Futter mixen für Friedfisch-Ansitze

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Brassen
Der Lohn gezielten Anfütterns kann solch eine kapitale Güster von fast 1,5 Pfund sein.

Ohne Anfüttern läuft beim Friedfischangeln nicht viel. Dabei ist die richtige Beschaffenheit des Mixes oberstes Gebot. Duftstoffe und Geschmackszusätze machen nämlich erst dann Sinn, wenn das Futter auch tatsächlich am Angelplatz liegen bleibt.

By der Specimen Hunting Group Dortmund

Die Specimen Hunting Group Dortmund verrät, wie Sie mischen müssen. Schon immer lag etwas Geheimnisvolles in der Luft, wenn in Anglerkreisen über Anfuttermischungen gesprochen wurde. Und sicherlich sind einige große Matchfischen durch spezielle Mischungen von Experten entschieden worden.

Zwar hat unsere Gruppe am Wasser kaum mit Konkurrenz zu tun, aber wir möchten möglichst große Exemplare einer bestimmten Fischart fangen – und dafür muß die Mischung ebenfalls stimmen. Futtertaktik und -beschaffenheit richten sich in erster Linie nach dem Angelplatz, wie folgendes Beispiel belegt: Wir angelten an einem Teilstück der mittleren Ruhr, dessen Ufer dicht mit Buschwerk bewachsen war und kaum von Petrijüngern und Spaziergängern besucht wurde. Infolgedessen zeigten sich die vorkommenden großen Rotaugen sehr scheu. Mit normaler Taktik nach dem Prinzip „wenig, aber oft“ war hier nichts zu machen, da die Plötzen sofort das Weite suchten, sobald ein Futterballen aufs Wasser klatschte. Die einfache Lösung des Problems: Fortan fütterten wir „alles auf einmal“, dann für vier Stunden gar nichts mehr.

Die Mischung für diese Aktion musste zum einen in der Lage sein, die Fische rasch anzulocken, zum anderen durfte sie sich nur langsam zersetzen, um die Rotaugen möglichst lange für den Futterplatz zu interessieren. Beide Anforderungen mit einer Mischung erfüllen? Leider unmöglich! Wohl aber mit zwei verschiedenen Mixturen, die kurz nacheinander an der Angelstelle eingeworfen werden.

Zwei Bälle am Fluß…

Als Grundsubstanz für die erste Ladung verwendeten wir weißes und braunes Paniermehl. Dieses mischten wir im gleichen Verhältnis, fügten ein paar Maden, die durch ihre Wühlerei die Ballen zersetzen, und etwas Wasser hinzu. Daraus formten wir tennisballgroße Kugeln, die sofort eingeworfen wurden. Sie sollten sich schnell auflösen und die Fische locken.

Während dessen mixten wir die zweite Ladung, die auf jeden Fall eine längere Zerfallszeit haben musste. Diesmal allerdings ohne Maden und braunes Paniermehl. Statt dessen wurden Haferflocken verwendet, die das weiße Paniermehl binden sollten, sowie etwas Speisestärke, um das Futter noch fester zu machen. Der Effekt: Die locker gedrehten Kugeln lösen sich nur ganz allmählich auf, halten so die Rotaugen lange in Fresslaune. Das bewiesen die kontinuierlichen Bisse in den nächsten Stunden.

Natürlich muß man an solch schwierigen Angelgewässern auch genug Geduld mitbringen, um den Erfolg zu ernten, der mit dem Futter gesät wurde. So warteten wir an der Ruhr in sicherer Deckung oft bis zu zwei Stunden, bevor sich der Quiver erstmals bewegte und unsere Gruppe einige Rotaugen von 1,5 Pfund landen konnte.

Futterwolke im Stillwasser

In stehenden Gewässern hingegen soll sich das Futter schnell auflösen, dabei möglichst noch eine verführerische Wolke bilden und die Fische am Platz halten. Auch hier setzen wir wiederum weißes und braunes Paniermehl ein, zu dem Kleie gemischt wird. Die Wolkenbildung erreichen wir durch einen Anteil Milchpulver.

