Begegnungen am Wasser, Teil 13

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Jan Eggers mit seiner berühmten Mepps-Kappe und seinem ersten kanadischen Sheefish, einer wandernden Maränen-Art.
Jan Eggers mit seiner berühmten Mepps-Kappe und seinem ersten kanadischen Sheefish, einer wandernden Maränen-Art.

Mepps und Jan Eggers, diese beiden Marken gehörten lange Jahre untrennbar zusammen. Lesen Sie von Jans Angeltouren mit der Mepps-Familie!

Im letzten Teil habe ich erzählt, wie mein Kontakt zur Firma Mepps zustande gekommen und wie diese französische Firma in amerikanische Hände geraten ist. Diesmal werde ich über interessante Dinge und Begebenheiten berichten, die während und nach den vielen internationalen Angelsport-Messen, auf denen ich für Mepps vor Ort war, stattgefunden haben. Ich werde mich auch an die vielen verschiedenen Angeltouren erinnern, die ich zusammen mit Mepps-Inhaber Mike Sheldon und anderen Mitarbeitern gemacht habe.

Kleines Gewässer mit vielen Überraschungen

Der Bundesstatt Wisconsin ist sehr wasserreich. Angler können zwischen großen Seen und Flüssen wählen, aber auch zwischen kleinen Rinnsalen, die hier und da etwas breiter werden, sich wie ein kleiner Weiher aufweiten.

Mike bevorzugte, nicht so wie ich, vor allem kleine Gewässer. Die ersten Fische, die wir zusammen in den kleinen Flüsschen der Spider Ranch fingen, waren Sonnenbarsche und kleine Forellen. Wir fischten mit den kleinsten Mepps-Spinnern, wie dem Aglia oder Black Fury in den Größen 0 und 1. Das Spinnfischen mit dem sehr leichten Gerät machte viel Spaß, vor allem, weil hin und wieder auch etwas größere Raubfische die Kunstköder packten.

Mike hatte mir einen Angel-Trip mit einem Kanu versprochen. Bei einem Besuch in der Mitte der 1980er Jahre war es soweit. Oben auf den Allrad-Geländewagen wurde ein Kanu gepackt. Angelzeug und Proviant kamen hinten ins Auto, dann ging es in Richtung eines Flüsschens, an dessen Namen ich mich nicht mehr erinnern kann. Neben Forellen, Yellow Perch, Sunfish und Bluegills konnten wir Walleyes, Largemouth und Smallmouth Bass und einige Hechtarten fangen. Allein schon die Artenvielfalt der Raubfische machte diesen Trip unvergesslich.

Ich fischte mit für mich ziemlich neuen Kunstködern, mit Spinnerbaits und mit verschiedenen Modellen von weichen Plastik-Würmern, die unter der Sammelbezeichnung Twister liefen. Sheldon’s Inc. hatte 1982 die Firma Mister Twister in Minden, Louisiana, übernommen. Ich erhielt ein ordentliches Sortiment dieser Köder, um sie in Europa zu testen, aber darüber später mehr.

Der Bass Killer von Mepps, eher was für den Weihnachtsbaum? Jan Eggers sah damals zum ersten Mal einen Spinnerbait.
Der Bass Killer von Mepps, eher was für den Weihnachtsbaum? Jan Eggers sah damals zum ersten Mal einen Spinnerbait.

Wenn wir einmal an einen Gewässerbereich gerieten, der mehr oder weniger komplett mit Wasserpflanzen bewachsen war, gab mir Mike einen ungewöhnlich aussehenden Kunstköder mit dem Namen Bass Killer. Dieser Spinnerbait blieb nur selten im Kraut hängen, und noch wichtiger: er war ein super Raubfisch-Fänger! Ich fing an diesem Tag verschiedene Hechte zwischen 50 und 70 Zentimetern, einen untermaßigen Tiger Musky, einen 35-cm-Chain Pickerel mit lateinischem Namen Esox niger, und noch jeweils einen Largemouth und Smallmouth Bass mit diesem Köder. Eine bessere Einführung in diese Art Kunstköder, die ich mir zuvor eher in einem Weihnachtsbaum vorstellen konnte, hätte ich mir nicht wünschen können. Diese Bass Killer funktionierten später auch prima auf Hecht in Nordhollands Poldergräben, mit und ohne Wasserpflanzen.

