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Die Generalprobe

1852
Nach 50 Jahren darf die gute alte Shakespeare-Telerute noch einmal ans Wasser. Bild: Bernd Taller

April 1973. Das vereinsinterne Anangeln stand kurz bevor. Zusammen mit dem Königsangeln im August der Höhepunkt meines Angeljahres.

Damals die günstige Chance eine Rute oder Rolle zu gewinnen. Und wenn man als Jungangler nur über eine sehr kleine Ausrüstung verfügt, eine höchst spannende Angelegenheit.

Mein Lehrmeister Johann Sabo nahm mich in seinem alten Renault mit ans Wasser. Er wollte herausfinden inwieweit ich seine Tipps in die Praxis umsetzen konnte. Brotteig mit Vanillearoma und Rotwürmer, das waren meine Köder. Zum Anfüttern hatte ich eine Mischung aus Kleie und Maismehl angemischt. Als Angelgerät besaß ich nur eine Teleskoprute von Noris Shakespeare. Nicht ideal zum feinen Stippen und fürs Karpfenfischen zu leicht. Der Gewinn einer Rute, das war natürlich mein Traum. Die Generalprobe verlief zur vollsten Zufriedenheit meines Mentors. Denn es gelang mir der Fang zweier Rotaugen und einer kleinen Brasse.

Voller Aufregung fieberte ich dem Samstagnachmittag des Anangelns entgegen. Ich loste einen Platz zwischen zwei Weidenbüschen. Leider hatte ich in der Schule und im Freundeskreis von meinem großen Auftritt erzählt. Hinter mir befand sich bald eine johlende Bande, die so gar nichts vom Angeln verstand. Es gipfelte darin, dass sogar Steine in der Nähe meiner Pose landeten. Und so kam es wie es kommen musste – ich bekam nicht einen Biss. Bei der Preisverleihung wurde ich jedoch positiv überrascht. Mein letzter Platz wurde mit zwei Päckchen Haken und einer Rolle Schnur versüßt…

Bernd Taller

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