Auf Achse im Allgäu: Der Rottachsee

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Auf Achse im Allgäu: Der Rottachsee
Mathias Fuhrmann mit einem kleinen Barsch aus dem Rottachsee – es kam aber noch viel dicker…
  • Anschrift:

    Rottachsee

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  • Mathias Fuhrmann zog es diesmal in den Süden der Republik. Am Fuße der Alpen fing er kapitale Räuber und landete einen Großhecht trotz Schnurbruchs. Außerdem lernte er von den oberbayerischen Kollegen, dass in der Ruhe die Kraft liegt und zu einem guten Angeltag immer auch eine anständige Brotzeit gehört.

  • 1. Tag: Die Sonne brennt erbarmungslos vom Himmel, und der Asphalt auf der Autobahn scheint zu kochen. Gott segne die Klimaanlage! Endlich erreiche ich die Abfahrt Holzkirchen an der A8. Noch schnell Herbert Ziereis vom Angelservice Oberbayern (A.S.O.) anrufen, um meine baldige Ankunft anzukündigen.

    Dann bin ich da: Herzliche Begrüßung, und der Grill ist schon auf Betriebstemperatur. Nach und nach treffen auch die anderen A.S.O.-Mitglieder ein. Im Anschluss an das leckere Essen wollen wir heute noch mit drei Booten im Schlepp Richtung Allgäu aufbrechen. Typisch Angler: Bei den Fachgesprächen dreht sich natürlich alles ums Fischen. Christian Junkenitz, der große Tüftler beim A.S.O., stellt ein Paket mit Prototypen der neuen Sideplaner auf den Tisch. Klar, dass die erst noch montiert und intensiv begutachtet werden müssen.

    Bei kühlem Nordostwind stechen die Boote der Schlepp-Spezies vom Angelservice Oberbayern (A.S.O.) in den Rottachsee.

    Am frühen Nachmittag geht es dann auf die Piste, und wir schaffen die 130 Kilometer in gut zwei Stunden. In Moosbach angekommen, beziehen wir rasch unser Quartier im gemütlichen Landhaus Rottachstub‘n. Danach geht‘s gleich weiter zum See. Die Sonne steht schon etwas tiefer, und die Hitze ist nicht mehr ganz so unerträglich – so um die 30 Grad im Schatten sind es wohl trotzdem noch.

    Die Infrastruktur am 300 Hektar großen Rottach-Speichersee ist erstklassig. Direkt am Strandbad befindet sich eine Slipstelle, und die Autos können wir auf dem nahen Parkplatz abstellen. Auf einer Tafel des ansässigen Anglervereins sind die Fischereibestimmungen erklärt, eine detaillierte Tiefenkarte gibt Aufschluss über die Unterwasserwelt. Mit Jeweils zwei Mann besetzt, legen unsere Boote ab. Neben Herbert und mir bilden Christian, Michael Rudelt, Tom Horeschi und Florian Limmer weitere Zweierteams. Dazu kommt noch der ortskundige Peter Mißler, der heute sein Petri Heil als Einzelkämpfer sucht. In der noch verbleibenden knappen Zeit drehen wir einige Schlepp-runden. Leider bleiben unsere Bemühungen ohne Erfolg, wir bekommen nicht einen Biss. Allerdings werden wir beim Anlegen Zeuge eines spektakulären Fanges: Ein einheimischer Angler präsentiert uns einen Prachtzander von über 80 Zentimeter!

    Michael präsentiert einen schönen Hecht. Erfolgsköder war der am Sideplaner geschleppte Castaic Real Bait im Dekor „Watermelon“.

    Ein Lichtblick zwar, aber dennoch steht mir die Sorge über unseren engen Zeitplan – ganze dreieinhalb Tage für drei Großgewässer! – ins Gesicht geschrieben. Zu allem Übel ist für den nächsten Tag auch noch ein Wetterwechsel angekündigt. Herbert sagt nur ganz gelassen: „Das passt schon!“

    2. Tag: Am nächsten Morgen geht es sehr zeitig auf den See. Im ersten Dämmerlicht beginnen wir mit dem Schleppen. Über Nacht ist der Wetterwechsel gekommen: Es weht ein kühler Nordostwind, und die Wolken hängen tief. Zudem nimmt der Wind von Stunde zu Stunde zu. Dadurch wird das Rudern immer beschwerlicher. Es herrscht riesige Erleichterung, als Christian und Micha im Nachbarboot den ersten Fisch melden. Es ist war zwar nicht der größte Hecht, aber mit fast 70 Zentimetern durchaus vorzeigbar. Er hat den Castaic Real Bait im Dekor „Watermelon“ genommen. Wir stellen sofort zwei unserer Ruten auf diesen Köder um. Kaum haben wir ausgelegt, stehen die Freunde schon wieder mit krummen Ruten im Boot. Also schnell rübermachen zum Filmen und Fotografieren. Ein 80er Esox, wieder auf den „Watermelon“. Der Fisch hat eine tiefe Bissverletzung, die davon zeugt, dass es hier noch weitaus größere Hechte geben muss.

    Christian und Michael beim Drillen. Gutes Teamwork ist gerade beim Freiwasserschleppen wichtig.

    Der Castaic Real Bait Watermelon scheint den Hechten im leicht bräunlichen Wasser des Rottachsee am besten zu gefallen. Ende Juli, zum Zeitpunkt unserer Tour, beträgt die Sichttiefe immerhin noch zwei bis drei Meter. Das Gewässer ist ziemlich strukturreich mit Landzungen, Plateaus und einer Insel. Der Speichersee soll ungefähr 16 Jahre alt und bis zu 38 Meter tief sein.

