Bisskunde für Karpfenangler

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Bisskunde für Karpfenangler

30.06.2014 11:22 von Matze Koch

Piep piep piep

Wann hängt ein Karpfen? Beim furiosen Vollrun? Oder schon bei zarten Swingerbewegungen?

Ein sauberer Vollrun,…

 

ein Spurt an die Rute, schon kann der kraftvolle Drill des stärksten hiesigen Friedfisches losgehen. So funktioniert ein Karpfenbiss aus dem Lehrbuch. Leider können Karpfen keine Lehrbücher lesen. Sie denken nicht daran sich so zu verhalten, wie es unsere reichhaltige Erfahrung lehrt. Viele Bisse laufen durchaus so ab, wie oben beschrieben. Die Frage, die ich mir seit langem stelle ist, wie viele Fische man leichtfertig verspielt, weil der Biss falsch interpretiert wird.

 

Matze mag schon nicht mehr hinsehen. Der 5. Aland des Ansitzes. Aber sind Einzelpiepser wirklich immer von Brassen oder Alanden?

 

 

Doch zunächst möchte ich anhand des Drillverhaltens deutlich machen wie unterschiedlich Karpfen ticken. Ich habe schon 30pfündige Karpfen in den Kescher gezogen als wären es altersschwache Rotaugen. Einmal wollte ich mich gerade bücken um die vermeintliche Brasse noch im Wasser abzuhaken, als ein kräftiger Spiegler zum Vorschein kam. Ebenso haben mich halbstarke 15pfünder schon eine gute halbe Stunde beschäftigt, und dass, obwohl ich Insidern als Brachialdriller bekannt bin, denn die Fische müssen nach meiner Auffassung schnell in den Kescher, das ist am schonendsten.

 

Das ist der Grund, warum ich Anglerlegenden „der verlorene Fisch war der Größte!“ keine Beachtung schenke. Die Größe weiß man erst, wenn der Fisch an Land ist.

 

 

Spiegler mit kleiner Schwanzflosse. Brutaler Vollrun und 35 Minuten Brachialdrill auf Biegen und Brechen!

 

 

So unterschiedlich das Drillverhalten ist, so unterschiedlich ist auch das Verhalten bei der Nahrungsaufnahme. Genau dieser Umstand wirft die erwähnte Frage auf. Interpretiert man einige schnelle Piepser zu voreilig als „Brassenzupfer“? Von kapitalen Grasfischen ist bekannt, dass sie selten Runs machen. Sie lösen stattdessen oft eine Reihe von Einzelpiepsern aus, die auf eine gehakte Brasse schließen lassen. Der Grasfisch bleibt, nachdem der lästige Haken in der Unterlippe hängt, einfach am Platz stehen und schüttelt ständig mit dem Kopf, statt zu flüchten. Oft gelingt es ihm dabei sogar den Haken loszuschlagen. Genau diese Angewohnheit hat ein Teil der Karpfen auch. Sie bleiben am Platz und spielen „ich bin eine Brasse“.

 

Nur wenige unscheinbare Piepser und ein Drill von kaum zwei Minuten

 

 

 

Doch wie begegnet man diesem Phänomen? Wer eine Karpfenmontage mühevoll 200m weit ausgebracht hat, der wird sich hüten bei jedem Piepser anzuschlagen, was auch nicht wirklich Sinn macht.

 

Dennoch bin ich der Meinung, wenn es die Situation zulässt, sollte man durchaus öfter mal anschlagen. Einen meiner größten Karpfen fing ich nach einer kurzen Reihe von Zupfern. Der Fisch stand schlicht am Platz und bewegte nur den Kopf. Der Drill dauerte übrigens keine zwei Minuten.

Mich würde EURE Meinung dazu mal interessieren. Ich habe extrem schlanke Fische gefangen, die schnell im Netz waren, und kugelrunde, die mich lange forderten. Obwohl die Faustregel das Gegenteil sagt.
Wie siehts bei Euch aus?

 

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