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Sensationsfund im Moor

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Das Grünswalder Moor gehört zur Naturlandschaft Wanninchen. Es ist ein Hangquellmoor, das durch Quellwasser gespeist wird. Bild: Ralf Donat/Heinz Sielmann Stiftung
Das Grünswalder Moor gehört zur Naturlandschaft Wanninchen. Es ist ein Hangquellmoor, das durch Quellwasser gespeist wird. Bild: Ralf Donat/Heinz Sielmann Stiftung

In den Mooren von Wanninchen in Brandenburg wurde eine verschollene Spinne wiederentdeckt.

Nur rund zwei Millimeter Länge misst das Feder-Zwergstachelbein, eine Zwergspinne, die in Mooren und Feuchtgebieten vorkommt. Ihr Auftreten in Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen ist eine kleine Sensation. Denn die Spinnenart galt in Brandenburg als ausgestorben, deutschlandweit ist sie stark gefährdet.

Experten der Heinz Sielmann Stiftung konnten Maso gallicus, so ihr wissenschaftlicher Name, nun wiederfinden – nahezu exakt an der gleichen Stelle, wo sie vor fast 50 Jahren zuletzt gesichtet worden war. „Der Fund dieser Art macht wirklich Hoffnung“, sagt Dr. Jörg Müller, Verantwortlicher für ökologisches Monitoring bei der Heinz Sielmann Stiftung. Denn das Feder-Zwergstachelbein hat besondere Ansprüche an seinen Lebensraum, zu dem neben Mooren und Feuchtwiesen auch Küstendünen und Heidelandschaften zählen.

In den Hangquellmooren von Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen hat die Spinnenart ihr einziges Vorkommen in Brandenburg. Dazu gehören das Grünswalder Moor, das Brandteichmoor und das Bergen-Weißacker Moor. „Hier existiert eine Pflanzengemeinschaft, die man sonst eher im Nordwesten Mitteleuropas findet“, sagt Müller: „Diese Moore sind ein echtes ökologisches Highlight.“

Das winzige und unscheinbare Feder-Zwergstachelbein (Maso gallicus) galt in Brandenburg als ausgestorben und wurde jetzt in Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen wiederentdeckt. Bild: Radek Šich/www.sichr.net
Das winzige und unscheinbare Feder-Zwergstachelbein (Maso gallicus) galt in Brandenburg als ausgestorben und wurde jetzt in Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen wiederentdeckt. Bild: Radek Šich/www.sichr.net

Artenfunde geben Aufschluss über Moor-Zustand

Die Wiederentdeckung des Feder-Zwergstachelbeins ist nur ein überraschendes Ergebnis einer faunistischen Bestandsaufnahme von Laufkäfern, Spinnen und Weberknechten, die im Früh- und Spätsommer 2023 in den drei Moorgebieten durchgeführt worden ist. Insgesamt wurden 43 Laufkäferarten, 144 Spinnenarten und acht Arten von Weberknechten erfasst.

Doch nur 17 bis 22 Prozent der gefundenen Laufkäfer sind Spezies, die für Moore typisch sind. Auch bei den Spinnen ist der Anteil solcher Arten mit 20 bis 29 Prozent gering. Stattdessen wurden verhältnismäßig viele Arten gefunden, die eher trockenere und offenere Lebensräume benötigen. Knapp die Hälfte der registrierten Laufkäferarten zählen dazu, bei den Spinnen sind es sogar fast 60 Prozent. Zu letzteren zählt etwa die Streu-Waldkräuselspinne Lathys heterophthalma. Sie gilt deutschlandweit als stark gefährdet. Auch der Östliche Panzerkanker Astrobunus laevipes ist eine solche Art.

Zwei Neufunde für Brandenburg

Immerhin handelt es sich bei diesen beiden Arten um Neufunde für Brandenburg. „Aber darüber kann man sich nicht so richtig freuen“, erklärt Dr. Jörg Müller: „Moore sind eigentlich Kühlschränke für die Landschaft. Wenn dort wärmeliebende Arten auftauchen, spricht das dafür, dass die Moore in einem allgemein schlechten Zustand sind. Das zeigt, wie wichtig es ist, dass diese Flächen wiedervernässt werden.“

23 Prozent der bei der Erfassung gefundenen Spinnenspezies sind Arten auf der Brandenburger Roten Liste, die auch deutschlandweit mindestens als gefährdet gelten. In Brandenburg wurden sie bisher ausschließlich in den drei Mooren der Heinz Sielmann Stiftung gefunden. Obwohl der Zustand der Gebiete also zunächst ungünstig scheint, handelt es sich um einen Lebensraum für deutschlandweit äußerst seltene Spinnenarten.

Erholungslandschaft für Mensch und Natur

Die Moore haben in den letzten Jahrzehnten viel mitgemacht: Durch den Kohleabbau in der Region fehlte ihnen lange Zeit Wasser und die Moorböden degradierten. Arten, die auf Moore und feuchte Landschaften angewiesen sind, zogen sich zurück oder starben aus – so auch das Feder-Zwergstachelbein. Mit dem Ende der Tagebau-Arbeiten in den 1990er-Jahren stieg das Grundwasser wieder an. Ab 2000 erwarb die Heinz Sielmann Stiftung die ehemaligen Bergbauflächen samt der geschädigten Moore im Umfeld, um sie langfristig für den Naturschutz zu sichern. Seitdem werden die Moore durch gezielte Maßnahmen revitalisiert.

„Unsere hiesigen Moore befinden sich in einer Übergangssituation“, sagt Ralf Donat, Projektleiter von Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen. Denn erst seit kurzer Zeit können die Moore hier wieder Torf bilden. „Die Landschaft wurde nachhaltig geschädigt und hat jetzt erst Gelegenheit, zu gesunden. Aber das geht nur sehr langsam“, erklärt Donat: „Ein Moor benötigt Jahrzehnte, um seine einstigen Strukturen wieder zu entwickeln.“

Wie lohnenswert das ist, zeigt nun unter anderem das neuerliche Auftauchen des ausgestorben geglaubten Feder-Zwergstachelbeins. „Das deutet darauf hin, dass trotz des Bergbaus irgendwo Rückzugsorte in der Landschaft für die Art geblieben sind“, sagt Donat. „Es handelt sich um eine Erholungslandschaft – nicht nur für Menschen, sondern auch für die Natur.“ Wer die faszinierenden Moore von Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen einmal selbst erleben möchte, kann am 11. Mai und 27. Juli an der Themenführung „Geheimnisvolles Moor“ teilnehmen. Mehr über Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen erfahren Sie unter www.wanninchen.de

-Pressemitteilung Heinz Sielmann Stiftung-

Astkrabbenspinne (Tmarus piger) aus dem Brandteichmoor in Wanninchen. Die Astkrabbenspinne lauert an einen Zweig geschmiegt ihrer Beute auf. In Brandenburg ist sie vom Aussterben bedroht und wurde ebenfalls in den Mooren von Wanninchen gefunden. Bild: Jörg Müller/HSS
Astkrabbenspinne (Tmarus piger) aus dem Brandteichmoor in Wanninchen. Die Astkrabbenspinne lauert an einen Zweig geschmiegt ihrer Beute auf. In Brandenburg ist sie vom Aussterben bedroht und wurde ebenfalls in den Mooren von Wanninchen gefunden. Bild: Jörg Müller/HSS
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