    >>Eines können meine Freunde nicht leiden: Stress beim Angeln<<

    Kaum haben wir uns wieder vom Fangplatz der Kollegen entfernt, drillen Christian und Micha erneut. Diesmal ist die Gegenwehr heftiger, und ein stattlicher Hecht gleitet ins Keschernetz. Ihm hatte es der Real Bait in 23 Zentimeter und dem Farbton „Ayu“ angetan. Das spätere Messen ergibt genau 100 Zentimeter! Was für ein Erfolg: fremdes Gewässer, schwierige Bedingungen, und trotzdem gleich zum Auftakt die magische Metermarke geknackt!

    Christian und Micha fangen noch Hecht Nummer vier mit gut 85 Zentimetern. Nach diesem Fang beschließen wir, andere Zielfische ins Visier zu nehmen. Wir wollen unser Glück auf Barsch und Zander probieren, und zwar werfenderweise. Aber vorher legen wir noch für eine zünftige Brotzeit am Ufer an. Eine gute Wirtschaft ist schnell gefunden. Denn eines können meine bayerischen Freunde gar nicht leiden: Stress beim Angeln. Sie fischen zwar hoch konzentriert und ehrgeizig, Erholungspausen mit gutem Essen gehören aber immer dazu.

    Fänger Christian hat gut lachen: Exakt 100 Zentimeter misst der Esox aus dem Rottachsee.

    Gut gestärkt begeben Herbert und ich uns noch schnell nach Immenstadt, um dort die Angelkarten für den nächsten Tag zu kaufen und eine Slipmöglichkeit am Großen Alpsee auszukundschaften. Die Lizenzen bekommen wir im Fischerstadl. Eine vernünftige Trailerstelle zu finden, ist da schon schwieriger. Nach der Rückkehr schlafen wir noch zwei Stunden, bevor es zurück auf den See geht. Drachkovitch-System und Gummifisch sollen Barsch und Zander bringen. Schließlich berichtete uns Peter von großen Barschen. Und dass es große Zander im Rottachsee gibt, haben wir ja schon am Vorabend gesehen.

    Wir beangeln zuerst den Bereich einer kleinen Landspitze zwischen Staumauer und Schutzgebiet. Ich versuche mein Glück auf Barsche mit kleinen Twistern und Gummifischen. Nach kurzer Zeit habe ich die ersten Bisse und kann auch ein paar kleinere Stachelritter fangen. Herbert versucht es mit einer Laube am Drackovitch-System auf Zander. Nach einiger Zeit hat er einen Fehlbiss. Die Kollegen im Nachbarboot haben mehr Glück. Tom kann einen schönen Hecht mit Laube am Drachkovitch-Sytem fangen. Der Fisch misst beachtliche 85 Zentimeter und liefert am leichten Gerät einen spannenden Drill. Schließlich fängt auch mein Bootspartner. Ein kleiner Zander wird gelandet. Nachdem Herbert eine frische Laube aufs System gewickelt und konzentriert serviert hat, bekommt er vor der Bojenkette am Südwestufer einen heftigen Biss. Die Ausschläge der Rutenspitze verraten, dass der Fisch kräftig mit dem Kopf schüttelt. Das kann kein Kleiner sein! Leider jedoch schlitzt der Fisch nach kurzer Zeit aus. Herbert flucht heftig. Der Experte ist sich sicher, dass da ein schöner Zander schlug. Das wäre die absolute Krönung des Tages gewesen, aber wir sind trotzdem sehr zufrieden. Noch ein gutes Essen und Trinken, dann geht‘s auf die gemütlichen Schlafstuben.

    Kurz & knapp

    Schöner, fischreicher See mit sehr guter touristischer Infrastruktur.

    Schwierigkeitsgrad:
    Mittel, viele Strukturen und Möglichkeiten sowohl für Boots- als auch Uferangler.

    Naturerlebnis:
    Fischen vor dem Alpenpanorama – einfach grandios!

    Empfohlene Methode für einen Kurzbesuch:
    Freiwasserschleppen auf Hecht und leichtes Spinnfischen auf Barsch. Unbedingt auch mal gezielt auf Zander probieren!

    Gewässer-Check

    Lizenzen/Informationen: Tag 11 €, Woche 55 €, Jahr 155 €. Angelkarten bekommt man u.a. im Gasthof Engel, Herz Platz, 87477 Moosbach, Tel. 08376/1015 oder beim Bootsverleih Hollisch, Rottachstraße 1, 87477 Moosbach, Tel. 08376/1378. Weitere Ausgabestellen und Informa-tionen finden Sie im Internet unter www.fischereiverein-rottachsee.de und www.allgaeuerseenland.de

    Mindestmaße/Schonzeiten: Hecht 50/15.02.-30.04., Zander 50/15.03.-31.05., Seeforelle 60/01.10.-28.02., Karpfen 35/-, Schleie 26/-, Renke 30/15.10.-31.12.

    Bestimmungen: Die Schutzgebiete sind strikt zu beachten. Angelzeit ist von 04.30 bis 23.00 Uhr. Erlaubt sind 2 Handangeln mit 1 Anbissstelle oder 1 Hegene mit max. 5 Anbissstellen.
    Es dürfen nur Ruderboote verwendet werden, ein 50-m-Abstand zum Schilf und Ufer ist einzuhalten. Beim Schleppen muss das Boot eine weiße Fahne führen.

    Mietboote: Bootsverleih Hollisch, Rottachstraße 1, 87477 Moosbach, Tel. 08376/1378.

    Unterkunft: Landhaus Rottachstub‘n, Familie Meisel, Grottenweg 3, 87477 Moosbach, Tel. 08376/1658, www.rottachstubn.de. Viele weitere Unterkünfte gibt es im Internet unter www.dein-allgaeu.de oder www.oy-mittelberg.de

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