Zielfisch Brassen: Wurm im Fokus

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Zielfisch Brassen: Wurm im Fokus
Der Autor schiebt den Wurm mehrfach auf den kurzschenkligen Haken und lässt nur ein kurzes Stück überstehen – das gibt weniger Fehlbisse.

Robin Illner über den Klassiker unter den Brassen-Ködern.

Mit welchem Köder fängt man sowohl winzige Kaulbarsche als auch riesige Waller? Das schafft wahrscheinlich nur der Wurm. Doch Wurm ist nicht gleich Wurm! Es gibt eine ganze Reihe verschiedener Arten, die wiederum für unterschiedliche Zielfische benutzt werden können. Im Folgenden möchte ich mich auf Tau-, Laub- und Mistwürmer sowie Dendrobenas konzentrieren.

Fangen und Hältern

Am einfachsten – und billigsten – ist es sicherlich, selbst nach Würmern zu suchen. Allerdings kann das Buddeln nach den Ködern sehr anstrengend sein. Einfacher geht‘s, indem man einen Spaten oder eine Mistgabel in den Rasen steckt und leicht daran wackelt. Das veranlasst die Würmer oft dazu, sich aus ihren Löchern zu zwängen und an die Oberfläche zu kommen. Jetzt gilt es, schnell zuzugreifen!

Wer Tauwürmer ins Futter mischen will, sollte sie zerkleinern – dafür gibt‘s spezielle Wurmscheren.

Für einen Zeitraum von ein bis drei Monaten kann man die gesammelten Würmer getrost in einer Dose mit reichlich Erde im Kühlschrank oder an einem anderen kühlen Ort lagern. Bekommen die potenziellen Köder sogar einen Eimer mit Deckel als neues Zuhause, bleiben sie auch über mehrere Monate frisch. Unbedingt sollte darauf geachtet werden, dass stets genügend Nahrung zur Verfügung steht. Entweder man besorgt sich spezielle Wurmerde im Angelladen, die schon mit Mineralstoffen und Vitaminen versetzt ist, oder man füttert seine neuen Haustiere einfach selbst, zum Beispiel mit Apfelschalen, Haferflocken, Zeitungspapier oder etwas abgelagertem Rasenschnitt. Wichtig: Regelmäßig nachschauen, ob die Würmer auch alles gefressen haben, ansonsten beginnt es zu schimmeln.

Wurm auf Wurm

Laub- und Mistwürmer sind die kleinsten Vertreter der gängigen Angelwürmer. Ich benutze sie besonders gerne zum Schleienangeln, aber auch Brassen und große Rotaugen stehen auf sie. Am liebsten ziehe ich gleich mehrere Würmer auf einen dünndrahtigen Haken, so dass ein quirliges Bündel entsteht. Auch beim Aalangeln habe ich damit gute Resultate erzielt. Mistwürmer versammeln sich oft zu großen Knäueln in Komposthaufen. Ansonsten muss man wohl auf den Kühlschrank des Fachhändlers zurückgreifen.

Sind Sie schon einmal dabei beobachtet worden, wie Sie in dunkelster Nacht im Garten nach Tauwürmern suchen? Meine Freundin schaute nicht schlecht, als sie mich das erste Mal mit einer roten Kopflampe über unseren Rasen stapfen sah. Rotes Licht? Ganz genau, denn Würmer nehmen es, wie viele Insekten auch, nicht wahr. Tauwürmer kommen nachts oft aus dem Boden heraus und krabbeln durchs feuchte Gras. Auf leisen Sohlen können wir so schnell einige Exemplare einsammeln.

Tauwürmer sind wesentlich länger, dicker und robuster als Laub- oder Mistwürmer. Der ideale Köder für große Haken und große Aale. Aber auch Schleien, Brassen, Döbel und Barben können ihnen nicht widerstehen. Ein enormer Vorteil des Tauwurms ist, dass er auch bei Weitwürfen nicht vom Haken fliegt.

Würmer lassen sich auch im Korb servieren. Tauwürmer (l.) bettet man am besten zwischen zwei Futterschichten ein, kleine Mistwürmer bringt man auch mit geschlossenen Madenkörben (r.) zum Fisch.

Dendrobenas sind zwar kleiner als Tauwürmer, gehören aber sicherlich zu den quirligsten Ködern überhaupt. Wenn ich einen Dendro auf der Hand habe, denke ich hin und wieder darüber nach, ob diese Würmer gar ein Hyperaktiv-Gen besitzen. Sie kringeln sich wie wild und scheinen immer topfit zu sein. Da die Dendrobenas selbst nach einigen Stunden am Haken noch quietschfidel sind, weiß der Angler, dass er immer mit einem absolut lebendigen Köder lockt. Ich benutze Dendrobenas am liebsten zum Feedern auf Brassen. Dabei mische ich auch mehrere Würmer unters Futter. Am besten, man zerschneidet sie – so ist die Lockwirkung am stärksten. Man muss jedoch unbedingt berücksichtigen, dass Würmer sehr sättigend sind. Deshalb füttere ich mit ihnen zu Beginn des Angelns eher sparsam, steigere die Menge aber, wenn die Fische richtig gierig werden.

Anködern

Unabhängig davon, auf welche Friedfische ich ansitze, lasse ich den Würmern am Haken möglichst wenig Spielraum. Allzu schnell haben Brassen, Schleie und Co. die Schwänze abgebissen, ohne dass wir eine Chance gehabt hätten, einen Fisch beim Anschlag zu erwischen. Deshalb schiebe ich den Wurm drei- bis fünfmal auf den Haken und lasse nur ein kleines Stück überstehen. Gerne halbiere ich ihn auch, weil seine Lockwirkung so höher ausfällt.

Robin Illner mit einem kapitalen Brassen von über zehn Pfund. Für solche Kaliber ist ein dicker Tauwurm der richtige Köder.

Haben wir den Wurm fertig angeködert, rutscht er gerne den Hakenbogen hinunter. Das verhindere ich, indem ich eine kleine Gummi-Made über den Widerhaken bis in den Bogen ziehe. Zudem verwende ich nur kurzschenkelige Haken. Spezielle Wurmhaken mit langem Schenkel und zwei Extra-Widerhaken setze ich gar nicht erst ein, weil es damit zu viele Fehlbisse gibt.

Flüssige Würmer

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