worden ist. Die Abkürzung „v.m.“ auf der Textseite der Medaille bedeutet „verbunden mit“. Die Signatur des Medailleurs neben dem rechten Oberschenkel der Figur lautet wohl „FD“. Dabei könnte es sich möglicherweise um Franz Dorrenbach (1870-1943) handeln. Das war ein deutscher Bildhauer, der auch im Medailleur-Verzeichnis genannt wird. Der Zeitraum könnte stimmen, aber belegt ist das bisher noch nicht. Herzliche Grüße, Gerhard“

Mit so einer Goldmedaille wurde die Oku-Rolle 1923 auf einer Handwerksmesse in Eger ausgezeichnet. Bilder: G. Dee
Die Rückseite der Medaille.
Besucherabzeichen der Handwerksmesse "Deutsches Schaffen" in Eger 1923.

Weitere Anmerkung vom 31. Oktober 2023:

Markus Schober hat die Oku in der späteren Speichenversion in seiner Sammlung. Es soll die Rolle in zwei Größen gegeben haben, die Rollen wurden auch von Spohn, der Angelgeräte GmbH in Berlin und von Müller & Fliege in Coburg verkauft.

Oku Speichenversion
Die zweite Version der Oku mit Speichen. Bilder: M. Schober
Der seitliche Hebel ist bei der Oku-Speichenrolle einem Schieber gewichen. Gemarkt ist die Rolle jetzt mit "Oku Made in Austria".
ANZEIGE
Abo Fisch&Fang