Auch erinnere ich mich noch gut an einen Trick, den Mike mir beibrachte, um Smallmouth Bass, kurz Smallies, zu fangen. Einmal hatte ich einen schönen Smally gehakt und wollte diesen mit der Hand landen. “Mach das nicht, drille ihn noch näher an das Kanu heran!” Das machte ich und zu meiner Überraschung zog Mike seinen Kunstköder hinter meinem gehakten Smally her. Sofort wurde sein Köder von einem noch größeren Artgenossen gepackt. Ein Fall von Futterneid!

Erinnerungen an viele Angelsport-Messen

Verglichen mit anderen, meist viel größeren amerikanischen Angelgeräte-Herstellern wie Berkley, Zebco und Lowrance, für die ich ebenfalls als Berater tätig war, hatte ich eine viel persönlichere Verbindung mit Sheldon’s Inc. Ich fühlte mich bei Mepps als Teil der Familie und immer mehr bewunderte ich den guten alten Todd Sheldon. Es war dann auch nicht verwunderlich, dass bei den vielen AFTMA-Messen, die inzwischen ICAST heißen, ich mit einigen Mepps-Mitarbeitern das Hotelzimmer teilte.

Ein Blick auf meine gesammelten Messe-Namenschilder verrät mir, dass ich in Atlanta, zwei Mal in Las Vegas, Dallas, Anaheim und New Orleans neben meinem Presseschild auch einen Sheldons/Mepps-Anstecker getragen habe.

Bei der Messe in Atlanta lud Todd mich nachmittags in die Stadt ein, um gut essen zu gehen. Es war heiß, mehr als 40 Grad, glücklicherweise dauerte der Gang nur ein paar Minuten. Todd hatte nämlich schon gesehen, dass sein Lieblingsrestaurant in der Nähe des Messegeländes lag. Der Name: McDonald’s!

Denkwürdig war auch die Rückreise per Auto von Atlanta nach Antigo, ich habe viel von der USA gesehen. Vor einer Börse in Las Vegas erinnere ich mich an einen Flug durch den Grand Canyon, in Dallas besuchten wir ein Rodeo und New Orleans war nicht nur musikalisch sondern auch anglerisch eine Reise wert.

Jan Eggers zusammen mit Bob Cummings auf dem Mr. Twister-Stand der AFTMA-Messe in New Orleans.
Jan Eggers zusammen mit Bob Cummings auf dem Mr. Twister-Stand der AFTMA-Messe in New Orleans.

Nach dieser großen Messe ging es zuerst mit Mister Twister-Chef Bob Cummings im Golf von Mexiko hinaus zum Fischen, danach besuchten wir zusammen die Mister Twister-Fabrik und schlussendlich fuhren wir dann mit einem riesigen amerikanischen Bass Boat mit 250 PS auf den Missisippi zum Largemouth Bass-Fischen. Wirklich sehr spannende Erlebnisse.

Jan Eggers fing bei 42 Grad Redfish im Golf von Mexiko.
„Mr. Twister“ Bob Cummings genießt den Besuch dieser 400 Jahre alten Windmühlen.
„Mr. Twister“ Bob Cummings genießt den Besuch dieser 400 Jahre alten Windmühlen.
Mike Sheldon und der Hechtpapst vor dem Rathaus von 1630 in Jans Geburtsstädtchen De Rijp.

Zu dieser Zeit fanden auch viele EFFTEX-Messen in Amsterdam statt. Dort konnte ich mich bei Todd, Mike, Bon und Tom Krautkremer revanchieren und ihnen das ländliche Nordholland zeigen.

