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Bald wieder Störe im Rhein?

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Nach ersten Erfolgen bei der Wiedereinbürgerung des Lachses, könnte auch bald wieder der Stör in unseren Flüssen schwimmen.

In der aktuellen Ausgabe der „LÖBF-Mitteilungen“ der Landesanstalt für Ökologie (Nordrhein-Westfalen) hoffen Fischerei-Biologen, dass „mittelfristig an ein Wiedereinbürgerungs-Programm gedacht werden kann“. Aktuelle Studien ergaben, dass vor allem der Niederrhein als Laich-Gebiet für den Stör geeignet ist. Zudem machen die Forscher große Fortschritte in der künstlichen Nachzucht des einheimischen Störs (Acipenser sturio).

Es ist aber keineswegs sicher „ob es gelingt dieses Naturdenkmal und diese potentiell wichtige Naturressource zu retten“. Besonders die „rücksichtslose Überfischung“ wird als „eine Hauptursache für das völlige Verschwinden des Gemeinen Störs“ genannt. In der Zukunft müsse dann verhindert werden dass die eingesetzten Störe von Anglern und Fischern gefangen werden.

Vor allem die 1994 gegründete „Gesellschaft zur Rettung des Störs“ setzt sich für die Wiedereinbürgerung dieser Art ein. Dieser Zusammenschluss aus Wissenschaftlern Fischzüchtern und Hobby-Fischern will künstlich vermehrte Störe aus Frankreich in Deutschland auswildern. Die letzte Population des Gemeinen Störs hat sich dort in der Gironde erhalten können.

Der Gemeine Stör

Der Gemeine Stör (Acipenser sturio) kam in Deutschland ursprünglich in allen Nordsee-Zuflüssen vor. Diese urtümliche Fischart besiedelte in großen Stückzahlen die Unterläufe der norddeutschen Flüsse. Unser größter Süßwasser-Fisch konnte im Rhein mehr als drei Meter lang werden. Einzelne große Exemplare stiegen sogar bis in die Oberläufe auf und sorgten dort für Aufsehen. Im Rhein sind Stör-Fänge aufwärts bis nach Basel in der Schweiz verbürgt.

Seine wirtschaftliche Bedeutung war enorm: Noch 1871 baute man in Hamburger eine eigene große Halle zur Vermarktung dieser Fischart. 1920 verkauften die Fischer in Altona immerhin noch 700 Stück. 400 davon wogen mehr als 30 Kilogramm. Der letzte Stör im Rhein ging 1923 mit 150 Kilogramm bei Rees ins Netz. Seit den 60-er Jahren gilt diese Art in Deutschland als ausgestorben.

Besonderes Aufsehen erregte 1993 ein sensationeller Fang: In der Nordsee zog ein deutscher Fischer einen 2,85 Meter langen und 142 Kilogramm schweren Stör an Bord. Der seltene Fang entwickelte sich zum Skandal. Die zoologische Sensation landete damals in der Kantine des Bonner Innenministeriums und nicht gleich nebenan im zoologischen Museum König. Der Koch der Kantine wusste nur um den kulinarischen Wert der Fisches – der Fischer erhielt 1.000 D-Mark für seinen Fang. Keiner der Feinschmecker war sich aber der unschätzbaren Bedeutung dieses Fanges für die Forschung bewusst.

Zum Aussterben des Störes in Deutschland führte neben der Wasser-Verschmutzung vor allem der Bau von unüberwindlichen Staustufen und Wehren. Der Wanderfisch Stör konnte seine Laichgebiete flussaufwärts nicht mehr erreichen. Hinzu kam noch die rücksichtslose Überfischung dieser lukrativen Art.

Kaviar vor dem Aus

Die schwarzen Eier der verschiedenen Stör-Arten zählen zu den begehrtesten Delikatessen. Weltweit reduzierte sich durch die gnadenlose Überfischung der Bestand aller Stör-Arten dramatisch. Am Kaspischen Meer wo die größten Mengen Kaviar gewonnen werden sind alle Störe inzwischen im Bestand gefährdet.

Die Kaviar-Lieferungen aus Russland verringerten sich im letzten Jahrzehnt um 90 Prozent. Trotz staatlicher Fang-Quoten steht dort die Kaviar-Produktion kurz vor dem Aus. Skrupellose Wilderer machen immer noch lukrative Geschäfte und bedienen den Weltmarkt. Die Kaviar-Preise explodieren – für ein Kilogramm der teuersten Qualität Beluga-Kaviar zahlt man heute um die 3000 Euro.

Info: Den Aufsatz zum Thema finden Sie in den aktuellen LÖBF-Mitteilungen Nr. 4/2002 S. 12 bis 17 der Landesanstalt für Ökologie Bodenordnung und Forsten Nordrhein-Westfalen. Weitere Informationen unter www.loebf.nrw.de.

Die „Gesellschaft zur Rettung des Störs“ finden Sie unter: www.sturgeon.de.

-tk-

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