Kuriose Köder von anno dazumal

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Schon unsere Altvordern haben weihnachtliche Aromen und Zutaten in Angelködern verarbeitet, um sie dann an der einfachen Holzstippe beim Winterangeln einzusetzen. Bild: M. Bötefür

Zimtsterne, Honigkuchen und Pfeffernüsse. In der Adventszeit locken süße Leckereien an allen Ecken und Enden. Dass manche dieser Verführer schon vor 180 Jahren auch Top-Köder waren, ist heute (fast) in Vergessenheit geraten.

Ein wunderbarer Adventskalender für experimentierfreudige Angler ist das 1838 erschiene Buch „Geheim gehaltene Fischkünste“ aus der Feder von St. M. Henning. Der Autor empfiehlt darin für jede Fischart individuelle und teils nur saisonal verwendbare Köder, die dem Petrijünger mitunter eine Menge vorbereitender Hausarbeit abverlangten. Einer seiner Karpfenköder sollte wie folgt zubereitet werden: „Man nehme Pfeffer-, Honig oder Lebkuchen, schneide ihn in kleine Würfel, lege ihn in Brandtwein, worin zuvor etwas Honig und Kampfer aufgelöst ist, und ködere jedesmal ein solches Stückchen Kuchen an den Haken.

Es waren aber nicht allein süße Köstlichkeiten, sondern mitunter auch weit weniger verlockende Rezepturen zum Fang von Zielfischen. Eine davon erinnert an die Herstellung von modernen Boilies, war aber für Forellen gedacht: „Man nehme Kügelchen aus Mehl, Reiherfett, Kampfer, faulem Weidenholz und Honig. Das Holz wird kleingerieben, unter das Mehl gemengt und der Honig mit dem Kampfer und Reiherfett darunter gemischt, alles tüchtig untereinander geknetet, und dann Kügelchen wie Erbsen daraus gemacht; werden sie frisch verbraucht, so brauchen sie mit keinem Löchelchen versehen zu sein, werden sie aber gedörrt, so müssen sie ein solches haben.“

Knapp zehn Jahre später verriet Baron Hermann von Ehrenkreutz in seinem 1847erschienen Buch „Das Ganze der Angelfischerei“ wie aus Gebäckzutaten wunderbare Aalverführer herzustellen wären: „Aus einem Theile Honig, einem Theile Schmeer [Schweineschmalz] und zwei Theilen fein pulverisierten Deimetten [Thymian] wird auf einem gelinden Kohlenfeuer eine Salbe bereitet. Sollte sie zu dick werden, so verdünnt man sie mit einem Beisatz von Wasser, worin Weizenmalz oder Erbsenmehl tüchtig abgesotten worden. Mit dieser Salbe werden die Regenwürmer stark bestrichen; noch besser ist es, sie in derselben einige Stunden liegen zu lassen.“

Trotz der historischen Distanz von 180 Jahren hat sich an einer Erkenntnis Hennings bis heute nichts geändert: „Der Eine wählt diese, der Andere wählt jene Lockspeise, und jeder, wenn er seine bestimmte hat, hält seine für die beste“.

-Dr. Markus Bötefür-

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