Sie fanden das flache Land mit all den Gräben und Kanälen schöner, als die Hektik in Amsterdam. Ich konnte ihnen ein Hotel in Bovenkarspel organisieren. Sie hatten im Hotel “De Halve Maan” eine prima Zeit.

Nach einer EFFTEX in Amsterdam: Nachbesprechung im Garten von Bruins Boxmeer.
Nach einer EFFTEX in Amsterdam: Nachbesprechung im Garten von Bruins Boxmeer.

Nach so einer EFFTEX besuchten wir Angelgeschäfte und angelten auch. Ich erinnere mich noch an einen Besuch bei Hengelsport Bruins in Boxmeer. Die Amerikaner waren total erstaunt über die Angelei auf Rotaugen in Brassen in der Maas mit 13 Meter langen Stippruten…

Kaum verwunderlich, dass der erste holländische Fisch, den Mike Sheldon mit einem Mepps Lusox No. 3 fing, ein starker Brassen war, natürlich im Rücken gehakt… Glücklicherweise fingen wir auch noch ein paar Polderhechte und einen Zander in einem Beton-Düker. Jedermann war zufrieden.

Bei Angelsport Bruins in Bosmeer wurde den staunenden Amerikanern eine 13 Meter lange Kopfrute präsentiert.
Bei Angelsport Bruins in Bosmeer wurde den staunenden Amerikanern eine 13 Meter lange Kopfrute präsentiert.
Ein Teil der Anglergruppe macht sich bereit, um ins Taltson Camp umzuziehen.
Ein Teil der Anglergruppe macht sich bereit, um ins Taltson Camp umzuziehen.

Zusammen ins Hechtparadies

Eine der Passionen von Todd und Mike Sheldon war das Jagen und Fischen in Alaska. Todd zog es als Erholung vom Stress in der Firma in den Sommermonaten immer ein paar Wochen in die raue Wildnis Alaskas. Er hielt all seine Erlebnisse in einem Tagebuch fest. Er hat einige seiner Tagebücher für mich kopiert und ich habe sie mit viel Vergnügen gelesen.

Mike und sein Bruder Bill waren auch von diesem Alaska-Fieber infiziert, mit der Besonderheit, dass Bill nur mit der Kamera geschossen hat und Mike vor allem mit Pfeil und Bogen. Die Angelei in Alaska hatte vor allem verschiedene Lachs-Verwandte im Fokus. Es wurde aber auch gerne auf den Sheefish oder Inconnu, Stenodus leucichthys, eine wandernde Maränen-Art, gefischt.

Ray Beck und Henri aus Antwerpen mit zwei schönen kanadischen Hechten.
Ray Beck und Henri aus Antwerpen mit zwei schönen kanadischen Hechten.

Als ich Ende der 80er Jahre Mike über die fantastischen Fänge großer Hechte im Great Slave Lake und Taltson River erzählte, entstand der Plan, dort einmal gemeinsam zu fischen. In Verbindung mit einer der genannten Messen sollte dieser gemeinsame Hechttrip dann in den ersten Junitagen stattfinden. Es bestand das Risiko, dass die Taltson-Mündung noch teilweise zugefroren sein konnte, aber der Fluss selbst würde sicher eisfrei sein.

Mein Angelkumpel Bill Tenney organisierte für Mike und sich selbst den Flug von den USA nach Edmonton in Kanada. Zusammen mit weiteren Angelkollegen flog ich von Amsterdam via Toronto nach Edmonton. Wir trafen uns alle im Nisku Inn und flogen den folgenden Tag nach Yellowknife. Dort stand das Wasserflugzeug von Air Tindi für die letzte Etappe bereit. Wir sahen noch richtig viel Eis auf dem See, der nicht ganz so groß wie die Niederlande ist. Aber die Taltson-Mündung war zum Glück eisfrei. Wir hatten auch Glück mit dem Wetter, ein Hochdruckgebiet mit viel Sonne und wenig Wind sorgte für eine Futterfisch-Wanderung flussaufwärts, der viele Hechte folgten, die jagend und fressend sich die Bäuche vollschlugen. Ich weiß nicht mehr genau, in welchem Jahr das war, aber das ist auch nicht wichtig – es war wieder ein Jahr mit Superfängen.