Diese Mischung kann allerdings nur im Nahbereich eingesetzt werden, da daraus geformte Bälle kein Ausbringen mit dem Groundbaiter (Wurfkelle) oder Katapult überstehen würden. Dafür müssen wir den Mix verändern. Die Anteile des braunen Paniermehls sowie der Kleie werden verringert, statt dessen Haferflocken beigefügt. Ist jedoch ein Boot erlaubt, können wir das Anfutter natürlich auch alternativ hinausfahren, ohne extra eine stärker bindende Mischung anrühren zu müssen.

Zutaten für Zielfische

Während die Grundsubstanz des Futters also immer zuerst auf den Gewässertyp zugeschnitten ist, können einzelne Zusatzstoffe bestimmte Fischarten gezielt locken.

Döbel beispielsweise sind Feinschmecker und von fleischlichen Zutaten sehr angetan. Deshalb mischen wir beim Grundangeln abgekochte Fleischwurstwürfel (0,5 Zentimeter Kantenlänge) unter weißes Paniermehl. Weitere Zusätze können kleine Frühstücksfleischwürfel, geriebener Parmesankäse und zerkleinerte Brühwürfel sein.

Angeln wir dagegen mit der Pose auf Döbel, hat sich eine Mischung aus eingeweichtem Weißbrot, angereichert mit fein zerschnittener Hähnchenleber und weißem Paniermehl, bestens bewährt.

Schleien sind in jeder Beziehung heikel und vorsichtig. In einem Gewässer bevorzugen sie süßes Futter, in einem anderen herbe Komponenten oder gar Partikel. Nach einigen Experimenten sind wir zu der Überzeugung gekommen, dass eine Mischung aus weißem und braunem Paniermehl, etwas Hanfmehl, gemahlenes Forelli sowie – je nach Futtermenge – eine oder mehrere Handvoll zerdrückte Caster in den meisten Gewässern Erfolg bringt.

Unseren Mix für Rotaugen reichern wir mit etwas Duftstoff (Flavour mit Anisanteil) an. Besonders in kaltem Wasser und an stark befischten Stellen zieht es die Fische an. Mit Geruchs- und Geschmackszusätzen sollte man aber generell sehr vorsichtig umgehen. Zuviel des Guten kann zur totalen Ablehnung der Fische führen.

Haben wir es auf Brassen abgesehen, mischen wir Erdbeer-Flavour – das übrigens ebenso Schleien anzieht – sowie etwas Biskuitmehl unter die Grundsubstanz. Und, ob Sie es glauben oder nicht, auch ein Schuß Pernod wirkt beiß-stimulierend. Wer unbedingtes Vertrauen in sein Anfutter hat und nur Zutaten bester Qualität in der richtigen Konsistenz mixt, kann meistens auf „Geheimmittel“ verzichten.

Mixen mit System

Paniermehl: Unerlässlich als Grundsubstanz für die meisten Futtermischungen. Dabei bindet weißes Paniermehl stärker als braunes.

Wasser: Die Wassermenge beim Anfeuchten des Mixes bestimmt, wie schnell sich die Ballen auflösen. Feuchte Kugeln zersetzen sich nur langsam, sind also in stärkerer Strömung und größerer Wassertiefe angezeigt. Trockene Bälle lösen sich rascher auf und bilden oft schon beim Einwurf eine auffällige Lockwolke. Daher werden sie in nicht zu tiefen Stillgewässern, Kanälen und langsam strömenden Flüssen eingesetzt.

Haferflocken und Speisestärke: Binden das Futter und machen es haltbarer, so dass es nur langsam zerfällt. Die Konsistenz kann somit der Strömung und Wassertiefe angepasst werden.

Lebendfutter: Beigemischte Kostproben wie Maden oder Würmer machen das Futter noch attraktiver. Zudem zersetzen sie durch ihre Krabbelei die Kugeln im Wasser rascher.

Lockstoffe (Flavours): Gibt es in den verschiedensten Duft- und Geschmacksrichtungen sowohl in flüssiger als auch pulverisierter Form. Flavours sollten allerdings nur sparsam eingesetzt werden, damit auch tatsächlich eine Lock- und keine Scheuchwirkung eintritt.

Foto: Verfasser

Abo Fisch&Fang