Klimawandel, Brexit, Kormoran

309

So heißen die Sorgen der deutschen Fischerei! Michael Stübgen, der Parlamentarische Staatssekretär bei der Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, hat am vergangenen Dienstag am Deutschen Fischereitag in Magdeburg teilgenommen.

Stübgen erklärte dort: „Der Klimawandel macht auch vor der deutschen Fischerei nicht halt. Diese bittere Erfahrung machen derzeit unsere Fischer an der deutschen Ostseeküste. Denn es ist nicht die Befischung, sondern vor allem die Erwärmung der Meere, die dazu  führt,  dass der Nachwuchs beim Heringsbestand in dramatischer Weise in der westlichen Ostsee zurückgegangen ist. Deshalb schlägt der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES)  auch  für  das  kommende  Jahr  eine  Schließung  dieser  Heringsfischerei vor. Unsere Fischer brauchen jetzt eine gezielte Unterstützung, damit sie diese schwierige Phase überbrücken können.“

Auch der Brexit beschäftigt die Fischerei. „Der Zugang zu den britischen Gewässern ist entscheidend, um die deutschen Quoten vor allem bei Hering, Makrele und Holzmakrele ausfischen zu können. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft setzt sich dafür ein, dass die Fischerei im Gesamtpaket der künftigen Wirtschaftsbeziehungen mit Großbritannien verhandelt wird“, bekräftigt Stübgen. Eine weitere Herausforderung für die Fischer ist der zunehmende Kormoran-Bestand.

Stübgen dazu: „Wir brauchen ein funktionierendes EU-weites Kormoran-Management, das nicht nur den Kormoran,  sondern auch die Fischbestände schützt! Der Kormoran verursacht nach wie vor erhebliche Schäden in der Binnenfischerei und in den Aquakulturbetrieben. Wir haben Herausforderungen im Bereich der Fischerei, die keiner von uns alleine lösen kann. Wir brauchen alle Akteure an einem Tisch, um die Optionen für die künftige Entwicklung der Branche und der betroffenen Küstenregionen zu diskutieren. Ich werde alle Beteiligten zu einem Runden Tisch zu Beginn des kommenden Jahres einladen.“

Weiterführende Informationen

Der Hering in der westlichen Ostsee zählt neben dem Dorsch zu den beiden Brotfischen der deutschen Ostseefischer. Alternative Fangmöglichkeiten bestehen für sie kaum. Die Quoten für den westlichen Hering waren bereits für 2018 um 39 Prozent und 2019  um  48  Prozent gesenkt  worden.  Gleichzeitig  empfiehlt  der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES), auch die Fischerei auf den östlichen Dorsch 2020 ganz einzustellen. Die Kommission hat diese Fischerei daraufhin bereits mit Wirkung vom 24. Juli 2019 bis Ende des Jahres geschlossen. Für die küstennahe Fischerei in Mecklenburg-Vorpommern,  wo sich Ost- und Westdorsch mischen, gibt es hierzu allerdings Ausnahmen. Eine Schließung der Heringsfischerei in der westlichen Ostsee hätte nicht nur gravierende Folgen für die Fischer selbst, sondern auch für die Fischverarbeitung an der Ostseeküste, die in Sassnitz auf Rügen konzentriert ist. Denn diese ist maßgeblich auf die Heringsfänge der deutschen Ostseefischer angewiesen. Die Vorschläge der EU-Kommission für die Fangmöglichkeite in der Ostsee werden Ende August erwartet und von den EU-Fischereiministern im Oktober beschlossen.

-pm-

Abo Fisch&Fang