Von Yellowknife aus ging es mit der Fluggesellschaft Air Tindi zum Taltson River.
Von Yellowknife aus ging es mit der Fluggesellschaft Air Tindi zum Taltson River.

Mike Sheldon hatte für die sieben anderen Angelgäste nicht nur eine Mepps-Kappe sondern auch eine Kunststoffdose mit verschiedenen Mepps-Kunstködern mitgenommen. Die Angler sollten testen, welcher Köder bei unserem Freund Esox am besten ankam. Auch war interessant, mit welchen Ködern die größten Exemplare gefangen wurden. Das Ergebnis war keine Überraschung für mich: Der 28 Gramm wiegende Mepps Syclops-Blinker No. 3, vor allem in den Farben “Hot Orange” und “Hot Chartreuse” fingen mit Abstand die meisten Hechte. Der allseits bekannt Mepps Lusox-Spinner No. 3 – mit oder ohne Kopfblei – lief auch prima.

Der Syclops-Blinker von Mepps war immer einer der besten Köder am Großen Sklavensee in Kanada.
Der Syclops-Blinker von Mepps war immer einer der besten Köder am Großen Sklavensee in Kanada.

Der größte Hecht von 122 cm und 25lb wurde bei dieser Tour von meinem Angelkumpel Henri aus Antwerpen mit einem Mepps Giant Killer gefangen. Mike Sheldon war über diese Woche voller Aktion ganz aus dem Häuschen. Die großen Hechte und massiven Walleyes nahmen ohne Zaudern die angebotenen Kunstköder zwischen ihre Kiefer. Ein idealer Ort, um die Fängigkeit von neuen Kunstködern zu testen. Und nicht nur die Fangkraft, vor allem auch die Langlebigkeit. Was hat man von einem Spinner, Spinnerbait oder Wobbler mit einem schönen Fransenschwanz, wenn dieser nach dem Fang einiger schöner Raubfische total zerfetzt ist? Naja, nicht viel! Es war deshalb auch nicht verwunderlich, dass es Mike eine Jahr später im August, nach den Messen EFFTEX und ICAST, wieder an dieses Gewässer zog. Nun zusammen mit Mitarbeitern, dem General Manager von Mepps Frankreich und meinem guten Freund Henri Limouzin, der unter anderem den Mepps Lusox erfunden hat. Henri hatte auch seine Frau, die Fotografin Martine Courtois, mitgenommen. Später entdeckte ich die typisch gezeichneten Hechte in Artikeln in der französischen Angelzeitschrift La Pêche et les Poissons.

Auch kleinere Hechte ließen sich die Spinnerbaits schmecken.
Auch kleinere Hechte ließen sich die Spinnerbaits schmecken.

Zu guter Letzt…

Anfang April 1995 erhielt ich ein handgeschriebenes Fax von Mike, darin teilte er mir mit, dass an diesem Tag sein 81-jähriger Vater Todd gestorben sei. Ich spürte, dass ich einen sehr guten Freund verloren hatte.

Mike hatte nun die volle Verantwortung für die Geschicke des gesamten Firma Mepps. Nun hatte er keine Zeit mehr für Angelreisen in den Hohen Norden. Seine ebenfalls angelnde Tochter und auch sein Sohn Mike Junior heirateten, bekamen Kinder und wir tauschten mehr Fotos unserer Familien aus, als von großen Fischen. So ist das Leben!

Mike Sheldon von Mepps mit einem wilden Hecht.
Mike Sheldon von Mepps mit einem wilden Hecht.

Soweit meine Erlebnisse mit der Firma Mepps in Frankreich und den USA. Im nächsten Teil bleibe ich näher bei meiner Heimat und werde über interessante Begegnungen am Wasser in Irland und England berichten. Noch etwas Geduld.

Jan Eggers

Abo Fisch&Fang